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Ahnenforschung wird teurer

Heute sollen die Stadträte eine neue Archivsatzung beschließen. Immer mehr suchen nach ihren Radebeuler Vorfahren.

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Von Peter Redlich

Die Historikerin Maren Gündel hält ein drei Kilogramm schweres Buch in den Händen. Es beschreibt Dresden und seine Umgebung und stammt aus dem Jahr 1630. „Wahrscheinlich unser ältestes im Radebeuler Stadtarchiv“, sagt die junge Frau.

Die Bücher und Akten, in die die meisten Archivbesucher schauen wollen, sind auch alt, aber nicht so alt. Ahnenforschung steht an erster Stelle. Und nimmt richtig zu, seitdem seit zwei Jahren das Standesamt alte Personenstandsakten von Bürgern, die vor 30 Jahren verstorben sind, ans Stadtarchiv abgibt. Von 80 bis 90 Anfragen im Jahr ist die Zahl auf etwa 300 gestiegen“, sagt der fürs Stadtarchiv zuständige 2. Bürgermeister Christian Werner (CDU). Viele würden Familienangehörige suchen. „Oft ältere Leute, die zum Ende ihres Lebens zu manchen Geschehnissen Gewissheit haben wollen, wie etwa eine Frau, die wissen wollte, wer ihr Vater war, sagt Maren Gündel.

Auch Notare und Erblasser suchen im Radebeuler Archiv auf der Gohliser Straße 1 nach Akten mit möglichen Nachkommen zu einer Erbschaft.

Für solche Recherchen müssen die Besucher künftig mehr bezahlen. Die Stadträte sollen heute eine neue Archivsatzung beschließen. Darin steht beispielsweise, dass das Benutzen von Archivgut für einen Tag nicht mehr vier, sondern fünf Euro kostet, einen Monat lang 15 Euro, die Jahresgebühr beträgt 30 Euro.

Die neuen Gebühren würden sich an die Satzungen der umliegenden Städte anpassen. In Dresden muss für die Jahresnutzung 40 Euro, in Meißen 50 Euro bezahlt werden, sagt Ordnungsbürgermeister Christian Werner (CDU).

Am zweithäufigsten wird das Archiv für Anfragen zu Bauakten genutzt. Wer ein Grundstück kaufen will, erkundigt sich nicht selten nach der Geschichte des Flurstücks. Hierzu müsse ein Antrag gestellt und eine Vollmacht vom Grundstücksbesitzer vorgewiesen werden, falls derjenige nicht schon selbst Besitzer der Immobilie ist. Maximal zwei Tage dauert es, bis die gewünschten Akten im Leseraum des Archivs parat liegen. Ein Kurier holt sie aus den Aktenregalen im Technischen Rathaus an der Pestalozzistraße. „Reinschauen geht aber nur unter Aufsicht“, sagt Maren Gündel. Damit mit den Akten auch kein Unfug geschieht. Die dritte Gruppe von Archivnutzern sind Leute, die wissenschaftliche Forschungen anstellen. Das seien meist Studenten, die nach Fakten und Aussagen für ihre Diplomarbeit suchen.

Wenn es richtig aufwändig wird und die Mitarbeiter im Archiv Rechercheaufträge bearbeiten und schriftlich beantworten sollen, dann kostet das auch richtig Geld. In der neuen Archivsatzung sind zehn Euro je 15 Minuten Arbeit genannt. Bisher kostete jede angefangene halbe Stunde 15 Euro. Man sei da sehr genau und dokumentiere den Aufwand korrekt, sagen die Mitarbeiter.

Hilfreich für eine schnelle Suche sei in jedem Fall, wenn dem Archiv etwa per E-Mail Registernummern und Jahreszahlen mitgeteilt werden können. Diese befinden sich zumeist auf Geburts-, Heirats- oder Sterbeurkunden.

Kontakt: 0351 8305252