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Albatros-Express startet jetzt in Riesa

Die Firma Transfracht nahm gestern Nachmittag in der Elbestadt ihr deutschlandweit 15. Bahn-terminal in Betrieb.

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Von Reiner Hanke

Gut 15 Meter über dem Boden schwebt ein Container am Kranhaken zum Albatros-Expresszug. Voll gepackt mit veredelter Kieselsäure von Wacker Chemie Nünchritz. Die wird später zur Produktion von Ketchup oder Zahnpasta verwendet und macht sich nach Japan, China oder den USA auf den Weg. Dort soll sie künftig wesentlich schneller ankommen. Dafür sorgen seit gestern die Sächsischen Binnenhäfen Oberelbe GmbH (SBO) und TFG Transfracht International (TFG) mit einer neuen Expressverbindung. Die Gesellschaft aus Frankfurt am Main baute jetzt ihr Güterverkehrsnetzwerk mit dem Terminal im Riesaer Hafen aus. Von dort aus werden dreimal pro Woche Güter direkt zu den Seehäfen gebracht.

Für die Binnenhäfen GmbH bedeutet die neue Geschäftspartnerschaft auch eine Stück Unabhängigkeit von den Launen des Elbstromes: „Wir können viel flexibler auf Hoch- oder Niedrigwasser regieren“, so Pressesprecherin Diana Lang. Außerdem geht es auf der Schiene bis zu fünfmal schneller als auf dem Wasser voran. Das weiß zum Beispiel Ralph Hirschfeld-Spilker, Kaufmännischer Leiter des Nünchritzer Wackerwerkes zu schätzen. Außerdem verspricht sich der Kaufmann weniger Leertouren bei den Transporten. Container, die mit Siliziummetall ins Werk kommen, sollen mit Wackerprodukten gefüllt den Betrieb wieder verlassen, so Hirschfeld-Spilker. 40 000 Tonnen will Wacker dieses Jahr auf die Reise schicken und gehört zu den Großkunden des Hafens und der TFG.

Das industrielle Ballungsgebiet um Riesa und die strategisch günstige Lage in Sachsen gaben auch den Ausschlag für die Entscheidung zu Gunsten der Elbestadt, sagt TFG-Geschäftsführer Klaus Niemöhlmann. Über solche Komplimente freut sich besonders Riesas Oberbürgermeisterin Gerti Töpfer (CDU). Damit gewinne aber nicht nur Riesas Hafen an Bedeutung, die ganze sächsische Wirtschaft werde profitieren, so die OB.

„Wir können von hier aus ganz Sachsen abdecken, schätzt TFG-Marketingchef Marcus Hoffmann ein. Damit konnte sich Riesa gegenüber Leipzig tüchtig profilieren und ein Stück vom Transportkuchen abbeißen. Denn bisher rollten alle Albatroszüge über die Messestadt. In Riesa wurden 2004 rund 5 600 Container umgeschlagen. Diana Lang rechnet nun mit der doppelten Anzahl für 2005. TFG-Manager Hoffmann peilt sogar 20 000 Container für die nahe Zukunft an, wenn die Kundschaft im gewünschten Maß wächst. Darauf baut die Hafengesellschaft stark, mit dem neuen leistungsfähigen Partner an der Seite. Immerhin bezeichnet sich Transfracht selbst als Marktführer.

Für die Riesaer wären aber auch mehr als 20 000 Container pro Jahr keine Hürde. Denn die SBO hat den Boden für große Geschäftspartner bereitet. 30 Millionen Euro wurden in Gleise, Kaimauern und Krananlagen investiert. Jetzt zahlt sich das aus. So könnten allein an diesem Terminal bis zu 56 000 Container im Jahr verladen werden.

Der Schienenstrang macht die Wasserstraße trotzdem nicht überflüssig. Hafenmeister Bernd Zimmermann: „Natürlich brauchen wir auch das Wasser.“ Er deutet auf ein Schiff mit Düngerladung. Roheisen oder Kohle werden ebenfalls per Schiff transportiert. Und das ist nach wie vor wesentlich billiger. Bernd Zimmermann: „Die Transportwege Schiene, Wasser und Straße sollen ineinandergreifen und sich optimal ergänzen.“