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Al Capone lässt grüßen

Der Uhyster Carnevalsverein entführt am Sonnabend in die Goldenen Zwanziger – und startet damit in die 38. Saison.

Die Funkenmädels sind wie immer ein Hingucker – und eine sichere Bank des Uhyster Carnevalsvereins. In dieser Richtung muss sich der Elferrat des UCV, sprich der Vereinsvorstand, keine Nachwuchssorgen machen.
Die Funkenmädels sind wie immer ein Hingucker – und eine sichere Bank des Uhyster Carnevalsvereins. In dieser Richtung muss sich der Elferrat des UCV, sprich der Vereinsvorstand, keine Nachwuchssorgen machen. © Foto: Sabine Keller

Uhyst. Wie mag es wohl in den Zwanzigern zugegangen sein? Vom Goldenen Jahrzehnt ist da gern die Rede. Von fliegenden Röcken beim Cancan. Von Al Capone oder der Legende „Vom Tellerwäscher zum Millionär“. All dem kann man am Sonnabend im Saal des Gasthofs „Drei Linden“ begegnen, wenn der Uhyster Carnevalsverein unter dem Motto „Der UCV und die Zwanziger“ in die neue Saison startet. Zu Beginn der fünften Jahreszeit übergibt morgen Abend Bürgermeister Achim Junker (CDU) symbolisch den Rathausschlüssel. Statt am 11.11. um 11.11 Uhr hat sich das als einer der Höhepunkte bei der Auftaktveranstaltung so eingebürgert.

Heute Abend findet die Generalprobe mit dem kompletten Durchlauf statt. Entsprechend aufgeregt sind die Mitwirkenden. „Aber Lampenfieber gehört dazu“, sagt Thomas Noack, seines Zeichens Schatzmeister im Elferrat. Seit 35 Jahren tanzt er im Männerballett mit. Dessen Gründung war eine Schnapsidee. Angefangen habe man mit einem Indianertanz, es folgten Pippi Langstrumpf und manch andere verrückte Idee, erzählt der 50-Jährige. Spitzenröckchen und Schwanensee seien hingegen noch nie ihr Ding gewesen. Seit vier Jahren trainieren die Männer unter professioneller Anleitung von Andrea Prittmann, die aus der mit Medaillen geschmückten „Schmiede“ des Demitz-Thumitzer Karnevals stammt. Seither ist das Niveau des Männerballetts gestiegen. Die UCVler haben schon bei Turnieren getanzt, bei Meisterschaften aber lediglich zugeschaut. „So stark sind wir dann doch nicht. Außerdem machen wir das aus Spaß an der Freude, damit andere was zu lachen haben, und nicht aus sportlichem Ehrgeiz“, begründet Thomas Noack. Da könne mal was schiefgehen – wie bei anderen Programmpunkten auch. Der Stimmung im Saal hat der eine oder andere kleine Patzer aber noch nie geschadet.

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Während sich die tanzenden Männer mutige Verstärkung wünschen, braucht sich der Verein um seine Funken keine Sorgen zu machen. Seit November 2018 gibt es sogar eine Gruppe Minifünkchen, die bereits dreimal aufgetreten ist. Nach dem Motto „Früh übt sich ...“ sind selbst die Allerkleinsten mit großem Eifer dabei. 31 Mädels tanzen in den drei Funkengarden. Luise Schuster aus Drehna schreibt die Choreografien und studiert die Tänze mit ihnen ein. Unterstützt wird sie von Anne Buder aus Mönau. Das Training findet in der alten Schule in Uhyst statt. Im Winter gestaltet sich das zuweilen schwierig, weil es dort keine Heizung gibt. Dann weichen Funken und Männerballett mitunter in das ehemalige Gemeindeamt aus.

Fasching in Uhyst wurde schon früher gern gefeiert. Anfang der 70er war Schluss damit. 1981 wurde der Uhyster Carnevalsverein neugegründet. In den 90ern blieben allerdings die Gäste weg. Angesichts der großen Umwälzungen der Wende und der hohen Arbeitslosigkeit hatten die meisten keinen Nerv auf so viel ausgelassene Fröhlichkeit. Mit den 2000ern stieg das Interesse für den Karneval wieder ordentlich an.

Ein kleines Dorf ganz groß

Inzwischen hat der UCV um die 40 Mitglieder. „Was für ein kleines Dorf ganz schön gewaltig ist“, sagt Thomas Noack, der ein gebürtiger Uhyster, mit seiner Familie jedoch in Lohsa „hängengeblieben“ ist. Mit seiner Tochter Pauline und fünf anderen Mädels fingen 2012 die Funken an. Die ersten Schritte lernten die Mädels damals in einem Tanzcamp in Naumburg.

Nun also die 38. Saison. Es werde immer schwerer, ein „neues“ Thema zu finden. Erste Ideen kommen für gewöhnlich schon am Aschermittwoch oder beim Aufräumen danach auf den Tisch. Übers Jahr wird gesammelt. Ende August beginnt die Programmentwicklung, im September entstehen die Sprechbeiträge, werden Darsteller ausgewählt. Im Laufe der Zeit entstand ein ziemlicher Fundus an Kostümen. Manches wird übers Internet besorgt. Ums Bühnenbild kümmert sich die Familie von Präsident Gerd Schillack, um die Bilder im Saal die Seniorenfunken. Allesamt sind sie wie auch viele fleißige Helfer mit Herzblut dabei. Das zeigt den Zusammenhalt im Dorf.

Mit der 40. steht auf absehbare Zeit die nächste runde Saison ins Haus, wobei das eigentliche karnevalistische Jubiläum die 44. Saison wäre. „Einige Akteure der ersten Stunde sind noch dabei. Aber es wäre gut, wenn bis dahin jüngere Leute in die Leitung des Vereins aufrücken würden“, sagt Thomas Noack. Und dass man sich über jeden freue, der mitmachen will.

Karnevalsauftakt in Uhyst am 16.11. im Gasthof „Drei Linden“. Einlass 19.11 Uhr, Programm ab 19.40 Uhr. Es gibt noch Karten an der Abendkasse.

Immer für einen Lacher gut, das Uhyster Männerballett. Es entstand aus einer Schnapsidee heraus. Für die Männer steht der Spaß im Vordergrund. Mittänzer gesucht!
Immer für einen Lacher gut, das Uhyster Männerballett. Es entstand aus einer Schnapsidee heraus. Für die Männer steht der Spaß im Vordergrund. Mittänzer gesucht! © Foto: Sabine Keller
Guido Falkenhain (li.) und René Kühn dürfen in keinem Programm fehlen. Sie verkünden die aktuellsten Nachrichten aus Uhyst – mit Augenzwinkern und ordentlich Humor.
Guido Falkenhain (li.) und René Kühn dürfen in keinem Programm fehlen. Sie verkünden die aktuellsten Nachrichten aus Uhyst – mit Augenzwinkern und ordentlich Humor. © Foto: Sabine Keller

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