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AfD-Wahlabend mit Alice Weidel

Fast 500 Menschen feierten in der Telux in Weißwasser auch ihren Landtagskandidaten. 

Überraschungsgast Siegmar Faust (re.) war politischer Häftling in der DDR und bis 1999 Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen. Von seinen Ausführungen war Alice Weidel (Mi.) nach eigener Aussage „zutiefst berührt“.
Überraschungsgast Siegmar Faust (re.) war politischer Häftling in der DDR und bis 1999 Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Sachsen. Von seinen Ausführungen war Alice Weidel (Mi.) nach eigener Aussage „zutiefst berührt“. © Foto: Joachim Rehle

Weißwasser. Eigentlich hätten sie in Erwägung gezogen, an dem Bürgerfest vor dem Rathaus in Weißwasser teilzunehmen. Damit leitete der AfD-Bundestagsabgeordnete Tino Chrupalla den Wahlabend ein. Die Bemerkung ging in Gelächter unter. 

Mit minutenlangem Beifall hatten zuvor etwa 500 Menschen ihn, den Landtagskandidaten Roberto Kuhnert aus Weißwasser, aber auch Damian Lohr, den Bundesvorsitzenden der AfD-Jugend, und vor allem die Co-Vorsitzende der Bundestagsfraktion Dr. Alice Weidel begrüßt. Der Lichtsaal der Telux war voll besetzt, selbst im Vorraum drängten sich Besucher. Man sei „sehr froh und stolz“ über die Wahlkampfunterstützung aus Berlin und Rheinland-Pfalz, hieß es vom AfD-Kreisverband. „Man denkt ja fast, dass die Landtagswahl hier entschieden wird“, begann Roberto Kuhnert mit dem Verweis auf den zeitgleich in der Telux-Hafenstube stattfindenden Wahlabend der Grünen mit Anton Hofreiter, deren Co-Vorsitzenden der Bundestagsfraktion.

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Grün war auch sogleich das Stichwort. CDU und Grüne hat die AfD als „politischen Hauptgegner“ in ihrem Wahlkampf ausgemacht. Die CDU, weil sie in 30 Jahren die Gleichheit von Stadt und Land nicht geschafft sowie Mobilfunk und Digitalisierung verschlafen habe. Und die Grünen, die sich „als Saubermänner verkaufen“ und mit ihrer Verbotspolitik Deutschland in den Abgrund treiben. „Mainz wählt zu 30 Prozent Grün und das wollt Ihr hier nicht“, schwor Damian Lohr unter stürmischem Applaus die Anhänger ein.

Die Veranstaltung kam nicht ohne das Lieblingsthema der AfD, die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, aus. Den größten Raum aber nahmen Kohleausstieg und Strukturwandel ein. „Es muss ein Strukturwandel, kein Strukturschwindel sein“, forderte Roberto Kuhnert. Sein Parteifreund Tino Chrupalla warf die Zahlen an die Wand: Statt der Anfang des Jahres in Aussicht gestellten 40 Milliarden sei jetzt nur noch von 14 Milliarden die Rede, heruntergerechnet auf die Lausitz wären es sechs Milliarden, von denen ganze zwei in Sachsen ankämen. Und das in 20 Jahren. Als „absolut lächerlich“ bezeichnete er das Zahlenspiel. Chrupalla erneuerte die Aussage der AfD, die zum Revierkonzept der Lausitz Energie Bergbau AG (Leag) steht. Bevor ein Kraftwerk abgeschaltet wird, müssten Energiesicherheit und Ersatzarbeitsplätze her. Der Tagebau sei bis 2045 ausgekohlt. Bis dahin könnten Alternativen geschaffen werden. „Strukturwandel hat es hier noch nie gegeben. Es war ein einziger Kahlschlag.“ Die Worte Roberto Kuhnerts wurden von Beifall und Pfiffen übertönt. Dann sprach er von der Notwendigkeit, junge Familien finanziell zu fördern. Es gebe nichts Vergleichbares wie ein Kind. Mit Feminismus müsse endlich Schluss sein.

Alice Weidel wandte sich ebenfalls gegen die CDU, die „die Region hier schon lange aufgegeben hat“, und „gegen eine völlig kopflose und überstürzte Energiewende, die den Wirtschaftsstandort Deutschland gefährdet“. Die AfD wolle regieren, „weil wir liefern wollen“, begründete sie. Dazu gehöre, ausländische Intensivtäter und Migranten ohne Bleiberecht konsequent abzuschieben. Drogen, Einbrüche und andere Kriminalität seien mit offenen Grenzen nicht in den Griff zu kriegen. Sie erklärte Schengen für gescheitert, da die Innengrenzen in Europa zwar offen, die Außengrenzen jedoch nicht gesichert seien. Auch da habe die EU versagt. Sie sei gerne nach Weißwasser gekommen, so Alice Weidel. „Ostdeutschland gibt dem Westen die Hoffnung auf eine bessere Gesellschaft. Wir schaffen das, auch wenn dieser Satz kontaminiert ist“, erklärte sie – begleitet von stürmischem Applaus.

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