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Albertstraße bekommt Radwege

Der Stadtrat hat neu entschieden. Was das bedeutet und wie es weitergeht.

Noch ist die Albertstraße keine sichere und schnelle Strecke für Radler, 2020 sollen Radwege markiert werden. Für Autos wird es enger.
Noch ist die Albertstraße keine sichere und schnelle Strecke für Radler, 2020 sollen Radwege markiert werden. Für Autos wird es enger. © Sven Ellger

Es war knapp, aber nach der Ablehnung im Frühjahr gab es nun eine Mehrheit für Radwege entlang der Albertstraße. Grüne, Linke, SPD und die drei Stadträte von Die Partei, Piraten und Freien Bürgern setzten sich durch, die Entscheidung umzukehren. Nun soll es ganz schnell gehen.

Warum konnte nun erneut über die Radwege abgestimmt werden?

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Im Frühjahr waren sie abgelehnt worden, ebenfalls denkbar knapp. CDU, FDP, AfD, die damalige Bürgerfraktion, die damals noch vertretenen zwei NPD-Stadträte und Oberbürgermeister Dirk Hilbert (FDP) stimmten dagegen. Die Vorgaben sagen, ist eine Entscheidung gefallen, darf über das Thema sechs Monate lang nicht erneut abgestimmt werden. Die Zeit ist nun abgelaufen. Dazu hat sich die Zusammensetzung des Rates durch die Wahl im Mai verändert. Die Grünen stellten den Antrag für Radwege, dieser wurde nun beschlossen.

Welche Argumente haben die Gegner, ist es eine Grundsatzfrage?

Durch die Radwege fällt eine von zwei Autospuren in Richtung Albertplatz weg. Die Gegner fürchten Verzögerungen für Autos. Sie führen aber auch an, dass es an den einmündenden Straßen gefährlich für Radfahrer werden könnte. Sie wollen lieber Radwege in Seitenstraßen, etwa entlang der Sarrasanistraße. Es geht aber auch um Grundsätzliches. „Wir unterstützen keinen Rückbau von Infrastruktur“, sagte beispielsweise FDP-Stadtrat Robert Malorny.

Warum ist es den Befürwortern so wichtig, was spricht für die Radwege?

Bisher gibt es nur einen mehrfach unterbrochenen Radweg in Richtung Carolaplatz. Sind auf beiden Seiten der Albertstraße Radwege, ist die Nord-Süd-Verbindung komplett. Sie wird viel von Studenten genutzt, die von der Neustadt zur Universität fahren. Zudem hat der Stadtrat diese Radwege bereits in mehreren Konzepten wie dem Radwegekonzept und dem Luftreinhalteplan beschlossen. Kurz vor der Umsetzung hatten die Gegner ihn gestoppt.

Wie wichtig sind die Radwege, und werden Autofahrer ausgebremst?

Rund 4000 Radfahrer nutzen täglich die Albertstraße. Das sind deutlich mehr als noch vor ein paar Jahren. Demgegenüber geht der Autoverkehr dort zurück – von 33.000 im Jahr 2005 auf derzeit etwa 20.000 täglich. Zudem hat eine Untersuchung im Auftrag der Stadt ergeben, dass Autofahrer durch den Wegfall der Spur eine Sekunde länger brauchen als bisher. Die Spur in Richtung Albertplatz soll zudem breiter als eine normale Fahrbahn werden, sodass zwei Autos auch parallel fahren könnten. Zwei Laster passen nicht nebeneinander.

Warum ist das Thema so umkämpft, ist es auch Symbolpolitik?

Vor und im Wahlkampf wurde die Albertstraße zum Streitthema Nummer eins. Es ging auch um die Frage, ob Dresden Auto- oder Fahrradstadt werden soll. „Diese Frage haben die Dresdner bei der Wahl entschieden“, meint Grünen-Stadtrat Johannes Lichdi. Die Grünen wurden stärkste Kraft. Die Gegner betonen, dass sie nicht generell gegen Radwege sind. An dieser Stelle würden sie aber andere Lösungen bevorzugen. Ein ähnlicher Streit ist um den Zelleschen Weg entbrannt. Dort ist noch unklar, wie dieser gebaut wird. Oberbürgermeister Hilbert hatte vor der Sommerpause entschieden, dass darüber der neue Stadtrat entscheiden solle. Damit steht das Thema demnächst ebenfalls an. Die Rad-Befürworter scheinen in der Mehrheit zu sein.

Wie teuer werden die Radwege und gibt es Geld vom Land dafür?

Die Pläne sind fertig, Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) muss sofort den Fördermittelantrag beim Land stellen. Denn die Frist für Fördergelder für 2020 endet jetzt. Die Maßnahme kostet 550.000 Euro, knapp 427.000 Euro davon erhofft sich die Stadt vom Land. Schmidt-Lamontain sieht dafür „gute Chancen“. Die Gegner hatten als Argument angeführt, es gebe eh keine Fördermittel vom Land mehr. Schmidt-Lamontain hat in der Stadtratssitzung am Mittwoch eingeräumt, dass es Signale vom Land gibt, dass 2020 keine neuen Straßenbaumaßnahmen gefördert werden können. „Aber Rad- und Fußwege“, so der Baubürgermeister. „Ich habe keine verbindliche Zusage, aber Signale.“

Wie geht es nun weiter, und wann wird voraussichtlich gebaut?

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