merken
PLUS

AfD-Spende unerwünscht

Die Kreistagsfraktion wollte der Görlitzer Bahnhofsmission ein Weihnachtsessen ermöglichen. Das gelang nur über Umwege.

© Archivfoto: Nikolai Schmidt

Von Matthias Klaus

Es waren wohl schöne Stunden. An beiden Weihnachtsfeiertagen hatte die Bahnhofsmission geöffnet, erstmals. Dank Spenden wurde an den zwei Tagen ein leckeres Mittagessen serviert: Ente, Rotkohl und Klöße gab es, aber auch Kartoffelsuppe und Wiener. Das Team von „Tischlein deck dich“ hatte das Ganze möglich gemacht, ebenso das „Camillo“. So heißt es offiziell.

Anzeige
"Wir wollen Weltbürger ausbilden"
"Wir wollen Weltbürger ausbilden"

Die neue Rektorin der TU Dresden hat viel vor. Sie denkt global, will die Exzellenz in Forschung und Lehre stärken und die Uni stärker für Ältere öffnen.

Was offiziell weniger bekannt ist: Hinter der Spendenaktion steckt die Kreistagsfraktion der AfD. Dass aber die Alternative für Deutschland in Zusammenhang mit der Stadtmission Görlitz, zu der die Bahnhofsmission gehört, gebracht wird, scheint dort nicht erwünscht zu sein. Der Kreistagsfraktion sei gesagt worden, dass eine derartige Spende nicht angenommen werde, schildert AfD-Kreistagsmitglied Detlef Lothar Renner. „Da wir bereits die Bestellung ausgelöst hatten, mussten wir das Team ,Tischlein deck dich’ sozusagen ,als Tarnung‘ bemühen“, schildert er. „Tischlein deck dich“ habe sich an den Unkosten beteiligt, indem es der AfD die Fahrtkosten spendete. „Die Spendengelder für die Zubereitung des Weihnachtsfestessens stammen von der AfD-Kreistagsfraktion, von Mitgliedern der AfD-Regionalgruppe und von Bürgern der Stadt Görlitz“, so Detlef Lothar Renner.

Der Verein für Diakonie und Stadtmission im Kirchenkreis Görlitz pocht auf seine „politische Handlungsfreiheit“. „Wir freuen uns über Spenden und wir brauchen sie“, betont Vorstand Giselher Woite. Warum gerade die AfD-Spende nicht ins Raster passte, kann er aber auch nicht genau sagen. „Auf jeden Fall lassen wir uns nicht kaufen, betreiben keine Art Ablasshandel“, sagt Giselher Woite. Das gesamte Thema sei in der Diakonie diskutiert worden.

Dass AfD-Spenden generell nicht angenommen werden, kann Vera Fischer, Sprecherin der Diakonie Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz, zu der Görlitz gehört, nicht bestätigen. „Wir prüfen jeden Einzelfall“, sagt sie. Wenn fremdenfeindliche, rechtsextreme Hintergründe zutage treten, werde die Spende auch schon mal abgelehnt.

Ähnlich ist das auch im „Rest“ des Freistaates geregelt. „Wir haben keine Berührungsängste mit der AfD auf Arbeitsebene“, sagt Sigrid Winkler, Sprecherin der Diakonie in Sachsen in Dresden. Es gebe keine Vorschriften auf Landesebene, die eine Ablehnung von Spenden der Partei von vornherein ausschließen.