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Alarmstufe Rot in Pirna

Die Veranstaltungbranche will auf ihre coronabedingt prekäre Lage aufmerksam machen - mit einer spektakulären Lichtaktion.

Video-Artist Rico Meier, Veranstalter Matteo Böhme, Jenny Kunkel von "KP Media" (v.l.): Die ganze Veranstaltungsbranche kämpft ums Überleben.
Video-Artist Rico Meier, Veranstalter Matteo Böhme, Jenny Kunkel von "KP Media" (v.l.): Die ganze Veranstaltungsbranche kämpft ums Überleben. © Norbert Millauer

Ralf Seffner wäre jetzt unterwegs, wahrscheinlich irgendwo in Europa, nur nicht daheim in Pirna. Seffner ist Chef der Firma "RS Messeteam", ein Messebau-Unternehmen. Er arbeitet für namhafte Veranstaltungen, Seffner ist viel für die Deutsche Tourenwagenmeisterschaft (DTM) unterwegs, beim Weltwirtschaftsforum in Davos war er schon dabei, Aufträge führten ihn bis Las Vegas. 

Doch in diesem Jahr ist alles anders. Durch die Corona-Pandemie ist er zum Nichtstun verdammt, es finden keine Veranstaltungen statt, keine Messen, nichts. Er hatte zwar in diesem Jahr schon mehrere Messen vorbereit und sogar schon aufgebaut, doch sie wurden alle kurzfristig abgesagt. "Ich habe lediglich einen Haufen Kosten produziert", sagt Seffner. Einnahmen sind derzeit nicht in Sicht. Das Schlimmste, sagt der Unternehmer, sei aber die Ungewissheit, keiner wisse, wie es weitergeht. 

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Das Unternehmen Litronik mit Sitz in Pirna entwickelt und produziert Batterien für humanmedizinische Implantate wie Herzschrittmacher und Defibrillatoren.

Dieser Fall ist symptomatisch für einen ganzen Wirtschaftszweig: die Veranstaltungsbranche mit den Bereichen Messebau und Veranstaltungstechnik, mit all den Eventagenturen, Messegesellschaften, Caterern, Tagungshotels, Bühnenbauern, Konzertveranstaltern, Künstlern und Einzelunternehmern liegt bundesweit am Boden. Es gibt keine Aufträge, kein Geld, keine Perspektive. "Die Veranstalter trifft die Krise am härtesten", sagt Holger Zastrow, der mit seiner Agentur den Pirnaer Canalettomarkt veranstaltet, "wir haben quasi Berufsverbot."

Rathaus im Rotlicht

Und weil beinahe die gesamte Sparte ums Überleben kämpft, will sie nun mit einer spektakulären Aktion Politik und Öffentlichkeit auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen. Veranstalter haben die Aktion "Night of Light" ins Leben gerufen. Dabei sollen in der Nacht vom 22. auf den 23. Juni von 22 bis 1 Uhr bundesweit markante Gebäude rot angestrahlt werden. Die Farbe steht symbolisch für die Alarmstufe Rot in der Veranstaltungswirtschaft, da ein Milliardenmarkt und Hunderttausende Arbeitsplätze gefährdet sind. Die Initiative "Night of Light", entstanden in Essen, hat inzwischen mehr als 3.800 Unterstützer. Über 3.600 Gebäude sollen illuminiert werden.

Auch Pirna nimmt daran teil, weil auch in der Region viele Veranstalter von der Krise betroffen sind. Zwar sind die Aktionen hierzulande nicht koordiniert. Aber eine Initiativgruppe um Jenny Kunkel von der Firma "KP Media" - die zum Canalettomarkt das Rathaus illuminiert - und die Veranstalter des Canalettomarktes, Matteo Böhme und Holger Zastrow, hat sich zusammengetan, um auch in Pirna Wahrzeichen der Stadt in spektakulärer Weise anzuleuchten. So werden nächste Woche das Rathaus sowie das Canalettohaus am Markt in rotes Licht getaucht, die Stadt lässt überdies das Schloss Sonnenstein rot anstrahlen. 

Hoffen auf den Weihnachtsmarkt

Zastrow hält ein solches Zeichen für dringend nötig, zumal sich ja mit dem angekündigten Verbot von Großveranstaltungen bis Ende Oktober nichts wirklich ändert. "Das werden vermutlich viele nicht überleben", sagt der Agenturchef. Allerdings deutet sich an, dass Sachsen in dieser Hinsicht möglicherweise einen Sonderweg beschreitet und große Veranstaltungen eventuell schon eher wieder zulässt.

Zastrow selbst ist zumindest in Sachen Canalettomarkt, der am 24. November in Pirna beginnen soll, vorsichtig optimistisch. Seine Planungen geht jedenfalls derzeit davon aus, dass er stattfinden kann. Alles andere vermag er sich momentan nicht auszumalen. "Sachsen ohne Weihnachtsmärkte", sagt Zastrow, "das wäre doch undenkbar."

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