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Akrobaten auf Brettern

Die besten Longboarder fahren am Pfingstwochenende im Industriegelände um die Wette. Geschicklichkeit ist gefragt.

© Eric Münch

Von Ulrike Kirsten

Knapp einen Meter lang, kaum 20 Zentimeter breit ist es, das Brett, das für Markus Weber die Welt bedeutet. „Longboards sind großartig. In der Stadt nutze ich es gern als Fahrradersatz“, sagt der 27-Jährige. Zum ersten Mal hat Weber vor 14 Jahren auf einem Board gestanden. „Irgendwann hat einer in der Clique ein Skateboard mit angebracht. In so einem kleinen Dorf, wo ich herkomme, war das natürlich ein Riesending.“

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Über die Jahre hat Markus Weber das Longboard für sich entdeckt und nun das erste Dresdner Longboard Boardercross im Industriegelände am Kohlenplatz (Straße E) mitorganisiert. Ein Wettbewerb, bei dem es darum geht, wer am schnellsten den Berg runterkommt und dabei noch eine Menge Hindernisse unfallfrei umfährt. Weil das Ganze in der Landeshauptstadt stattfindet, heißt es „Eierschecke-Race“.

Das Longboard ist gerade besonders in. Mittlerweile hat es den kleinen Bruder, das Skateboard, fast in seiner Beliebtheit überholt. „Das ist sehr populär gerade. Auf dem Elberadweg sieht man zum Beispiel eine Menge Longboarder“, sagt Markus Weber. Was viele nicht wissen: Das lange Brett gibt es weitaus länger als das Skateboard. Surfer auf Hawaii haben es zuerst im Winter genutzt, wenn sie auf dem Wasser nicht trainieren konnten. Nach und nach wurden die Bretter immer kürzer, die Rollen immer kleiner, erzählt Markus Weber. Nun erlebt das Longboard quasi ein Revival.

Inzwischen ist das für manche nicht nur Spaß. Sie suchen die sportliche Herausforderung. Etwa 60 der besten deutschen Longboard-Fahrer treten am Sonnabend und Sonntag in Duellen gegeneinander an. Von einer zwei Meter hohen Startrampe nehmen sie Fahrt auf. Dann gilt es Wellen und Wippen zu bezwingen. „Das funktioniert so ähnlich wie Snowboard-Boardercross. Nur, dass es beim Longboard noch keine olympischen Medaillen zu gewinnen gibt“, erklärt Markus Weber. Helm tragen ist dabei Pflicht. „Es kann sehr schnell werden, wenn’s den Berg runtergeht.“

Für die Besucher ist das ein seltenes Ereignis. Denn Boardercross-Rennen finden sonst deutschlandweit nur in Hamburg statt. „Für diese Disziplin braucht man Gelände mit Gefälle. Das hat nicht jede Großstadt. Ohne Geschwindigkeit funktioniert Boardercross nicht“, sagt Weber. Er hat sein Hobby inzwischen zum Beruf gemacht. Im Skate- und Longboardshop „feedmysoul“ in der Alaunstraße 52 ist er für den Bereich Online und Eventplanung verantwortlich. „Einen Teil der Einnahmen aus Speisen- und Getränkeverkauf wollen wir dem Verein 248 Wheels spenden.“ Der kümmert sich um die Dresdner Skaterhalle, die vor Kurzem noch vor dem Aus stand.

Wird die Veranstaltung ein Erfolg, haben die Organisatoren von „feedmysoul“ und „248 Wheels“ einen Plan, wie es weitergehen soll. „Ich könnte mir vorstellen, andere Städte mit ins Boot zu holen und den Boardercross vier- bis fünfmal an verschiedenen Orten auszutragen“, sagt Markus Weber. „Noch ist das ein Traum. Aber vielleicht schaffen wir es ja, daraus eine Art sportliche Meisterschaft zu machen.“

1. Dresdner Longboard Boardercross (Eierschecke-Race) im Industriegelände, Straße E, 7./8. Juni, jeweils 9 bis 17 Uhr. Eintritt frei. Die Straße, Am Kohlenplatz, ist wegen der Veranstaltung für den Verkehr bis Montag voll gesperrt.