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Alexander Zickler ist zurück in Sachsen

Der frühere Dynamo-Stürmer kommt zum Spitzenspiel nach Leipzig. Im Interview verrät er, wie er einst für zwei Millionen Euro zu den Bayern wechselte.

Alexander Zickler (l.) 1993 beim Bolzen mit René Beuchel. Zu seinem
Ex-Dynamo-Kollegen hat der Gladbacher Co-Trainer noch Kontakt.
Alexander Zickler (l.) 1993 beim Bolzen mit René Beuchel. Zu seinem Ex-Dynamo-Kollegen hat der Gladbacher Co-Trainer noch Kontakt. © privat

Alexander Zickler kommt zurück, nach Sachsen zumindest. Als Co-Trainer von Borussia Mönchengladbach fordert er im Bundesliga-Topspiel Tabellenführer RB Leipzig heraus. Im neuen Gladbacher Trainerteam um Chefcoach Marco Rose ist der 45-Jährige gemeinsam mit Ex-DFB-Team-Kollege Oliver Neuville insbesondere für die Offensive zuständig und bringt seine Erfahrung aus je zwölf Jahren beim FC Bayern und insgesamt zwölf Jahren als Spieler und Trainer bei Red Bull Salzburg ein. Im Interview spricht der bei Dynamo Dresden ausgebildete Ex-Stürmer über „Klassentreffen” und Meisterkampf in der Bundesliga und über das verrückte Jahr 1993, als Uli Hoeneß ihn zum FC Bayern lotste.

Herr Zickler, Sie haben lange für Red Bull in Salzburg gespielt und gearbeitet und kommen zu einem Bundesligaspiel nach Sachsen. Doppelt speziell für Sie?

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Es ist immer speziell, in die Heimat zu kommen. Meine Eltern wohnen ja noch in Dresden und klar, meine Jahre in Salzburg spielen da mit hinein. Ich hab‘ zudem ja auch einige Spieler trainiert, die jetzt in Leipzig Fußball spielen.

Die halbe Mannschaft, wenn man es genau betrachtet.

Ja, kann man so sagen. Pete Gulacsi, Dayot Upamecano, Marcel Sabitzer - die habe ich zwar nicht trainiert, aber kenne sie natürlich gut. Oder Konrad Laimer, den hatte ich im eigenen Nachwuchs, Amadou Haidara, Hannes Wolf oder Stefan Ilsanker. Mit „Ilse” habe ich sogar noch zusammengespielt.

Wieviel Red-Bull-Fußball steckt in Ihnen und Ihrer Arbeit an Marco Roses Seite in Gladbach?

Schon einiges. Die Jahre als Spieler und Trainer bei einem Verein mit einer klaren Spielidee machen ja was mit einem. Ich habe viel mitgenommen.

Wie waren Ihre ersten Eindrücke, als Sie, sagen wir Ihr Wohnzimmer verlassen haben und nach Gladbach kamen?

Der erste Eindruck war: Die können richtig gut kicken. Der Kader ist enorm beschlagen. Wir haben nur ein paar neue Nuancen mit hinein gebracht und die Kombination, die dabei, herausgekommen ist – wenngleich noch ein weiter Weg zu gehen ist – macht unheimlich viel Spaß.

Sie arbeiten bereits seit 2013 mit Marco Rose zusammen. Wieso haben Sie Ihre Trainerkarriere mit seiner verbunden?

(lacht) Dass ich in Dresden groß geworden bin, er aus Leipzig stammt, verbindet natürlich schon mal auf der Heimatebene. Er ist zudem nur drei Jahre jünger als ich. Und wir haben uns kennengelernt, als er als U-16-Trainer in Salzburg begann. Damals habe ich die U-13 trainiert und war gleichzeitig sein Co bei der U-16. Das waren die ersten Berührungspunkte.

Alexander Zickler (r) im Jahr 2001 beim Spiel FC Bayern München gegen den Hamburger SV.
Alexander Zickler (r) im Jahr 2001 beim Spiel FC Bayern München gegen den Hamburger SV. © Archiv/Peter Kneffel/dpa

Wieso funktionieren Sie so gut miteinander und was macht den Reiz für Sie aus, mit ihm zu arbeiten?

In erster Linie haben wir dieselben Vorstellungen von Fußball. Er hat Bundesliga gespielt, ich ebenso – das passt also auch. Und wir haben uns von Anfang an sehr gut verstanden. Marco ist fachlich sehr kompetent, und es ist sehr angenehm, im Team mit ihm zu tun zu haben. Er schätzt die Arbeit der Kollegen sehr und zeigt das auch. Er ist nie von oben herab, ist menschlich absolut top und bindet uns immer in viele Entscheidungen mit ein. Dadurch begegnen wir uns auf Augenhöhe.

Es stand 2018 mal im Raum, dass Sie und Marco Rose in Leipzig anfangen könnten. Wie nah waren Sie dran an einem Engagement bei RB?

RB war ja nicht der einzige Verein, es gab auch andere, die noch mehr Thema bei uns waren. Aber wir haben die für uns richtige Entscheidung getroffen, nach Gladbach zu gehen. Das ist ein Topverein mit großer Tradition, vielen Möglichkeiten. Wir sind sehr offen und herzlich aufgenommen worden. Das passt sehr gut.

Sie waren lange weg aus der Bundesliga, wie ist das Wiedersehen?

Das Gefühl ist großartig. Man trifft viele alte Bekannte, Weggefährten, Spieler, gegen die man gespielt hat, alte Kollegen. Es ist ein bisschen wie ein Klassentreffen. Und alles ist eine Nummer größer als in Österreich, klar. Salzburg war ein guter Ort, um als Trainer zu starten. Aber es ist nochmal was anderes, wenn du vor 50.000, 70.000 Menschen spielst oder an der Seitenlinie stehst.

