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Der Dynamo-Neuzugang aus der RB-Schule

Agyemang Diawusie bekam in Leipzig einen Profivertrag, spielte aber nie in der Bundesliga. Bei Dynamo fällt er sofort auf. Das ist seine Geschichte.

Zufrieden sieht Agyemang Diawusie nach einer schweißtreibenden Trainingseinheit aus. Sein Einstand bei Dynamo ist geglückt.
Zufrieden sieht Agyemang Diawusie nach einer schweißtreibenden Trainingseinheit aus. Sein Einstand bei Dynamo ist geglückt. © © by Matthias Rietschel

Dresden. Das Kennzeichen des schwarzen Autos, mit dem Agyemang Diawusie zum Interviewtermin kommt, beginnt mit IN. Auch die Marke passt bestens zu Ingolstadt. Es ist ein Andenken an die vergangenen beiden Jahre. Dabei möchte er gar nicht so oft an die denken. „Ich hatte eine nicht so schöne Zeit dort“, sagt Dynamos Neuzugang. Jetzt soll alles besser werden.

Der Anfang war schon mal vielversprechend. Beim ersten Test gegen die U23 von Hertha BSC fiel der Außenstürmer auf – mit seinem Durchsetzungsvermögen, seiner Schnelligkeit, seiner Torgefahr. Den ersten Treffer legte er auf, hatte selber Chancen. Unter „ordentlich“ ordnet er selbst sein Debüt bei den Schwarz-Gelben ein. „Da ist noch Luft nach oben. Aber ich bin erst mal glücklich, dass ich hier mit einem guten Spiel gestartet bin. Da wissen die Leute, was ich kann.“

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In Ingolstadt schätzte man seine Qualitäten kaum. Ein halbes Jahr wurde er zum SV Wehen Wiesbaden ausgeliehen, die restliche Zeit saß er meist auf der Bank oder Tribüne, kam lediglich zu Kurzeinsätzen. In den letzten zehn Spielen der vergangenen Saison gehörte er nicht mal mehr zum Kader. „Der Trainer Tomas Oral erklärte mir, dass Fußball nicht immer fair sei und ich das akzeptieren müsse“, erzählt er. Das dramatische Finale der beiden Relegationspartien gegen den 1. FC Nürnberg, als Ingolstadt durch einen Treffer in den letzten Sekunden der Nachspielzeit doch noch den Aufstieg verpasste, erlebte er nur als Zuschauer. Sein Rückblick fällt wohl auch deshalb recht emotionslos aus: „Ich hätte den Verein so oder so verlassen.“

Sonderurlaub in der Relegation

Ein Jahr zuvor hatte Ingolstadt die Relegation ebenfalls verloren – gegen Wiesbaden, ausgerechnet den Klub, an den Diawusie gerade ausgeliehen war. Er bekam Sonderurlaub, saß also auch da auf der Tribüne. „Ich wollte das so. Egal, wie ich gespielt hätte, ich konnte da nur verlieren.“ Das Erlebnis war ein „sehr komisches, weil ich nicht wusste, ob ich mich freuen oder ärgern sollte“. Und das Ergebnis war ein skurriles: Diawusie stieg mit Wehen auf und gleichzeitig mit Ingolstadt ab. „Ich werte das aber als Aufstieg, der steht auf meiner Visitenkarte“, sagt er, und sein Grinsen ist selbst hinter dem Mund-Nasenschutz noch zu erkennen.

Solche Erfolgserlebnisse sind dem 22-Jährigen offenbar wichtig. Schon als Kind will er nur eins werden: Fußball-Profi. Geboren wird er in Berlin-Wedding, seine Eltern stammen aus Ghana. Noch vor seinem ersten Geburtstag zieht die Familie nach Regensburg, er fängt beim SV Fortuna an, trainiert später beim SSV Jahn. Mit 13 wechselt er zum 1. FC Nürnberg. Da er noch zu jung fürs Internat ist, nimmt ihn für ein Jahr eine Gastfamilie auf. Anfangs hat er Heimweh, die Zeit, sagt er rückblickend, sei einerseits cool und andererseits schwierig gewesen. „Man muss schon Opfer bringen, um Profi zu werden.“

Agyemang Diawusie (untere Reihe Dritter von links) mit den anderen Neuzugängen und Trainer Markus Kauczinski beim Trainingsauftakt vorige Woche.
Agyemang Diawusie (untere Reihe Dritter von links) mit den anderen Neuzugängen und Trainer Markus Kauczinski beim Trainingsauftakt vorige Woche. © dpa-Zentralbild

Das klappt. RB Leipzig verpflichtet ihn, bei den A-Junioren ist Achim Beierlorzer sein Trainer, der nun beim FSV Mainz in der Bundesliga arbeitet. „Er hat mit jedem von uns geredet und ist immer menschlich geblieben“, findet Diawusie. „Ich weiß, dass er Qualitäten hat, die er auch in Mainz einbringen wird.“

Fußballerisch ist ebenfalls einiges hängengeblieben aus diesen zwei Jahren in Leipzig. Das zeigt sich schon bei seinem 45-Minuten-Einsatz gegen Hertha. Seine Gegenspieler läuft er aggressiv an und nimmt nach der Balleroberung sofort Tempo auf. „Ich fühle mich wohl, wenn wir früh attackieren und schnell umschalten. Dann ist der Weg zum Tor auch nicht so weit“, erklärt er. „Aber natürlich entscheidet der Trainer, wie wir spielen.“ Der Nachsatz ist wichtig, schließlich will er nicht als Neuzugang gelten, der Forderungen stellt.

Ingolstadt zahlt eine halbe Million Ablöse

Bei den Rasenballern erhält er einen Profivertrag, unterschreibt aber schon mit der Option, ausgeliehen zu werden. Nach einem Jahr in Wiesbaden verpflichtet ihn Ingolstadt und zahlt für den damals 20-Jährigen eine halbe Million Euro Ablöse an RB. Über diese Summe habe er nicht groß nachgedacht, meint er. „Ich habe dadurch auch keinen besonderen Druck gespürt. Für mich war das eher ein Indiz dafür, dass sie mir wohl einiges zutrauen und es mit Einsätzen klappen könnte. Warum sollten sie sonst soviel Geld in die Hand nehmen?“ Es war eine Fehleinschätzung.

Auch Dresden zahlte wohl, über die Ablösemodalitäten wurde jedoch nichts bekannt. „Ich habe hier das Gefühl bekommen, dass sie mich unbedingt wollen“, sagt Diawusie. Sportdirektor Ralf Becker lobt ihn als „antrittsstarken, temporeichen und sehr athletischen Spieler“ und sieht bei ihm „viel Entwicklungspotenzial“. Das nächste Mal zeigen kann das der Angreifer beim Test am Samstag gegen Union Berlin (ab 14.30 Uhr im RBB-Livestream).

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