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Ärger um geplanten Garagenabriss

Weil die Wohnungsgenossenschaft Aufbau ihr Geschäftshaus erweitern will, sollen Garagen weichen. Viele Mieter haben diese vor Jahrzehnten mit aufgebaut.

Mitglieder der Wohngenossenschaft Aufbau sind empört, weil ihre Garagen wegerissen werden sollen. Von links: Helga und Roland Loos, Helga Opitz, Horst Schlinkmann und vorn Oliver Opitz, der Sohn von Helga Opitz.
Mitglieder der Wohngenossenschaft Aufbau sind empört, weil ihre Garagen wegerissen werden sollen. Von links: Helga und Roland Loos, Helga Opitz, Horst Schlinkmann und vorn Oliver Opitz, der Sohn von Helga Opitz. © René Meinig

Dresden. Fast 60 Jahre lang hat Helga Opitz ihr Auto im Garagenhof auf der Henzestraße/Lipsiusstraße abgestellt. Ihr Mann und sie haben gemeinsam mit Helga und Roland Loos, Horst Schlinkmann und anderen Mitgliedern der Wohnungsgenossenschaft Aufbau (WGA) die rund 60 Garagen im Jahr 1960 mit eigenen Händen aufgebaut. "Damals waren AWG-Stunden zu leisten, da haben wir alle mitgearbeitet", sagt die 88-Jährige. Noch immer erledigen sie und die anderen kurze Fahrten selbst mit dem Auto. Umso wichtiger ist es für die zumeist älteren Garagenmieter, einen sicheren Standplatz für ihr Auto zu haben.

Doch den sollen sie jetzt einbüßen. Vor wenigen Wochen bekamen sie  einen Brief von der WGA, dass die Garagen zum 31. Juli dieses Jahres gekündigt werden. Der Grund: Die Genossenschaft will ihr Verwaltungsgebäude um einen dreigeschossigen Anbau erweitern, weil die Verwaltung mehr Platz braucht.  Dafür benötigt sie das Garagengrundstück, sagt WGA-Vorstand Andy Klyscz.  

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Unwirtschaftliche Sanierung?

Klyscz weiß, dass die Auseinandersetzung mit dem Garagenthema in Dresden und "insbesondere auch innerhalb unserer Genossenschaft sehr emotional und bisweilen auch monokausal geführt" wird. Für ihn sind Garagen eher ein "ressourcenzehrendes Relikt aus vergangenen Zeiten", die zunehmend durch Stellplätze im Freien oder durch Tiefgaragenstellplätze ersetzt werden. 

"Bei den vorliegenden Garagen aus den 1960er Jahren ist das Problem, dass sie auf Grund ihres Baualters funktional eingeschränkt und vor allem instandsetzungswürdig sind", sagt Klyscz. Eine Sanierung wäre nicht nur unwirtschaftlich, sondern würde auch negative Folgen für den ruhenden Verkehr entfalten. Denn die Höfe benötigen viel mehr Platz als andere Stellplätze. Zudem stelle die Genossenschaft zunehmend fest, dass die Garagen  gar nicht zum Abstellen des Autos, sondern als zusätzlicher Abstellraum genutzt werden.

Unmut über nicht reservierbare Plätze

Das weisen Helga Opitz und andere Garagenmieter jedoch zurück. In ihrer Gemeinschaft würde jeder ein Auto darin abstellen. Sie verstehen nicht, weshalb die Genossenschaft so kompromisslos mit den zumeist Mitgliedern der ersten Stunde umgeht, die in den vergangenen Jahrzehnten selbst zum Erhalt der Garagen beigetragen haben. So mussten sie im Jahr 1992 sogar 300 DM bezahlen, damit die WGA den Grund und Boden erweben konnte.

Andy Klyscz begründet die Kündigung mit der dringend notwendigen Erweiterung des Geschäftsgebäudes. Deshalb würden rund 50 Garagen abgerissen, aber rund 70 Stellplätze auf der gleichen Fläche neu errichtet. "Es ist uns dabei wichtig zu betonen, dass der Erweiterungsbau selbst nicht auf dem Grund der jetzigen Garagen vollzogen wird und damit der Innenhof in Summe eher baulich entlastet wird", so der Vorstand. 

Allen Garagenbesitzern sei angeboten worden, sich auf dieser Fläche für einen Stellplatz zu bewerben. Ein großer Teil habe dieses Angebot genutzt. "Aber warum wird den jetzigen Mietern nicht sofort ein Stellplatz reserviert?", fragt Oliver Opitz, der seine Mutter und ihre Mitstreiter unterstützt. Er befürchtet, dass viele bei der Bewerbung um die Stellplatzvergabe leer ausgehen werden.

Nur scheibchenweise Auskunft?

Für die Garagenmieter ist nicht nachvollziehbar, weshalb jetzt etwas abgerissen wird, wenn dann doch wieder Stellplätze entstehen. Sie fühlen sich auch in ihren Rechten als Genossenschaftsmitglieder eingeschränkt, weil sie keinerlei Mitsprachemöglichkeit hatten. "Es hätte zumindest eine Informationsveranstaltung dazu geben müssen. Stattdessen haben sie eine Mitarbeiterin vorgeschickt, die den ganzen Ärger abfangen musste", sagt Oliver Opitz. 

Für Genossenschaftsvorstand Andy Klyscz ist eine Mieterversammlung nicht notwendig. Sie fördere "im Allgemeinen nicht die Informationsdichte, sondern lässt oftmals vor allem den Emotionen freien Lauf" sagt er. Alle Garagenmieter seien über die Fakten informiert worden. "Jeder Garagennutzer konnte unsere Wohngebietsverwaltung anrufen, persönlich besuchen oder anschreiben und hat durch kompetente Mitarbeiter alle relevanten Informationen erhalten."

Doch das sieht Oliver Opitz ganz anders. Jeder hätte nur "scheibchenweise" auf Nachfrage etwas erfahren. Er selbst hat einen Brief mit vielen Fragen an den Vorstand gerichtet. In der Antwort hieß es, dass er "im Wesentlichen haltlose Vorwürfe und Vermutungen zum Ausdruck" bringe. "Dieser Umgang  widerspricht aus meiner Sicht dem genossenschaftlichen Gedanken", sagt  Oliver Opitz. 

Geht alles nach dem Plan der Genossenschaft, soll der Garagenabriss im Herbst erfolgen.  "Bei allem Verständnis, was wir für die betroffenen Garagennutzer haben, verfolgen wir die Strategie, lieber alte Garagenhöfe in anderer Form zu nutzen", so Klyscz. So beispielsweise zu Wohnzwecken, wie an anderen Standorten der WGA bereits geschehen. Stattdessen wolle die Genossenschaft lieber die schön gestalteten und großzügigen Grünflachen für unsere Bewohner zu erhalten. 

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Für Helga und Roland Loos, Horst Schlinkmann und Helga Opitz indes widersprechen sich der Erhalt sowohl von Grünflächen als auch Garagen überhaupt nicht. 

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