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Millionen Schutzmasken aus China gelandet

Kramp-Karrenbauer hat in Leipzig das größte Frachtflugzeug der Welt empfangen. Der Andrang war groß - zu groß, um Abstand zu halten.

10,3 Millionen OP-Masken, FFP2- und FFP3-Masken landeten am Montag auf dem Flughafen Leipzig/Halle.
10,3 Millionen OP-Masken, FFP2- und FFP3-Masken landeten am Montag auf dem Flughafen Leipzig/Halle. © dpa-Zentralbild

Von Sven Heitkamp

Leipzig. Am Montagmorgen herrscht ein Medienrummel wie beim Staatsbesuch am Leipziger Flughafen: Mehrere Dutzend Journalisten, vor allem Kamerateams, Fotografen und Radioreporter, bauen am Rollfeld des Frachtflughafens ihre Stative und Mikrofone auf. Dabei geht es vor allem darum, ein Versäumnis der vergangenen Wochen nachzuholen: Schutzmasken gegen Corona-Infektionen ins Land zu holen. 

Um 10:03 Uhr setzt mit der Antonow 225 Mrija das größte Frachtflugzeug der Welt auf der Leipziger Betonpiste auf. Die sechsstrahlige Frachtmaschine kommt aus der chinesischen Hafenstadt Tianjin im Nordosten Chinas und hat den Bauch voller Kartons: 10,3 Millionen OP-Masken, FFP2- und FFP3-Masken für den Einsatz gegen Corona im Gesundheitswesen. Kurz nach der Landung werden die Kisten von der Bundeswehr an einen privaten Logistiker übergeben und dann weiter in die Bundesländer verteilt.

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27.04.2020, Sachsen, Schkeuditz: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesverteidigungsministerin, nimmt auf dem Flughafen Leipzig/Halle einen Bundeswehrtransport mit Schutzmasken in Augenschein. Die Masken sind zuvor mit dem weltgrößten Frachtflugzeug, de
27.04.2020, Sachsen, Schkeuditz: Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Bundesverteidigungsministerin, nimmt auf dem Flughafen Leipzig/Halle einen Bundeswehrtransport mit Schutzmasken in Augenschein. Die Masken sind zuvor mit dem weltgrößten Frachtflugzeug, de © dpa/Hendrik Schmidt

Auf dem Flughafen steht auch Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), schaut bei der Landung und Öffnung des riesigen Frachtvogels zu und nimmt die Masken symbolisch in Empfang. Es sei „ein ganz besonderer Montag“, sagte Kramp-Karrenbauer. Die Fracht sei Teil einer Lieferung von insgesamt mehr als 25 Millionen Masken, die dieser Tage mit drei Antonows in Leipzig landen. Die Bundeswehr stelle als Amtshilfe für das Gesundheitsministerium ihre Ressourcen zur Verfügung. „Alle, die heute hier geholfen haben, sind Teil eines großen Ganzen, um die Corona-Krise für die Bevölkerung einigermaßen erträglich zu machen“, sagt Kramp-Karrenbauer.

Etwa 20 Soldaten des Logistikbataillons 171 aus Burg bei Magdeburg helfen bei der Umladung der medizinisch wertvollen Fracht. „In den Bundesländern ist es Sache der Gesundheitsminister, welche Einrichtung wie viele Masken bekommt“, betont die CDU-Vorsitzende. Im Zuge der „Luftbrücke“ waren bereits am frühen Sonntagmorgen die ersten 8,3 Millionen Schutzmasken aus Shanghai gelandet, am Mittwoch werden weitere 6,6 Millionen erwartet. 

Die Qualität der Masken werde inzwischen in China stichprobenartig kontrolliert und auch hier in Deutschland überprüft, betont Kramp-Karrenbauer. Parallel habe die chinesische Regierung begonnen, gegen die Auslieferung minderwertiger Waren vorzugehen. Insgesamt seien mehr als 300 Millionen Masken vertraglich bestellt worden.

Die Bundeswehr nutzt das Flughafen-Drehkreuz in Leipzig schon seit 2006, um militärisches Gerät und Personal in Einsatzländer wie Mali oder Afghanistan zu transportieren oder zurückzuholen. Die Großraumflugzeuge gehören der ukrainischen Frachtgesellschaft Antonov Airlines und sind in Leipzig stationiert. Das sogenannte „Salis“-Abkommen sichert dabei zwölf Nato-Staaten Zugang zu diesen Lufttransportmöglichkeiten. Meist wird damit aber kein Schutzmaterial transportiert, sondern tonnenschweres Großgerät bis hin zu Hubschraubern, Panzern und Lkws. Die Antonow 225 ist nach einjähriger Wartung seit diesem April wieder im Einsatz.

Seit dieser Woche gilt in allen Bundesländern eine Maskenpflicht vor allem beim Einkaufen und im öffentlichen Personennahverkehr. Die Entscheidung über mögliche weitere Lockerungen der Corona-Maßnahmen hänge „auch extrem davon ab, dass wir die entsprechende Schutzausrüstung für die Bevölkerung und den Gesundheitsbereich haben“, betonte die CDU-Vorsitzende. „Über massive Lockerungen zu reden bei einer Zahl von 2.000 Neuinfektionen – das ist eine Wette, die riskant ist.“ Denkbar sei dies erst bei weniger als 1.000 Neuinfektionen pro Tag – oder besser noch bei 500 oder 600. Sie hoffe, dass es bei der Telefonkonferenz mit den Ministerpräsidenten in dieser Woche darüber eine größere Verständigung geben werde als bisher. 

Viele Journalisten und Flughafenmitarbeiter, davon nur wenige mit Schutzmaske, kamen am Montag zum Empfang der Lieferung. Der Auflauf sorgte in sozialen Netzwerken für Kritik.
Viele Journalisten und Flughafenmitarbeiter, davon nur wenige mit Schutzmaske, kamen am Montag zum Empfang der Lieferung. Der Auflauf sorgte in sozialen Netzwerken für Kritik. © Hendrik Schmidt/dpa

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Kurz nach dem Schutzmasken-PR-Termin erntete die Bundeswehr allerdings Empörung in den sozialen Netzwerken – weil die meisten der dicht gedrängten Teilnehmer auf den Bildern ohne Mundschutz zu sehen sind. Die Bundeswehr twitterte kurz darauf, man bedauere, dass sich viele nicht alle an die Regeln gehalten hätten und überprüfe die eigene Organisation: „Muss wohl noch bei uns allen richtig eingeübt werden.“

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