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Ärger um Wahlaufruf: Jetzt spricht ihr Trainer

DSC-Volleyballerin Mareen von Römer wirbt für die Landtagswahl. Sollten Sportler das tun? Eine Frage, die jetzt auch RB Leipzig trifft.

Die Botschaft von Mareen von Römer im Video ist eindeutig: „Was wären unsere DSC-Heimspiele ohne Zuschauer, was wäre, wenn unsere Fans nicht hinter uns stehen würden – auch, wenn es mal nicht so läuft. So ist es auch mit der Demokratie“, sagt die 32-jähri
Die Botschaft von Mareen von Römer im Video ist eindeutig: „Was wären unsere DSC-Heimspiele ohne Zuschauer, was wäre, wenn unsere Fans nicht hinter uns stehen würden – auch, wenn es mal nicht so läuft. So ist es auch mit der Demokratie“, sagt die 32-jähri ©  Screenshot: SZ

Zeigen die nur Haltung, oder ist das jetzt schon Wahlwerbung? Zu dieser Frage lassen sich zwei Kampagnen zusammenfassen, in denen sächsische Sportler für die Landtagswahl am 1. September werben.

Der Sächsische Landtag – also alle dort vertretenen Parteien – hat unter dem Motto: „Aufkreuzen & Ankreuzen“ Videoclips mit prominenten Personen aus Wirtschaft, Kultur, Politik und Sport in Auftrag gegeben. Darunter auch einen mit Volleyball-Profi Mareen von Römer.

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Ihr Verein Dresdner SC hat das Video, das mittlerweile fast 10.000-mal angeklickt wurde, auch auf seiner Facebookseite veröffentlicht – und dafür mehrheitlich positive Resonanz, aber auch weniger freundliche Worte geerntet. „Oh mein Gott. Nix gegen den DSC oder gegen Mareen, aber wieso wird hier Sport mit Politik in Zusammenhang gebracht? Sport sollte unpolitisch sein und bleiben!“, schreibt ein DSC-Fan. 

Dabei ist die Botschaft der Volleyballerin eindeutig, sie steht für Demokratie ein, nicht für eine einzelne Partei: „Was wären unsere DSC-Heimspiele ohne Zuschauer, was wäre, wenn unsere Fans nicht hinter uns stehen würden – auch, wenn es mal nicht so läuft. So ist es auch mit der Demokratie“, sagt die 32-jährige Ex-Nationalspielerin. „Nur wenn alle mitmachen und mit Mut und Leidenschaft agieren, können wir die Zukunft gestalten. Deswegen gebe ich mein Kreuz für Sachsen, für eine positive Zukunft.“ Auch mit Eric Frenzel, Dreifach-Olympiasieger in der Nordischen Kombination, hat der Landtag so einen Clip gedreht. Den hat der 30-Jährige bislang auf seinen Social-Media-Kanälen aber nicht geteilt.

Das geteilte Echo wirft die Frage auf, wie politisch Sport und Sportler agieren dürfen – oder sollten. „Es gehört nicht zu den Pflichten eines Sportlers, dass man öffentlich für eine demokratische Partei wirbt. Das kann man tun, aber muss man nicht machen“, sagt DSC-Trainer Alexander Waibl, und er betont: „Als Person, die in der Öffentlichkeit steht, sollte man sich nicht instrumentalisieren lassen, aber natürlich für etwas einstehen, das die Grundlage unserer Demokratie bildet.“

Speerwurf-Weltmeister Johannes Vetter aus Dresden hat sich im Mai für die „Freien Wähler“ aufstellen lassen und wurde in den Stadtrat von Offenburg gewählt. Der frühere Bahnrad-Olympiasieger Jens Lehmann sitzt für die CDU im Bundestag. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen, auch mit Radidol Gustav-Adolf Schur.

Volleyball-Trainer Waibl kann die Kritik an seiner Zuspielerin nicht nachvollziehen. „Der Umstand, dass es Leute gibt, die das kritisieren, belegt, dass im Internet jeder seinen Senf ablässt. Ganz egal, ob er dazu qualifiziert ist oder nicht. Das muss man heute leider hinnehmen.“

So wirbt RB Leipzig an über 300 Standorten in ganz Sachsen für die Werte, die der Fußball-Bundesligist vertritt. Damit will der Verein vor der Landtagswahl Haltung zeigen. 
So wirbt RB Leipzig an über 300 Standorten in ganz Sachsen für die Werte, die der Fußball-Bundesligist vertritt. Damit will der Verein vor der Landtagswahl Haltung zeigen.  © RB Leipzig / Screenshot: SZ

Fußball-Bundesligist RB Leipzig hat gerade eine Plakat-Aktion unter dem Hashtag #UnserBallistBunt gestartet. Auf den Bannern an über 300 Standorten in ganz Sachsen unterstreichen fünf Profis und Trainer Julian Nagelsmann die Werte, für die der Brauseklub steht: tolerant, respektvoll, familiär, bunt, weltoffen, vielfältig. „Wir sind absoluter Befürworter der bunten Gesellschaft. Wir haben 14 Nationen in der Profimannschaft verankert. Die Spieler leben das tagtäglich, wir leben das als Verein“, sagt Florian Scholz, Kommunikations-Direktor von RB – und erläutert zu dem Zeitpunkt: „Natürlich zehn Tage vor der Landestagswahl, um auch in diesen Tagen Haltung zu zeigen.“ Auch RB muss für diese Haltung via Twitter und Facebook neben Anerkennung und Lob auch Häme und Hass einstecken.

„Die Demokratie lebt ja davon, dass Leute von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen. Das kann nur politisch kritisieren, wer sich – vermutlich ungewollt – außerhalb unser freiheitlich-demokratischen Grundordnung bewegen möchte“, sagt Waibl. Der Trainer selbst hält sich von sozialen Medien fern – und sieht sich durch die aktuelle Erregungswelle bestätigt. „Es geht natürlich auch um das Thema: Wie gehen wir mit dem Medium Internet um? Da gibt es erhebliche Defizite in puncto gegenseitigem Respekt, Anstand und Distanz. Mittlerweile gewöhnen sich die Leute zwar an Shitstorms und permanente Beleidigungen, aber das kann es ja nicht sein.“

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