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Afrika an der Spree

Bildhauer Andreas Freyer erweckt in seinen Skulpturen Metall zum Leben – und sorgt in Bautzen für einen ungewohnten Blickfang.

© Miriam Schönbach

Von Miriam Schönbach

Bautzen. Erstaunt bleiben die Spaziergänger in der Bautzener Mühlstraße stehen. Dann wagen sie sich an die Skulptur auf der Freifläche an der Spree nur ein paar Schritte vom Eselsberg entfernt. „Afrika“ nennt der Künstler Andreas Freyer sein Werk. Neben dieser farbenfrohen Großplastik hat der Metallbildhauer zwei weitere Objekte für den öffentlichen Raum mitgebracht. Der „Taucher“ harrt im Garten der Alten Wasserkunst aus. Die „Rakete“ wartet auf einer Gartenmauer in der Mühltorgasse. Zudem sind erstmals in der Galerie Budissin kleine Skulpturen des Künstlers ausgestellt.

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Andreas Freyer setzt sich auf die steinernen Treppen an der Spree. Enten machen schnatternd auf sich aufmerksam. Die Blicke aber zieht „Afrika“ auf sich. „Das Modell zur Skulptur habe ich aus einem Bogen Papier gefertigt. Da ist kein Stück übrig geblieben“, sagt der Metallgestalter. Die bemalte Plastik aus Eisen schuf er anlässlich eines Künstler-Symposiums im niedersächsischen Damme. Der Titel für sein Werk aus verschlungenen, futuristisch wirkenden Stahlbändern entstand beim Bemalen der Plastik. Die Farben erinnerten ihn irgendwie an den Schwarzen Kontinent.

Auf der Friedensbrücke rauscht der Verkehr vorbei. Eine Radlerin mit vollem Gepäck auf ihrem Zweirad wirft der Plastik nur einen schnellen Blick zu, wohlmöglich will sie heute noch bis ins Lausitzer Seenland entlang des Spreeradweges.

Aufgewachsen in der Vorzeigestadt

Andreas Freyer schmunzelt. Sein Vater, der Pfarrer Otto Freyer, erhält 1959 eine neu geschaffene Pfarrstelle in der Johannes-Kirchgemeinde in der wachsenden Arbeiterwohnstadt Hoyerswerda. Die Familie zieht von Havelberg in die neu entstehende sozialistische Vorzeigestadt um. Pfarrer Freyer ist schnell klar, dass die Neustadt eine eigene Kirche braucht. 1968 wird das aus der alten Friedhofskapelle entstandene Gotteshaus eingeweiht.

In dieser Zeit setzt sich Andreas Freyer immer mal wieder auf sein Rad, um bis nach Bautzen zu fahren.

„Hoyerswerda war in meiner Jugend ein kleiner Ort. Bautzen dagegen klang schon fast wie Dresden und war für uns eine Großstadt“, sagt er. Als Pfarrerkind muss er etliche Umwege gehen, um sich seinen Traum vom Studium an der Burg Giebichenstein in Halle zu erfüllen. Zuerst absolviert er eine Ausbildung zum Gürtler in Seidewinkel bei Hoyerswerda. Heute heißt der Beruf Metallbildner. Im Mittelalter kümmerten sich jene Handwerker auch um die Herstellung von Ritterrüstungen. Sein Meister ist Manfred Vollmert in der Kunsthandwerklichen Produktionsgenossenschaft. Schalen, Kannen, Feuerzangenbowlen entstehen unter anderem im Betrieb.

„Kunsthandwerk war in der DDR geachtet“, sagt der Metallkünstler. Der Seidewinkler Vollmert lehrt seinem wissbegierigen Schüler, wie er Edelstahl, Kupfer & Co. zum Leben erwecken kann, um leblosem Metall eine Seele zu geben. Der Lehrer hat selbst an der Kunsthochschule in Halle studiert. So wird die Idee bei Andreas Freyer immer größer. „Ich wollte nicht Handwerker bleiben, hatte in meiner Jugend aber auch nicht den Vorsatz, ein großer Künstler zu werden“, erinnert sich der freischaffende Bildhauer.

Nach der Ausbildung kehrt der Hoyerswerdaer der Enge der Kleinstadt den Rücken und geht nach Berlin. Um sich über Wasser zu halten, heuert er bei Metallbildhauer und Kunstschmied Achim Kühn an. Sieben Berliner Brunnen sind unter anderem in seinem Atelier für Stahl- und Metallgestaltung entstanden. Andreas Freyer bewirbt sich in dieser Zeit mehrfach an der Burg Giebichenstein. Beim vierten Anlauf klappt es. Doch das Intermezzo dauert nur knapp zwei Jahre. „Ich war 24, als ich mit dem Studium anfing, mich unterzuordnen, habe ich nicht mehr geschafft“, sagt er rückblickend.

Ein Schiff als Treffpunkt

Aufhalten lässt sich Andreas Freyer aber nicht. Berserkerähnlich geht er seinen Weg als Metallbildhauer. „Der Werkstoff reizt mich einfach, man kann Dinge ab- und dranmachen, anders als bei Holz und Stein. Mit Metall bekommt man Dimensionen“, sagt er. Der Autodidakt bewirbt sich schließlich Anfang der 1980er-Jahre beim Verband bildender Künstler und wird auch durch die Fürsprache vieler Wegbegleiter aufgenommen. Ohne diese Mitgliedschaft wäre die Freiberuflichkeit nicht möglich gewesen. Fortan entstehen in seiner Werkstatt in Kaltenmark bei Halle/Saale zahlreiche Großplastiken aus Metallblechen.

Seine Arbeiten sind unter anderem in Halle, Wittmund, Magdeburg, Buna und nun auch in Bautzen zu sehen. „Mein Schiff in Halle ist seit Jahren ein beliebter Treffpunkt der Jugend. Das könnte ich mir für Afrika hier auch vorstellen“, sagt der Künstler. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit Schlosserarbeiten. Wann immer er aber kann, gräbt Andreas Freyer mit Schmieden, Schweißen und Schleifen aus kaltem Metall die Formen heraus. Farbe und Pinsel vollenden seine Skulpturen, wie auch die kleineren Werke in der Galerie Budissin zeigen. Dort sind sie bis zum 28. Oktober zu sehen.

Die Galerie Budissin an der Schloßstraße 19 ist Dienstag bis Sonnabend von 14 bis 18 Uhr geöffnet.

www.kunstverein-bautzen.de