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Ärger um den Tag des offenen Umgebindehauses

Der Veranstalter hat den Schautag verlegt. Einige Teilnehmer bringt der neue Termin in die Bredouille.

Von R. Kühr und C. Brestrich

In dem Umgebindehaus von Gertrud Klein und ihrem Mann an der Obercunnersdorfer Hauptstraße haben sich am letzten Sonntag im Mai nicht wieder Hunderte Neugierige die Klinke in die Hand gegeben – so wie in den Jahren zuvor. Denn da fand immer der Tag des offenen Umgebindehauses statt, neun Jahre lang. Wie die Kleins aus Obercunnersdorf öffneten zahlreiche Hausbesitzer ihre Heime, um Besuchern zu zeigen, wie schön es sich im Umgebinde lebt. Ausgerechnet der zehnte Tag des offenen Umgebindehauses ist aber auf ein anderes Datum verlegt worden: auf den 6. Juli. Frau Klein kann deshalb in diesem Jahr nicht mitmachen. „Im Juli kann ich nicht für Besucher öffnen, die Wohnungen sind an Urlauber vermietet“, sagt sie. „Im Juli ist es wirklich ungünstig. Es ist Urlaubszeit, viele Familien haben anderweitige Pläne.“ Außerdem sei es ohnehin schlecht, so einen festen Tag einfach zu verlegen. „Auch die Besucher haben sich ja auf das Datum eingerichtet.“

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Gertrud Klein ist kein Einzelfall. Auch andere Mitstreiter des Umgebindehaus-Tages sind mit dem neuen Termin unglücklich. So hatten einige im Vorfeld schon Musiker oder andere Künstler für das letzte Maiwochenende vorbestellt. Ihnen musste nun wieder abgesagt werden. Damit fallen Programmpunkte weg. Zwar war Anfang des Jahres bekannt gegeben worden, dass der Tag des offenen Umgebindehauses nicht am gewohnten Termin stattfindet. „Aber so einen Tag plant man ja schon langfristig“, sagt eine enttäuschte Teilnehmerin.

Die Stiftung Umgebindehaus, die den Tag organisiert, erhofft sich hingegen sogar mehr Zuspruch durch den neuen Termin. Den will sie auch in den kommenden Jahren beibehalten. „Zwischen Ende Mai und Pfingsten ist überall viel los. Da gab es häufig Überschneidungen mit anderen Veranstaltungen“, begründet Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus das. Außerdem habe man einen Termin noch vor den großen Sommerferien gewählt, sodass die allgemeine Urlaubszeit nicht dem Tag des offenen Umgebindehauses schadet. In diesem Jahr käme außerdem hinzu, dass der Stammtermin mit dem Wahlsonntag zusammengefallen wäre. „Viele Gemeinden sind mit Personal und Helfern beim Tag des offenen Umgebindehauses aktiv“, so Matthes. Das wäre sich mit der Wahl in die Quere gekommen, meint er.

Anfang Juli ist sehr spät

Alles Quatsch, sagt Kottmar-Bürgermeister Michael Görke. „Man hätte sich mit den beteiligten Gemeinden im Vorfeld abstimmen sollen“, findet er. Auch die Gemeinde habe erst sehr spät von der Terminverschiebung erfahren und dadurch einige Mitstreiter für dieses Jahr verloren. „Das bedauern wir sehr.“ Die Reaktion der Betroffenen könne er nachvollziehen. Grundsätzlich sollte man sich wieder auf den alten Termin verständigen, findet er. Anfang Juli sei sehr spät, sodass Ferienwohnungen, die bisher freigehalten wurden, nicht mehr für den Tag zur Verfügung stehen. Dass die Wahlen negativen Einfluss auf den Tag des offenen Umgebindehauses gehabt hätten, glaubt er nicht. Görke wünscht sich, dass noch mal beraten wird, um für die Zukunft derartige Fehlplanungen auszuschließen.

Kein Problem mit der Verschiebung hat dagegen der Gebirgsverein Oybin 1880. Er bietet jedes Jahr zum Umgebindehaus-Tag Führungen durch Oybin an. In einem Monat wie dem Mai sind die aber gar nicht einfach zu organisieren, denn dann sind auch viele Urlauber in Oybin unterwegs: „Viele unserer Gästeführer sind schon ausgebucht“, so Vereinsvorsitzender Rainer Danzig. Im Juli dagegen sei die Zahl der Touristen erfahrungsgemäß niedriger. „Dann ist es für unsere Gästeführer entspannter.“

So gibt es durchaus positive Reaktionen auf die Verschiebung, aber eben auch Absagen wie die von Gertrud Klein aus dem Denkmalsort. Über 60 Anmeldungen verzeichnet Arnd Matthes von der Stiftung Umgebindehaus für den 6. Juli. Das seien etwas weniger als bisher. Ob das auf die Verschiebung zurückzuführen sei, ließe sich aber nicht nachvollziehen. Frau Klein aus Obercunnersdorf kann dem neuen Termin immerhin noch etwas Positives abgewinnen: Weil sie nicht mitmacht, kann sie sich selbst andere Umgebindehäuser ansehen. „Dazu kommt man sonst nicht, wenn man selber öffnet.“Kommentar