RB ist Tabellenführer, Sie mit Gladbach Dritter. Wie schätzen Sie den Gegner ein, immerhin kennen Sie Details seiner Spielweise aus dem Effeff?

RB ist sehr heimstark. Für uns heißt das, wir brauchen vor allem Mut in der Partie, wir müssen ausstrahlen, dass wir keine Ehrfurcht haben. Wir wissen, dass das Umschaltspiel und das Gegenpressing bei RB richtig gut ist. Darauf müssen wir vorbereitet sein. Aber wir haben auch unsere Stärken.

Wie gehen Sie in Gladbach mit dem Thema Meisterschaft um?

Wir haben hier mit dem Ziel begonnen, zu dem Guten, was schon vorhanden war, ein paar neue Sachen reinbringen. Dass ist zu Beginn nie einfach, weil die Abläufe im Spiel sich verändern und erstmal verinnerlicht werden müssen. Dass es trotzdem so schnell so gut lief, hat uns natürlich froh gemacht. Aber die Tabellenführung war für uns eine Randgeschichte. Wir wollen so lange wie möglich oben mitspielen und werden sehen, wie lange wir die Großen in der Bundesliga ärgern können.

Das Spiel gegen RB wird als Wegweiser für den weiteren Saisonverlauf wahrgenommen. Bei Ihnen auch?

Absolut, die Partie ist schon nicht ohne. Aber wir werden uns nicht verrückt machen lassen. Die Bundesliga ist vom Niveau der Teams her extrem eng. Du kannst gegen den Ersten gewinnen und gegen den Letzten verlieren. Wenn du auch nur in einem Spiel denkst, du kannst mit 70 Prozent gewinnen, geht das Ding nach hinten los. Da wird bis zum Saisonende noch viel passieren. 

Zickler im Gladbach-Outfit. 
Zickler im Gladbach-Outfit.  © Jan Huebner

Sie haben Ihre lange Karriere bei Dynamo Dresden begonnen. Nach nur einem guten halben Jahr bei den Profis kam 1993 schon das Angebot des FC Bayern. Sie waren gerade 19 geworden. Wie war das damals genau?

Das war ein unglaubliches Jahr für mich. Noch im Sommer war ich eigentlich in der zweiten Mannschaft, als mir wegen einer Verletzungsmisere im Sturm Klaus Sammer die Chance gegeben hat, Vorbereitungsspiele mitzumachen. Da habe ich das ein oder andere Tor geschossen und habe dann in der Rückrunde jedes Spiel gemacht. Nach dem achten, neunten Spieltag der Rückrunde kam dann der Anruf meines damaligen Beraters, der mich fragte, ob ich mit dem Namen Uli Hoeneß etwas anfangen könnte. Es gebe Interesse des FC Bayern. Das wurde sehr schnell konkret.

Und wie haben Sie reagiert?

Natürlich überlegt man als sehr junger Spieler kurz, aber eigentlich war gleich klar, dass ich das gern machen möchte. Ich habe mich gefragt: Wann kriegst du noch einmal eine solche Chance? Dass es dann zwölf Jahre bei den Bayern wurden, war keineswegs abzusehen. Ich ging damals mit dem Plan nach München, in meinen drei Vertragsjahren von den Besten zu lernen und dann vielleicht woanders hinzugehen.

Die Ablöse für Sie von über zwei Millionen DM war damals viel Geld, „Aufbauhilfe Ost” stand in den Zeitungen.

Sicher hat Bayern damals etwas mehr bezahlt, Dresden hat das Geld gebraucht. Das hat finanziell geholfen. Aber das war nicht mein Thema, das war Thema der Vereine. Ich bin froh, dass ich mich mit der Ablöse für die gute Ausbildung, für die ich ewig dankbar sein werde, bei Dynamo habe bedanken können.

Heute fällt es unheimlich schwer, Talente aus dem Nachwuchs für die Profis auszubilden. Sie kamen mit sechs Jahren zu Dynamo. Was war bei Ihnen entscheidend?

Die Ausbildung in Dresden war hervorragend, gerade was die Grundlagen angeht. Das betrifft die technische ebenso wie die charakterliche Ausbildung, dass du ein Teamplayer bist, dich auch unterordnen kannst. Für die jungen Spieler heute ist es einfach schwerer geworden. Man muss heute sofort funktionieren. Es geht um mehr, die Vereine haben mehr Druck. Da fehlt die Zeit, dass sich Talente an die Bundesliga gewöhnen können. Das war früher etwas einfacher. Mir persönlich kam zugute, dass ich die Schnelligkeit hatte, in der Bundesliga mitzuhalten. Das war und ist eine Riesenwaffe.

Wie verfolgen Sie die Situation aktuell bei Dynamo? Gibt es emotionale Verbindungen?

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Ich habe zum Verein leider wenig Kontakt, schaffe es gerade auch nur noch ein Mal im Jahr nach Dresden. Das hat sich so ergeben. Aber mit René Beuchel, mit dem ich damals zusammengespielt habe, und mit Jens Jeremies stehe ich noch in Verbindung. Ab und zu treffen wir uns in Düsseldorf, und dann quatschen wir auch über die alten Zeiten. Ich hoffe, dass sie die Kurve kriegen. Die Fans und die Region verdienen es, dass der Verein in der 2. Liga bleibt. Aber das wird ein hartes Stück Arbeit. 

Interview: Ullrich Kroemer

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