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Großenhain

Ahnenforschung löst Polizeieinsatz aus

Was ein Ludwigshafener in Großenhain auf der Suche nach seinen Vorfahren erlebt hat, schildert er jetzt der SZ:

Symbolfoto
Symbolfoto © dpa (Symbolfoto)

"Ich war in den Raum Dresden gereist, um meine Wurzeln zu recherchieren. Ich hatte herausgefunden, dass diese zum Teil in Zschieschen liegen. Familienmitglieder wohnten in den 30er Jahren in den Adressen Nr. 15, Nr. 21G, Nr. 23A, Nr. 23C und Nr. 23J. Schnell war klar, dass diese Art der Grundstücksnummerierung heute nicht mehr üblich ist. Auch die recherchierte Adresse „Adolf-Hitler-Straße 6“ dürfte hier nicht mehr zu finden sein. So schildert Marc B. aus Ludwigshafen, was ihm jüngst in Großenhain passiert ist.

Also wollte ich vor Ort recherchieren. Ausgerüstet mit einer Kamera spazierte ich durch die Straßen Zschieschen, fotografierte die Straßenzüge, um dann anhand eines alten Ortsplans die damalige Nummerierung zu rekonstruieren.

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Das schöne Wetter am Sonntagnachmittag war dafür optimal. Es fing vielversprechend an: Dank der überaus freundlichen Anwohnern in der Priestewitzer Straße war schnell das Gebäude eines früheren verwandten Bäckermeisters identifiziert.

Ganz anders wurde ich „An der Bergbrauerei“ empfangen. Kaum fotografierte ich die Straße mit den angrenzenden Häusern, war ich von einer Ansammlung besorgter Bürger eingekreist, die das Fotografieren einer Straße in Zschieschen als einen kriminellen Akt sahen.

Es half weder die Erläuterung der Ahnenforschung, noch ließ sich die aggressive Meute davon überzeugen, dass das Fotografieren im öffentlichen Raum zu privaten Zwecken auch dann erlaubt ist, wenn auf einem Foto ein Haus abgebildet ist. Also suchte ich verstört das Weite.

Noch rustikaler ging es mir in der Hermann-Zschoche-Straße. Nachdem ich die Straße fotografiert hatte, versperrte mir ein stabil aussehender Mann den Weg und verlangte mit aggressivem Tonfall und drohendem Auftreten das Löschen aller Fotos, auf denen von ihm oder seinen Bekannten bewohnte Häuser zu sehen sein könnten. Durch sein robustes Auftreten war klar, dass er es nicht gewohnt war, Unklarheiten durch Diskussionen zu lösen, sodass ich dem lieber nachkam und das Weite suchte.

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Zurück an meinem Auto wartete dann der Höhepunkt des Tages auf mich und offensichtlich auch für die Bevölkerung von Zschieschen: Von Weitem waren bereits ein Kleinbus und ein Streifenwagen der örtlichen Polizei zu sehen. Die Besatzungen dieser Einsatzfahrzeuge hatten hier offensichtlich einige Zeit auf mich gewartet und nahmen mich in Empfang. Nach der Aufnahme meiner Personalien und umfassenden Erklärungen zum Forschungsgegenstand konnte ich Zschieschen als freier Mann verlassen. Eine Beamtin gab mir zum Abschied noch mit auf den Weg, ich könne im Museum Großenhain eine Ausstellung über alte Ansichten der Stadt besichtigen, dort seien die Häuser abgebildet."

Gegenüber der Sächsischen Zeitung bestätigte  Polizeirevier-Leiterin Sandra Geithner den Vorfall, wollte ihn aber nicht kommentieren.