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Ärger am Bautzener Theaterplatz

Auf dem Rondell sitzen abends viele Jugendliche zusammen. Anwohner beklagen Ruhestörungen – und noch mehr.

An diesem Abend ist alles friedlich auf dem Bautzener Theaterplatz. Vor allem in der Nacht wird es aber oft ganz schön laut, wenn sich zuweilen 40 Jugendliche treffen. Ärgernis oder Chance?
An diesem Abend ist alles friedlich auf dem Bautzener Theaterplatz. Vor allem in der Nacht wird es aber oft ganz schön laut, wenn sich zuweilen 40 Jugendliche treffen. Ärgernis oder Chance? © Steffen Unger

Bautzen. An diesem Abend ist alles friedlich auf dem Platz vor dem Bautzener Theater. Eine Gruppe Jugendlicher spielt Ball. Auf einer Bank sitzen drei junge Männer und unterhalten sich, genießen die Sonne. Und auf der nächsten Bank sitzt eine Gruppe, sie hat Musik und eine Kiste Bier dabei. Ein öffentlicher Platz in Bautzen, auf dem sich junge Leute treffen und das Draußen-Sein genießen – nett und harmonisch.

Dennoch: Immer wieder gibt es hier Ärger. Anwohner berichten von Ruhestörungen, und erst neulich machte der Platz Schlagzeilen, weil ein Unbekannter drei dunkelhäutige Männer rassistisch beleidigt und bedroht hat. Von allein 16 Einsätzen in diesem Jahr berichtet die Polizei auf dem Areal. 2019 waren es 29 Einsätze. Der Theaterplatz – ein Problempunkt in der Stadt?

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Eine Anwohnerin erzählt: „Ich gehe regelmäßig mit meinem Hund auf dem Theaterplatz spazieren. Vor allem später am Abend, wenn Alkohol im Spiel ist und die Musik lauter wird, fühle ich mich dort aber häufig unwohl.“ Zuweilen so sehr, dass sie ein Pfefferspray mit auf die Gassirunde nehme. Sie habe erst vor Kurzem beobachtet, wie Jugendliche, wohl vom Alkohol beschwingt, Warnbaken in den Springbrunnen auf dem Platz geworfen hätten. Gut erinnert sie sich auch noch daran, wie im Herbst des vergangenen Jahres Jugendliche rechtsextreme Parolen grölten, wie: „SS, SA – wir sind da“.

Lärm und Müll sind das Problem

Auch eine andere Anwohnerin erzählt, dass es auf dem Platz abends häufig laut wird. „Größtenteils sind die Zusammentreffen auf dem Platz zwar friedlich“, sagt sie, „aber morgens ist oft alles voller zerschmetterter Glasflaschen und Kronkorken.“ Der Lärm und der Müll, das sei für sie schon ein Problem. Auch sehe sie immer wieder, dass dort viele junge Leute kiffen. Und auch sie beobachte, dass sich dort – zumindest, wenn sich das anhand der Kleidung beurteilen lasse – häufig auch Rechtsextreme treffen.

Bei den 16 Polizeieinsätzen auf dem Platz in diesem Jahr ging es 14 Mal um Lärm, berichtet die Polizei. Auch eine Bedrohung und eine Beleidigung habe es gegeben. Im vergangenen Jahr rückten die Beamten ebenfalls vor allem wegen Lärm aus, insgesamt 16 Mal war das der Grund. Zwei Beleidigungen gab es zudem, und zweimal wurde gegen das Betäubungsmittelgesetz verstoßen. Zudem gab es jeweils eine Anzeige wegen einer Bedrohung, wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz und wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Auch Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und Sachbeschädigung sind angezeigt worden.

Polizei fährt regelmäßig Streife

„Der Polizei ist bekannt, dass sich in den Abendstunden auf dem Platz, insbesondere in der warmen Jahreszeit und vor allem in den Ferien oder am Wochenende, Jugendliche und Heranwachsende treffen“, sagt Polizeisprecherin Katharina Korch. „In der Vergangenheit war polizeiliches Einschreiten insbesondere nach Anwohnerbeschwerden bezüglich ruhestörenden Lärms notwendig.“ Die Polizei fährt dort regelmäßig Streife, sagt sie – und spreche über das Thema auch mit der Stadt.

In regelmäßig stattfindenden Sicherheitsrunden ist der Theaterplatz Thema, das bestätigt die Pressestelle der Stadtverwaltung. „Uns ist der Theaterplatz als Problempunkt bekannt“, teilt Stadtsprecherin Laura Ziegler mit, „vor allem als Ort der Ruhestörung.“ Auch beim städtischen Ordnungsamt seien deshalb verstärkt Hinweise von Anwohnern eingegangen.

Dass der Theaterplatz Jugendlichen als Treffpunkt dient, sei erst einmal weder verwunderlich noch verwerflich, so die Stadtverwaltung. Das betonen auch die Anwohner im Gespräch. Aber natürlich gebe es eben auch Spielregeln, so die Stadt. Sie habe die Streetworker vom Verein Pro Chance dafür sensibilisiert, mit den Jugendlichen auf dem Platz ins Gespräch zu kommen.

Streetworkerin sieht auch positive Aspekte

Und wie schätzen die Streetworker die Situation ein? „Auf dem Platz kommen unterschiedliche Jugendgruppen zusammen“, sagt Sophia Delan von Pro Chance. Sie zählt auf: Auszubildende, Geflüchtete, Leute aus den umliegenden Dörfern oder Abiturienten. „Klar kann es da auch zu Konflikten kommen.“ Etwa 40 Jugendliche versammeln sich dort oft an einem Abend, erzählt sie.

In letzter Zeit habe auch sie häufiger davon gehört, dass im Verlauf des Abends ab und zu Gruppen dazugestoßen seien, die Konflikte suchten. „Wir wollen den Jugendlichen vermitteln, wie sie in solchen Situationen deeskalieren können“, sagt Delan. Im Kern liege das Problem aber zumeist eher bei der Lautstärke – und auch da wollen die Streetworker sensibilisieren.

Delan sieht aber auch den positiven Aspekt am Treffpunkt Theaterplatz: „Dass dort so viele unterschiedliche Jugendliche zusammenkommen, ist auch eine Chance“, sagt sie. Eben weil sich die Jugendlichen dort austauschen. 

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