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7 Dinge, auf die Zittauer schon ewig warten

Ist die Region abgekoppelt? Menschen im Dreiländereck, die "Ja" antworten, nennen oft lange ausstehende Baumaßnahmen als Argument. Vor allem diese.

Die unfertige B178 ist ein Dauerärgernis für viele Autofahrer.
Die unfertige B178 ist ein Dauerärgernis für viele Autofahrer. © Rafael Sampedro (Archiv)

Neulich erst brach wieder Frust aus einem Bewohner des Zittauer Gebirges heraus. Die Region, die Heimat sei doch abgekoppelt, sagte er zum Landtagsabgeordneten Stephan Meyer (CDU) und Stephan Rohde, Abteilungsleiter im Sächsischen Staatsministerium für Regionalentwicklung, bei einer CDU-Veranstaltung in Lückendorf. Als Beispiele nannten er und weitere Redner aus dem Publikum Baumaßnahmen, auf die viele Menschen in Zittau und Umgebung seit Jahren vergeblich warten. Und machte damit indirekt die Politiker, Ämter und Behörden auf Kreis, Landes- und Bundesebene den Vorwurf, die Entwicklung der Region zu verschleppen oder zumindest nicht mit Kraft voranzutreiben. Auch wenn Meyer und Rohde betonten, dass es viele Gründe gibt, warum die Oberlausitz nicht abgekoppelt ist - bei den Baumaßnahmen stimmten sogar sie den Frustrierten zumindest in Teilen zu.

Das sind sieben der Maßnahmen, die seit Jahren angekündigt, aber immer wieder verschoben werden oder sich verzögern:

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1. B178 - kein Ende abzusehen

2006 sollte sie fertig sein, dann 2007, dann 2009, dann 2012. Bis heute ist die knapp 43 Kilometer lange B178 von der Grenze bei Zittau über Löbau bis zur A4 bei Weißenberg immer noch nicht durchgängig nutzbar. Vor 28 Jahren wurden die Weichen mit der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan gestellt. Der erste Spatenstich erfolgte vor 26 Jahren, der Baustart aber erst vor 21 Jahren. Vor 20 Jahren wurde der erste Abschnitt fertiggestellt. Zwischenzeitlich folgten weitere. Polen und Tschechien - in den 1990er und 2000er Jahren noch von den Deutschen ermahnt, mit der Verlängerung loszulegen - sind längst fertig. Seit sieben Jahren wird auf deutscher Seite nicht mehr gebaut. Zwei Teilstrecken fehlen immer noch. Sie drehen unter Aufsicht der Landesdirektion Sachsen eine Planungsschleife nach der anderen. Niemand kann sagen, wann die B178n komplett fertig sein wird. Vor 2025 sehr wahrscheinlich nicht.  

2. Eisenbahn nach Liberec - Dauerverhandlungen

Die  Eisenbahnstrecke auf polnischem Gebiet ist nur rund drei Kilometer lang. Und doch ist sie der entscheidende Bremsklotz der ansonsten sanierten Verbindung zwischen Zittau und Liberec (Reichenberg/Tschechien). Wegen des schlechten Zustandes fahren die Züge dort inzwischen maximal 30 Kilometer pro Stunde. Experten sagen, dass der Abschnitt in Deutschland längst gesperrt wäre. Eigentlich hätte er schon vor Jahren saniert werden müssen. Doch der polnische Streckenbetreiber saniert nicht. Seit mehr als einem Jahrzehnt verhandeln nun die Verkehrsministerien der drei Staaten über eine Lösung - ohne Ergebnis. Die letzte Wasserstandsmeldung: Auch dieses Jahr ist kein Durchbruch zu erwarten. Dass die Bundesregierung nun endlich den Druck erhöht, ist auch nicht zu erwarten.

Wellig sind die Schienen auf dem polnischen Abschnitt der Eisenbahnstrecke Zittau-Liberec. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht.
Wellig sind die Schienen auf dem polnischen Abschnitt der Eisenbahnstrecke Zittau-Liberec. Eine Verbesserung ist nicht in Sicht. ©  Matthias Weber (Archiv)

3. B96 von Mittelherwigsdorf nach Oderwitz - Jahr um Jahr verschoben

Schon 2013 berichtete die SZ darüber, dass B96-Anwohner in Mittelherwigsdorf unter dem Lärm der Straße leiden. Die Buckel lassen die Autos scheppern. Damals hieß es, dass die Landesdirektion 2014 das Baurecht für den Abschnitt Mittelherwigsdorf-Oderwitz vorbereitet. 2016 dann, dass 2017 Baurecht geschaffen werden und 2018 der Bau starten könnte. Auf erneute Anfrage der SZ in diesem Frühjahr teilte der Freistaat mit. "Die Landesdirektion Sachsen wird den Planfeststellungsbeschluss 2020 fassen. Wann genau, muss derzeit offen bleiben." Nach SZ-Informationen gibt es wohl vor allem Probleme mit der Kurve auf dem Landberg. Um sie zu entschärfen, braucht der Freistaat - der sich für den Bund um den Bundesstraßenbau kümmert - Land, das die Besitzer aber nicht verkaufen wollen. Der Bau selber soll rund 1,5 Jahre dauern.

