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Ärger um Industriebrache

Eigentlich soll der Schutt von dem Gelände verschwinden. Jetzt kommt tonnenweise neuer hinzu.

© Sebastian Schultz

Von Eric Weser

Strehla. Es bewegt sich was auf dem Gelände der alten Steingutfabrik in Strehla. Leider nicht so, wie sich mancher das gewünscht hat. Statt den ins Stocken geratenen Rückbau der ehemaligen Fabrik voranzutreiben und Bauschutt abzufahren, lässt der Flächeneigentümer derzeit Lkw-weise Abbruchmaterial herbringen und planieren.

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Eigentlich soll auf dem früheren Fabrikgelände ein Wohnbaugebiet entstehen. Das hatte der Grundstückseigentümer – eine Projektentwickler-Firma aus Rackwitz bei Leipzig – mehrfach bekundet. Um die Fläche vorzubereiten, war 2014 auch mit dem Abriss begonnen worden. Doch dann stoppte der Rückbau. Seither bleibt Nachbarn der vom Oppitzscher Weg und vom Elbwinkel der Blick auf ein Metallgerippe einer früheren Betriebshalle, Schutthügel und teils noch stehende Hauswände. Andere Projekte seien wichtiger, hatte der Geschäftsführer der Projektentwickler-Firma gegenüber der SZ den Baustopp begründet. Mitte vorigen Jahres wurde in Strehla über asbesthaltiges Material auf dem Areal debattiert. Das zuständige Kreisumweltamt gab zwar Entwarnung, doch die Zweifel blieben. Dann wurde es wieder ruhig.

Unbedenkliches Ziegel-Recycling-Material?

Die Nachricht, dass sich derzeit wieder etwas auf dem alten Fabrikgelände tut, hat schnell auch den Strehlaer Stadtrat erreicht. Bürgermeister Jörg Jeromin (FWG) sagte, dass Anwohner zudem das Kreisumweltamt über die Bewegung auf der Baustelle informiert hatten. Auch er selbst habe sich die Arbeiten vor Ort angesehen. Es handle sich bei den herangefahrenen Gütern um unbedenkliches Ziegel-Recycling-Material, so Jeromin.

Zur Entsorgung des gesundheitsgefährdenden Asbests hieß es diese Woche vom Kreisumweltamt: „Die asbesthaltigen Abfälle werden gemeinsam mit den noch auf dem Gelände verbauten asbesthaltigen Materialien entsorgt.“ Die Entsorgung erfolge „umgehend nach Rückbau der noch vorhandenen Bausubstanz.“ – Ob das schon passiert ist, ist derzeit aber offen. Ohnehin sind die Fragezeichen rund um das Gelände groß: Was auf dem Areal genau passiert, wisse auch die Stadt nicht, so Jörg Jeromin. Er werde den Kontakt zu dem Projektentwickler suchen. Den herzustellen, ist aber schwierig. Telefonisch ist der Firmenchef bereits seit Längerem nicht für die SZ zu erreichen. – Auch bei direkten Nachbarn herrscht Ratlosigkeit. Und Verärgerung. Ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, will erfahren haben, dass mit der vorige Woche gestarteten Aktion insgesamt tausend Tonnen Schutt von einer anderen Baustelle des Projektentwicklers nach Strehla gelangen sollen. Eine Bestätigung für die Zahl gibt es nicht. Es sei auf „eine Frechheit“, erbost sich der Mann über das, was neben seinem Grundstück passiert.

Verhaltener Optimismus

Daran, dass das Areal jemals zur Eigenheimfläche wird, hat der Nachbar seine Zweifel. Bei den Behörden ist man da etwas optimistischer. Dort hat man Erfahrung mit der Projektentwickler-Firma, die bei ihren Vorhaben mitunter eher langsam vorankomme. Beim Landkreis liege auch „noch kein verbindlicher Planentwurf für die Nachnutzung des Gebietes vor“, hieß es. Er sei aber „in Arbeit“, so die Behörde.

Für Strehlas Bürgermeister Jörg Jeromin ist die Entwicklung des Gebietes zwischen Oppitzscher Weg und Elbwinkel eins der großen Themen in der Stadt. Er erwarte, dass es dafür eine baldige Lösung gebe, sagte er im Stadtrat.