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Ästhetik, Spannung und Farbenfreude

Jurij Luscanski erinnerte in Lohsa an den sorbischen Volksmaler Horst Šlosar.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Lohsa. Zwei Zirkusbilder versetzen in Staunen: Im Motiv „Stuhlakrobatik“ schwebt die Artistin voll innerer Spannung auf dem Kopf ihres männlichen Partners. Sie balanciert den Stock auf der Nase, hält den Stuhl federleicht. „Auch das Bild «Pferdeakrobatik» steckt voller Schwung und Spannung. Das Tempo der Dressur lässt sich erahnen. Das Motiv ist reine Ästhetik. Es zwingt zum Hinsehen“, erinnerte Jurij Luscanski aus Bautzen am Freitagabend in seinem Vortrag im Zejler-Smoler-Haus auf Einladung des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa an den sorbischen Volksmaler Horst Šlosar (1903-1964).

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Dessen Lithografien „Stuhlakrobatik“ und „Pferdeakrobatik“ von 1931 gehören zu seinem vielseitigen künstlerischen Schaffen. Jurij Luscanski spürte es auf. In Briefen, Zeitungsartikeln, Dokumenten und Nachlässen forschte der frühere Musikredakteur und spätere Kulturreferent der Domowina über den Maler. Ein bewegtes Leben förderte er zutage.

Schon seit 1918 malte Horst Šlosar als Laie. Später arbeitete er als Porzellanmaler. Das war Grundlage für den Besuch der Mal-Akademie in Dresden. Sie nahm ihn 1927 an. „Dass er aufgenommen wurde aus freiem Willen und ohne jede Protektion, das zeugt von seiner Begabung und seiner Energie“, zitierte Jurij Luscanski die Zeitung Nowa Doba Nr. 4 von 1958. Horst Šlosar wurde Meisterschüler bei Otto Dix.

Bekenntnis zum Sorbischen

Aber schon 1938 war er dienstverpflichtet. 1942 musste er zur Wehrmacht. „Selbst wenn es in den Jahren des Dritten Reiches schwieriger für ihn als Künstler wurde, waren seine Werke im ganzen Zeitraum 1933 – 42 regelmäßig in Dresdner Kunstausstellungen zu sehen“, würdigte Professor Jonathan Osmond von der Universität Wales Šlosar. Dieser wurde 1949 Mitglied des Kreises sorbischer bildender Künstler. Damit bekannte er sich zu seinen sorbischen Vorfahren mütterlicherseits. Einige Bilder malte er in der Schleifer Region. 1949 entstand sein Öl-Bild „Straße in Rohne“. Das gleiche Motiv malte Horst Šlosar 1951 in Aquarell. Es zeugt von Farbenfreude und Kontrasten. Während das erste Bild ein Auftragswerk war, malte Horst Šlosar das zweite Bild von sich aus. Der Unterschied ist deutlich zu erkennen. Immer wieder malte Horst Šlosar in den Folgejahren den sozialistischen Alltag.

Sogar die Nationale Volksarmee der DDR gab ihm Aufträge. So wurde sein Porträt „Bester Panzerkommandant“ in der Ausstellung „Die NVA in der bildenden Kunst“ 1961 in Berlin in den Medien als das meistbeachtete Bild gepriesen, jedoch auch kritisiert.

Besonders berühren Horst Šlosars Porträts seiner Mutter und seines Vaters. Sie zeugen von tiefer Zuneigung und Achtung, von Natürlichkeit und Lebensnähe. Aber mit seinen Bildern bezog Horst Šlosar auch Stellung. Ganz im Sinne seines Meisters Otto Dix. Horst Šlosar lebte in Dresden, sprach selbst nur wenige Worte Sorbisch. Wie andere Künstler war er kein einfacher Charakter, verdeutlichte Jurij Luscanski.

Für Lohsa schuf Maler Horst Šlosar das Bild „Der Rebell Jan Suschka“. Es zeigt den Aufstand der Fronbauern 1794 im Kirchspiel Lohsa. „Das Bild wurde für die Erstausstattung der Lohsaer Schule (eröffnet 1955) geschaffen“, erläuterte Reinhardt Schneider, Vorsitzender des Fördervereins Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa.

Wieder im Ratssaal

Zunächst entstand 1955 ein Vorentwurf. Dieses Bild hängt heute im Sorbischen Museum Bautzen. Nach Auftragserteilung entstand 1956 ein zweites Bild mit geringen Änderungen. „Es hing in der Lohsaer Schule im unteren Klassenflur, später im Lehrerzimmer“, so Reinhardt Schneider. „Kurz vor der Wende kam es zu einem Schaden am Bild. Der damalige Bürgermeister Wilfried Storch brachte es zur Restauration in die Werkstatt des Hoyerswerdaer Malers und Restaurators Hans Lohan. Nach der Wende wurde es dort nicht abgeholt. Erst während des Umbaus eines Gutsgebäudes zum Rathaus wurde das Gemälde durch die Gemeinde abgeholt und die Leistung des Restaurators bezahlt.“ Heute hängt das Bild im Ratssaal Lohsa.