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AIDS-Angst unter Athleten

Ein offenbar mit HIV infizierter Nationaltrainer soll Läuferinnen missbraucht haben. Jetzt muss er sich vor Gericht verantworten.

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© picture alliance / dpa

Der Sex-Skandal in Ugandas Leichtathletik zieht immer größere Kreise. Der des Missbrauchs zahlreicher Athletinnen beschuldigte Nationaltrainer Peter Wemali ist noch in zwei weiteren Fällen angeklagt worden. Dies bestätigte gestern ein Polizeisprecher. Insgesamt muss sich Wemali in mindestens fünf Fällen verantworten. Bei den beiden neuen Betroffenen soll es sich nicht um Athletinnen, sondern um Zivilistinnen handeln, die in der Nähe des Trainingsstützpunktes wohnten.

Erst Anfang Mai war bekannt geworden, dass der ehemalige Stützpunkttrainer Wemali mit dem HI-Virus infiziert sein soll. Daher könnte er die betroffenen Athletinnen mit dem Virus infiziert haben, das Aids hervorrufen kann. Wemali war im April vergangenen Jahres festgenommen worden. Von 2013 bis 2014 soll er drei 15, 16 und 17 Jahre alte Langstreckenläuferinnen missbraucht haben.

Der Trainer hatte ihnen erklärt, dass sie schneller laufen könnten, wenn sie schwanger werden und nach drei Monaten abtreiben. Diesen Skandal machte der Weltklasse-Langstreckenläufer Moses Kipsiro öffentlich. Der 28-Jährige wurde danach aus dem Kader für die Halbmarathon-WM geworfen. Als aber das Parlament eine Untersuchung der Vorfälle anordnete, durfte Kipsiro ins Auswahlteam zurückkehren. Er verteidigte bei den Commonwealth-Spielen seinen 10 000-m-Titel.

„Viele unserer Kollegen müssen infiziert sein. Gott soll gnädig zu uns sein“, sagte Kipsiro. „Ich weiß von vielen männlichen Läufern, dass sie ihre Freundin unwissentlich mit Herrn Wemali geteilt haben. Einige sind sogar verheiratet mit einer Läuferin, die eine Affäre mit ihm hatten.“ Kipsiro fordert nun umfassende HIV-Tests.

Dem nationalen Verband Ugandas (UAF) wird derweil vorgeworfen, den Skandal vertuschen zu wollen. „Unsere Kinder werden missbraucht, sie werden geschlagen, und keiner vom UAF hilft“, klagte Sam Cheptoris, Verwaltungsvorsitzender in Ugandas Distrikt Kapchorwa, über die Situation. Tunde Musawo, ein Sport-Offizieller des Kapchorwa-Districts, erklärte zu der ungewissen Situation: „Die Zahl der Infizierten könnte sehr hoch sein. Es ist alles sehr besorgniserregend.“ (sid/SZ)