merken
PLUS Dresden

Der koschere Koch von Dresden

Ali Habiballah ist keiner für eine Schublade: Als Palästinenser bekocht er mit Vorliebe die jüdische Gemeinde - längst aber auch alle anderen, die Freude am Essen haben.

One-Man-Show auf zehn Quadratmetern: Ali Habiballah will die Dresdner von Brot und Pommes befreien.
One-Man-Show auf zehn Quadratmetern: Ali Habiballah will die Dresdner von Brot und Pommes befreien. © Sven Ellger

Dresden. Diese so unspektakulär aussehende Maschine ist ein Wunderwerk der Technik. Und sie ist momentan der ganze Stolz von Ali Habiballah. Einmal in Gang gesetzt, produziert das Gerät bis zu 1.000 Falafel-Bällchen in der Stunde. Bei rund 8.000 Euro Anschaffungskosten möchte das aber auch sein.

Schon im Dezember hat Ali die Maschine in seiner israelischen Heimat bestellt. Im Mai kam sie endlich an. Bis dahin formte der 52-Jährige seine Bällchen noch mit der Hand. Die gewonnene Zeit kann er seitdem gleich neu investieren. Ali hat noch viel vor - und er strotzt nur so vor Energie. Nicht zuletzt, weil er jeden Tag meditiere.

Fahrrad
Rauf auf den Sattel
Rauf auf den Sattel

Fit unterwegs und immer auf der Suche nach etwas Sehenswertem? Auf unserer Themenwelt Fahrrad gibt es ganz viel zu entdecken!

Geboren und aufgewachsen ist er in Nazareth, seine Eltern waren Muslime. Er selbst wollte sich allerdings nie auf eine Religion festlegen, auch wenn er sich heute als gläubigen Menschen bezeichnet. 

Kurz nach der Wende kam Ali Habiballah für sein Studium der Informationstechnik nach Dresden und finanzierte sich sein Leben nebenbei als Weinkellner im Café 100 auf der Alaunstraße. 

Heute ist eben dieses Haus der Mittelpunkt seines Lebens. Von 1997 bis 2016 führte er selbst das Café, ein Umstand, den seine Eltern in der Heimat anfangs nicht fassen konnte. "Sie waren damals kurz davor, mich zu enterben", sagt er und lächelt. Letztlich hätten sie aber doch ihren Frieden mit seinem Weg gefunden. "Ich war eben nie ein Bürotyp."

Eigentlich wollte er ja Schauspiel in Leipzig studieren, aber die Erfüllung dieses Wunsches hat er vorerst verschoben. In Dresden gibt es gerade genug andere Projekte. Seit langem engagiert er sich für die Grünen. Vor sechs Jahren begann er, Gitarre zu spielen.

Schon vor acht Jahren fasste er außerdem den Plan, die Dresdner mit gesunder arabischer Küche weg von Brot und Pommes zu bringen. Er selbst ist seit mehr als 30 Jahren Vegetarier und behauptet, seitdem fast nie mehr krank gewesen zu sein. Es ist ihm wichtig, zu betonen, dass seine Falafel und der Hummus nicht einfach nur satt machen. "Essen sollte ein Privileg sein und nicht nur eine Notwendigkeit." 

"Essen als Privileg": alles Bio, alles frisch, alles maximal regional.
"Essen als Privileg": alles Bio, alles frisch, alles maximal regional. © Sven Ellger

Obwohl er selbst Palästinenser ist, pflegt Ali Habiballah beste Kontakte zur jüdischen Chabad-Gemeinde in der Tiergartenstraße. Wenn er koscher kochen möchte, zum Beispiel für größere Gruppen in seinem Gesellschaftsraum auf der Alaunstraße, dann kommt zuvor der Rabbiner zu ihm, um das Licht und den Ofen anzuschalten. Welch wunderbare Symbolik für ein buntes Dresden.

Von seiner Kochkunst überzeugen können sich längst auch alle Dresdner, die zumindest ab und zu in Biomärkten oder bei Simmel am Albertplatz einkaufen. Unter seiner eigenen Marke "Zaituna" verkauft Ali hier Becher mit Falafel, Hummus und einer selbst kreierte Soße, die er nach der Heimatstadt seiner Oma benannt hat. Alles ist Bio, frisch und maximal regional. Darauf legt Ali großen Wert, denn er sieht sich auf Gesundheitsmission in Dresden. "Der Verkauf ist für mich nur das Ergebnis, nicht das Ziel."

Sein Unternehmen ist bislang eine reine One-Man-Show. Tagsüber liefert er aus, abends kocht er. Auch das Logo hat er selbst entworfen und kümmert sich um das Marketing. Potenzielle neue Kunden werden erst einmal angefüttert. Das wirkt.

Noch brodelt Alis großer Topf mit den Kichererbsen in einer Küche von kaum zehn Quadratmetern über dem Café 100, doch die Vergrößerung ist fest eingeplant. Vielleicht schon Ende des Jahres will er einen ersten Mitarbeiter einstellen und künftig auch Teigtaschen anbieten, sobald er den Ofen dafür hat.

Probieren braucht Ali sein Essen übrigens grundsätzlich nicht. Da verlässt er sich ausschließlich auf seine feine Nase, die er in seiner Anfangszeit in Dresden schon als Weinkenner bewiesen hat. Inzwischen rieche er auch, ob in seiner Kreation noch Salz fehlt. Den Geschmackstest überlässt er mit Vorliebe den Dresdnern.

Abonnieren Sie unseren kostenlosen Newsletter "Dresden kompakt" und erhalten Sie alle Nachrichten aus der Stadt jeden Abend direkt in Ihr Postfach.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Dresden