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Ärger um Caravan-Stellplatz

Wurde der Platz am Wellenspiel zweckentfremdet, um Einnahmen zu generieren? Der Betreiber weist Vorwürfe zurück.

„Angenommen werden nur Mobilcaravanbesitzer. Keine Caravananhänger am Auto bzw. Camping“, heißt es in der Stellplatzordnung. Offensichtlich verstößt der Betreiber des Caravan-Stellplatzes am „Wellenspiel“, die Städtische Dienste Meißen GmbH, gegen ihre ei
„Angenommen werden nur Mobilcaravanbesitzer. Keine Caravananhänger am Auto bzw. Camping“, heißt es in der Stellplatzordnung. Offensichtlich verstößt der Betreiber des Caravan-Stellplatzes am „Wellenspiel“, die Städtische Dienste Meißen GmbH, gegen ihre ei © Foto: privat

Meißen. Es sollten ein paar schöne Tage in Meißen für das Paar aus dem Rheinland werden. Mit ihrem Wohnmobil wollten die beiden Touristen auf dem Caravan-Stellplatz am „Wellenspiel“ Station machen und von hier aus die Gegend erkunden. Doch daraus wird nichts. „Als wir ankamen, waren alle Plätze belegt, vor allem mit großen Wohnwagen und Pkw von Sinti und Roma. Wir hatten nur noch einen Stellplatz ohne Stromanschluss bekommen“, sagt Sabine Reichert (Name geändert). Eigentlich weiter hinten noch verfügbare Plätze seien nicht benutzbar gewesen, weil die Zufahrt durch eine „Wagenburg“ von Wohnwagen verstellt war. Nach ihrer Kenntnis, basierend auf der ihr ausgehändigten Stellplatzordnung, sei es nicht erlaubt, dass auf dem Platz Wohnwagen abgestellt werden dürfen, sondern nur Wohnmobile. Die Stadt verstoße damit gegen ihre eigenen Vorgaben, sagt die Frau.

Die Sinti und Roma sollen seit Anfang Juni da sein. Laut Stellplatzordnung sei es nur zulässig, maximal 30 Tage dort einen Stellplatz zu mieten. Als die Sinti und Roma vom Ordnungspersonal aufgefordert worden seien, den Platz zu verlassen, hätten sich diese geweigert. Der „Anführer“ habe gesagt, mit Frauen spreche er sowieso nicht.

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Falk Müller, der Leiter der Städtischen Dienste GmbH, die den Platz betreibt, habe diesen Gästen angeblich zugesagt, sie könnten so lange bleiben, wie sie wollten. Nach ihrer Kenntnis wurden die Anmeldungen der Wohnwagen danach auf die Namen der Frauen umgeschrieben, so als habe es sich um eine neue Gruppe gehandelt. „Wieso kann sich der Chef der Betreibergesellschaft so dreist und eigenmächtig über eigene Regelungen der Stellplatzordnung hinwegsetzen? Diese Regelungen wurden hier sehenden Auges gebrochen“, sagt die Rheinländerin.

Die Besucherin zählte neun große Wohnwagen und 15 Kleinbusse, die teils mit Firmennamen von Reinigungsunternehmen versehen waren. Sie stammen laut der Kennzeichen aus Köln, Remscheid und Bergheim. Die Männer seien tagsüber verschwunden gewesen. Sie vermutet, dass sie einer Arbeit nachgingen. In jedem Wohnwagen hätten etwa sechs bis neun Leute gewohnt. „Das Personal hat uns gesagt, man habe keine Ahnung, wie viele Leute sich auf dem Platz befänden. Deshalb könne man auch nicht die Gästetaxe von 1,50 Euro pro Tag und Person kassieren“, erzählt die Rheinländerin. Sie betont mehrfach, dass sie nicht ausländerfeindlich sei, und dass die Sinti und Roma auch keinen übermäßigen Lärm gemacht hätten. Sie hätten allerdings den ganzen Tag Strom und Wasser verbraucht, sogar den Rasen gewässert. Die Betriebskosten sind in der Pauschale von neun Euro pro Tag – pro Wohnmobil, nicht pro Person – eingerechnet. Der Betreiber mache hier doch Verluste, vermutet sie.

Wurde also gegen die eigenen Reglungen verstoßen, um den Platz zu füllen und Einnahmen zu generieren? Die Stadt will sich dazu nicht äußern. „Nach Rücksprache mit den zuständigen Fachabteilungen kann die Pressestelle dazu keine Stellung nehmen, da für den Caravan-Stellplatz am Freizeitbad „Wellenspiel“ allein der Betreiber zuständig ist“, so Michael Eckardt von der Pressestelle der Stadt Meißen.

Betrieben wird der Platz von der Städtischen Dienste GmbH, einer 100-prozentigen Tochter der Stadt. Geschäftsführer Falk Müller weist die Vorwürfe zurück. „Der Caravan-Stellplatz befindet sich in Betreibung der SDM GmbH, welche über Möglichkeiten der Aufnahme von Wohnwagen im Einzelfall eigenverantwortlich entscheiden kann“, teilt er auf Anfrage mit. In der Stellplatzordnung, die der SZ vorliegt, heißt es allerdings: „Angenommen werden nur Mobilcaravanbesitzer. Keine Caravananhänger am Auto bzw. Camping“. Von Ausnahmen ist keine Rede. Es gäbe derzeit keine interne Regelung, welche eine Höchstdauer der Nutzung vorsieht, so Müller weiter. Auch das steht der Stellplatzordnung entgegen. Dort heißt es: „Maximale Aufenthaltsdauer: 30 Tage“ (siehe Faksimile).

Dann müsse es sich um eine alte Stellplatzordnung handeln, so Geschäftsführer Müller. Ausgegeben wurde sie allerdings von seinen eigenen Mitarbeitern. Im Juli dieses Jahres.

Laut Müller wurde auch Gästetaxe gemäß der geltenden Regelungen der Stadt Meißen eingezogen. Damit widerspricht der Geschäftsführer offensichtlich seinen eigenen Mitarbeitern. „Der Betreiber des Caravan-Stellplatzes verstößt gegen keinerlei Vorgaben der Stadt Meißen“, so Müller.

Auf dem Stellplatz am Freizeitbad „Wellenspiel“ ist Platz für 18 Fahrzeuge. Seit Jahren gibt es Probleme mit der Auslastung.

Vor allem der Parkplatz an der Elbe ist hier ein Konkurrent. Dort gibt es zehn Stellplätze für Caravans. Die Nutzer müssen lediglich ein Parkticket lösen. Das kostet für 24 Stunden fünf Euro. Toiletten, Duschmöglichkeiten und Ähnliches gibt es dort aber nicht.

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