Unschwer als Buckelpiste zu erkennen: die B96 zwischen Mittelherwigsdorf und Oderwitz.
Unschwer als Buckelpiste zu erkennen: die B96 zwischen Mittelherwigsdorf und Oderwitz. © Matthias Weber

4. Südstraße Zittau - letztes Stück und Brücke unsaniert

Bereits 2011 wurden die Geländer der Mandaubrücke neben Kraftverkehr und Mandaukaserne mit Warnbaken gesichert. Drei Jahre später war der Zustand des gesamten fast 125 Jahren alten Bauwerks so schlecht, dass der Freistaat eine Tonnagebegrenzung anordnete. Dass er die Brücke im Zuge seiner Staatsstraße - der Zittauer Südstraße - Richtung Gebirge sanieren muss, war dem Landesamt für Straßenbau und Verkehr schon damals bewusst. Doch Planungen und Genehmigungen gestalteten sich schwierig, weil auch die Schmalspurbahn die Brücke kreuzt. Parallel dazu sanierte der Freistaat 2013 bis 2015 die Südstraße - bis auf ein kleines Stück Richtung Innenstadt. Mittendrin steht die marode Brücke. 2016 hieß es, dass die Sanierung des letzten Stücks Straße noch nicht vorbereitet wird, aber die Brückenarbeiten 2018 beginnen könnten. Die letzte Auskunft des Landesamtes für Straßenbau und Verkehr vom Anfang des Jahres: Nun ist die Sanierung der Hauptausfallstraße ins Gebirge für 2022 und 2023 vorgesehen. Und zur Brücke: "Angestrebt wird eine Einordnung der Maßnahme in ein Bauprogramm der kommenden Jahre, eine endgültige Entscheidung steht hier aber noch aus."

Das unsanierte Stück der Südstraße in Zittau samt der maroden Mandaubrücke.
Das unsanierte Stück der Südstraße in Zittau samt der maroden Mandaubrücke. © Matthias Weber

5. B99-Kurve Hirschfelde - keine Umleitung gefunden

Als auf polnischer Seite die Verbindung von Sieniawka (Kleinschönau) zum Turower Kraftwerk gebaut wurde und die polnischen Laster auf die B99 auswichen, wurden die Borde in der scharfen B99-Kurve am Hirschfelder Markt beschädigt. Das war 2015. Ein Jahr später wurde der Wunsch der Einwohner öffentlich laut, dass die Kurve entschärft werden sollte. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr nahm sich des Wunsches an und hat die zerstörten Bankette zwischenzeitlich in Ordnung gebracht. Der Wunsch nach der Entschärfung der Kurve ist aber immer noch nicht erfüllt. 2019 sollte es schon mal losgehen, aber es fand sich keine Umleitung, die allen Beteiligten gefallen hätte. Auch dieses Jahr ist der Ausbau nicht abzusehen.

Die B99-Kurve am Hirschfelder Markt soll schon ewig umgebaut werden.
Die B99-Kurve am Hirschfelder Markt soll schon ewig umgebaut werden. © - keine Angabe im huGO-Archivsys

6. Ausbau Zipfelzug-Strecke - Kompetenzgerangel

Mindestens seit 2013 dauert die Debatte über den sogenannten "Zipfelzug" schon an. Erst sollte er Sebnitz mit Ebersbach-Neugersdorf verbinden. Später wurde eine weitreichendere Variante ins Spiel gebracht: Von Bad Schandau über Sebnitz, den Schluckenauer Zipfel, Seifhennersdorf und Zittau sollte er bis Liberec fahren. Im Nahverkehrsplan des für die deutsche Seite zuständigen Verkehrsverbundes Oberlausitz-Niederschlesien steht die Verbindung als Idee drin. Etwa 2017 sollte eine Machbarkeitsstudie angefertigt werden. So richtig klar, wer wann was dazu beiträgt, war aber nicht. So ist der Zipfelzug bis heute ein Papiertiger. Nicht einmal eine Entscheidung, ob er Realität wird oder nicht, gibt es.

Mögliche Verbindungen für den Zipfelzug.
Mögliche Verbindungen für den Zipfelzug. © SZ-Grafik/Sylvia Tietze

7. Äußere Oybiner Straße, Zittau - Dauereinsturzgefahr

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Schon 2009 wurden die Überfahrten über den Goldbach-Kanal entlang der Äußeren Oybiner Straße in Zittau für schwere Fahrzeuge gesperrt. Eine Prüfung hatte ergeben, dass das Bauwerk sie nicht mehr trägt. Das Hochwasser 2010 gab ihm den Rest. Der Kanal stürzte teilweise ein. Seitdem "zieren" Bauzäune die Straße. Die Stadt Zittau wollte den Mangel immer wieder abstellen, entschloss sich dann aber doch, das Geld in andere Baumaßnahmen zu stecken. Parallel dazu knüpfte die Stadt die Baumaßnahme an den grundhaften Ausbau der Äußeren Oybiner Straße und dem Bau eines Kreisels an der Kreuzung mit der Schramm-/Goldbach- und August-Bebel-Straße durch den Landkreis. Der hat das Projekt seit mindestens 2017 auf dem Schirm - aber kein Geld, es umzusetzen. Deshalb hat er es bereits mehrfach verschoben. Der aktuelle Stand: Für den Ausbau der Straße hat der Landkreis nun Fördermittel aus einem anderen Topf beantragt. Es kann frühestens 2022 losgehen, wenn die Äußere Oybiner Straße nicht mehr als Umleitung für den Ausbau der B96/Äußeren Weberstraße gebraucht wird. Für den Kreisel gilt dasselbe.

Der Gehweg an der Äußeren Oybiner Straße ist seit Jahren gesperrt. Er soll saniert werden, wenn der Landkreis die Straße in Angriff nimmt.
Der Gehweg an der Äußeren Oybiner Straße ist seit Jahren gesperrt. Er soll saniert werden, wenn der Landkreis die Straße in Angriff nimmt. ©  Rafael Sampedro (Archiv)

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