merken
PLUS

Ärger um einen Asphaltmischer

Die Anwohner befürchten, dass durch die geplante Anlage mehr Lärm, Staub und Gestank aus dem Steinbruch ins Dorf ziehen. Und Steuern gibt es auch keine.

Von Manfred Müller

So einmütig entscheidet Lampertswaldes Gemeinderat nur selten. Fast komplett stimmte er am Dienstagabend gegen die Errichtung einer Asphaltmischanlage im Brößnitzer Steinbruch; es gab lediglich eine Enthaltung. Das Rats-Votum allein kann den Aufbau der Anlage allerdings nicht stoppen. Es ist nur eine Willensbekundung, die im Genehmigungsverfahren zwar angehört, aber noch lange nicht beachtet werden muss.

Anzeige
Hautpflege ist aktive Gesundheitspflege
Hautpflege ist aktive Gesundheitspflege

Die Haut ist Schutzschild und Klimaanlage unseres Körpers - mit diesen Pflegeprodukten zum Aktionspreis hält man sie nachhaltig in Balance.

Zuvor hatte der Steinbruchbetreiber Baustoffe Flechtingen das Projekt kurz erläutert und Fragen der besorgten Anwohner beantwortet. Die Firma will ihren Asphaltmischer in Freienhufen abbauen, modernisieren und in den Brößnitzer Steinbruch stellen. Die Anlage wird eine Höhe von 35 Metern haben und kann bis zu 195 Tonnen pro Stunde ausstoßen. Für den Betrieb wurde die Zeit von sechs bis 22 Uhr beantragt. Im Mischwerk soll der im Steinbruch hergestellte Splitt mit Bitumen und Zusatzstoffen vermengt und dann per Lkw zu den Straßenbaustellen der Region transportiert werden. Bisher war der Splitt nach Freienhufen gefahren und dort verarbeitet worden.

Neue Bitumenlagertanks

Der Markt erfordere die Minimierung von Transportwegen, begründete Flechtingen-Geschäftsführer Frank Eggeling die Standortverlagerung. Die Mischanlage werde nicht komplett nach Brößnitz gebracht - sie bekomme beispielsweise neue Bitumenlagertanks. Diese würden dann nicht mehr mit Thermalöl, sondern elektrisch beheizt, was die Umweltbelastung – speziell den Geruch – erheblich reduziere. Überhaupt würden beim Betrieb alle gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte eingehalten. Der Asphaltmischer soll nach Abschluss der diesjährigen Straßenbausaison nach Brößnitz umgesetzt werden. Flechtingen veranschlagt für die Investition knapp vier Millionen Euro.

Das Projekt war Ende April schon einmal im Lampertswalder Gemeinderat diskutiert worden. Damals hatten sich weder die betroffenen Bürger noch die Ortschaftsräte der beiden Dörfer Brößnitz und Blochwitz zur Mischanlage geäußert. Am Dienstagabend aber war der Blochwitzer Saal gut gefüllt, und die Anwohner machten ihrem Herzen Luft. In Brößnitz etwa liegt die nächste Wohnbebauung nur 500 Meter vom Steinbruch entfernt. „Wenn jetzt noch eine Lagerfläche für Recyclingmaterial hinzukommt“, kritisiert Anwohner Uwe Deutschbein, „sind es nur noch 300 Meter.“

„Da wird es Reibereien geben“

In der kalten Jahreszeit werde dann eine mobile Brecheranlage aufgebaut, und die Brößnitzer bekämen den Krach, den Staub und möglicherweise giftige Inhaltsstoffe ab. Auch die Braunkohlenstaubheizung, mit der Mineralstoffe bei der Asphaltproduktion erwärmt werden, ist den Brößnitzern nicht geheuer. Und natürlich befürchten sie eine durch die Mischanlage verursachte Zunahme der Verkehrsbelastung.

„Außerdem wird der Schornstein des Mischwerkes im Steinbruch und damit viel zu niedrig stehen“, sagt Anwohner Frank Bennewitz. „Da wird es in Zukunft Reibereien geben.“

Lampertswaldes Gemeinderäte nahmen die Einwände der Betroffenen sehr ernst. Zwar behaupteten die Flechtingen-Vertreter, der Lkw-Verkehr werde nicht zunehmen, da bisher ja der Splitt nach Freienhufen gefahren worden sei. Auf die Gegenfrage hin, ob sie also eine höhere Verkehrs-, Lärm- und Geruchsbelastung ausschließen könnten, mussten sie allerdings die Katze aus dem Sack lassen. Das hänge natürlich von der Auftragslage ab.

Es gibt einen weiteren Grund, warum der Gemeinderat dem Asphaltmischer-Vorhaben ablehnend gegenübersteht. Baustoffe Flechtingen ist eine Tochter der Matthäi GmbH, die Steinbrüche und Kiesgruben an insgesamt 13 deutschen Standorten und einem in Polen betreibt.

Keine Gewerbesteuern

Da sich der Firmensitz nicht in Lampertswalde befindet, zahlt das Unternehmen auch keinen müden Euro an Gewerbesteuern in die Gemeindekasse. „Nennen Sie mir einen Vorteil, den die Kommune von der Ansiedlung der Mischanlage hat“, forderte Gemeinderat Dierk Bade den Flechtingen-Geschäftsführer auf. Die Arbeitsplätze im Steinbruch würden gesichert, gab Frank Eggeling zurück. Diese vage Aussicht allein war den Lampertswaldern zu wenig.

www.matthaei.de/flechtingen-standorte.html