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Ärger um Rapper-Video im Nationalpark

Recht und Gesetz spielen nur als Liedtext eine Rolle. Sachsens Innenminister sieht aber keinen Anlass zum Handeln.

Für ein Musikvideo wurden auch Luftaufnahmen aus dem Nationalpark verwendet und gab es Kameraflüge um die Festung Königstein.
Für ein Musikvideo wurden auch Luftaufnahmen aus dem Nationalpark verwendet und gab es Kameraflüge um die Festung Königstein. © Screenshot: SZ

Immer haarscharf an der Grenze des Erträglichen zu wandeln, das ist der Charakter des Sprechgesangs der meisten Rap-Musiker. Dafür werden sie von ihren Fans verehrt. Was sich Bloody32 jetzt in der Sächsischen Schweiz geleistet hat, schießt zwar nicht den Vogel ab, stört den Vogel aber ungemein. Das kann derzeit jeder im Video zum Song „Bis in die Ewigkeit“ erleben. In dem Lied, das textlich vergleichsweise wenig Provokationen enthält, heißt es im Refrain, „auf dass der Adler wieder in die Lüfte steigt“. Ein Greifvogel ist zwar nicht zu sehen, stattdessen ist eine Kamera in die Lüfte gestiegen, vermutlich mit einer Drohne.

Das hat dann mal wieder die Aufmerksamkeit von Politikern auf den als rechtsgerichtet geltenden Musiker gerichtet. In einer offiziellen Anfrage an Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) fragte der Grünen-Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann, ob die Filmaufnahmen im Nationalpark und auf der Festung Königstein genehmigt waren und welche Möglichkeiten die Staatsregierung sieht, solche Bilder künftig zu vermeiden.

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„Keine“, war die kurze Antwort des Ministers auf letztere Frage. Andererseits gab es auch keine Genehmigung für Luftaufnahmen. „Die Landesdirektion Sachsen, Referat Luftverkehr und Binnenschifffahrt, als zuständige Landesluftfahrtbehörde, hat keine Ausnahme von Verboten nach § 21 der Luftverkehrsordnung für diese Sache zugelassen“, teilt das Innenministerium mit. Von der Festung Königstein habe es auch keine Genehmigung gegeben. Die habe als Grundstückseigentümerin ohnehin das gesamte Festungsgelände als Drohnenflugverbotszone deklariert. „Weil Drohnenflüge den Besucherverkehr stören und gefährden können“, heißt es. An den Eingängen zur Festung sind entsprechende Verbotsschilder angebracht. Recht und Gesetz waren dem Rapper in diesem Fall nicht so wichtig.

Keine strafrechtliche Relevanz

Das sächsische Innenministerium sieht aber keine Handhabe, das zu sanktionieren. „Da aus den Luftaufnahmen selbst keine tatsächlichen Anhaltspunkte zu deren Entstehung und zum Autor zu entnehmen sind, aus denen greifbare und verfolgbare Erkenntnisse oder Hinweise auf eventuell vorliegende luftrechtliche Verstöße hervorgehen, ist aus Sicht der Landesdirektion ein Ordnungswidrigkeitenverfahren nicht angezeigt“, teilt Wöller in seiner Antwort mit.

Die Grünen haben den Cottbuser Musiker aber auch auf dem Schirm, weil er aus ihrer Sicht rechtsextremes Gedankengut verbreitet. „Die Zeit ist vorbei, sich für damals zu schämen“, singt der Rapper in besagtem Video. Von Krieg, Kampf und Standhalten ist die Rede und davon, „dass uns nichts mehr aufhalten kann“. Eine strafrechtliche Relevanz zu den Inhalten des Videos konnte durch die Polizei nicht festgestellt werden, erklärt Wöller.

Raus aus Streaming-Diensten

Im Lied „Europa fällt“ singt der Rapper: „Und jetzt nennt mich wieder Nazi, rechter Rapper und Rassist“. Diesen Gefallen will dem Cottbuser das Innenministerium Brandenburgs aber nicht tun. „Rassistische, volksverhetzende oder gewaltverherrlichende Inhalte wurden bisher jedoch nicht bekannt“, hieß es auf eine Anfrage der dortigen Grünen-Landtagsfraktion.

Das sehen Leute in der Musikbranche offenbar etwas anders. Bloody32 schrieb im Sommer auf seiner Facebook-Seite „Da uns unser Vertriebspartner aufgrund diverser Beschwerden bezüglich meiner Musik gekündigt hat, gibt es meine Songs vorerst nicht mehr bei Spotify, iTunes und anderen Plattformen zu hören. YouTube bleibt natürlich bestehen, wir geben unser Bestes die Songs bald wieder auf allen Plattformen bereitstellen zu können.“

Das Video mit dem Dreh aus der Sächsischen Schweiz wurde an den ersten zehn Tagen nach Veröffentlichung etwa 5 500-mal aufgerufen und erhielt 250 Likes. In dem Video wird auch gesungen, dass „uns nichts verändern kann“. Das wollen die Grünen aber nicht so einfach hinnehmen. Denn wenn es um den Schutz der Tiere geht, müssen wenigstens solche Dreharbeiten gestoppt werden. Denn das ist im Nationalpark strikt verboten und auch im Landschaftsschutzgebiet, in dem sich die Festung befindet, nicht erlaubt.

Festung Königstein: Die dort aufgestellten Verbotsschilder wurden ignoriert
Festung Königstein: Die dort aufgestellten Verbotsschilder wurden ignoriert © Daniel Schäfer

Die Nationalparkverwaltung hat in diesem Jahr sechs Piloten illegaler Drohnenflüge feststellen können. Zugleich vergibt die Behörde etwa 80 Drehgenehmigungen im Jahr. „Allerdings gelten diese meist für andere Orte, als beantragt wurden“, sagt der Sprecher der Nationalparkverwaltung, Hanspeter Mayr. Das Flugverbot werde sehr rigoros eingehalten. Das sei insbesondere zum Schutz brütender Vögel wichtig und deshalb vom Gesetzgeber eingeführt worden. Wanderfalken, Uhus oder der Schwarzstorch dürfen bei der Brut möglichst nicht gestört werden, damit der Bestand erhalten bleibt und das Elbsandsteingebirge als deren Heimat.

Die Ranger der Nationalparkverwaltung dürfen bei Verstößen lediglich Personalien festhalten. Ein Ordnungswidrigkeitsverfahren kann nur die Landesdirektion einleiten.

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Lippmanns Reaktion auf die Antwort des Innenministers zeigt schon mal, dass ein mögliches Regierungsbündnis mit CDU, Grünen und SPD in Sachsen lebhaft werden dürfte. Der Grünen-Sprecher für Innenpolitik erklärte: „Nun ist klar, dass diese Aufnahmen rechtswidrig waren. Vielleicht sollte die Landesdirektion zur Verfolgung der Ordnungswidrigkeit mal bei den Brandenburger Behörden nachfragen, anstatt die Hände in den Schoß zu legen.“