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Alkoholiker vergeht sich an Behinderter

Wegen schweren sexuellen Missbrauchs ist ein Zittauer zu Haft verurteilt worden – und zur Unterbringung in einer geschlossenen Anstalt.

Von Rolf Hill

Ein 56-jähriger Zittauer soll im Juli 2012 im Hof seines Hauses ein damals 13-jähriges, leicht geistig behindertes Mädchen bedrängt haben. Laut Anklage öffnete er ihren BH, küsste sie auf die Brust und drang mit dem Finger in sie ein. Dann sei es zum Geschlechtsverkehr gekommen, hieß es.

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Der schwer alkoholkranke Mann sagte jetzt vor dem Schöffengericht in Zittau, dass er unschuldig sei. Er könne sich an eine solche Tat nicht erinnern. Richter Folda als Vorsitzender des Schöffengerichts half dem Gedächtnis des Angeklagten nach, indem er ihm seine Aussagen bei der Polizei vorhielt. Stück für Stück räumte dieser dann ein paar Dinge ein. Dabei betonte er, dass er nicht gewusst habe, wie alt das Mädchen war. Er hätte sie auf 17 geschätzt.

Das war für die im Gericht Anwesenden schwer vorstellbar, als sie das völlig verschüchterte, fast kindlich aussehende 15-jährige Mädchen als Zeugin erlebten. Den Auftritt hätte ihr das Gericht gern erspart, aber ohne Geständnis musste sie aussagen. Wie der 56-Jährige, konnte oder wollte sie sich nicht erinnern. Sie habe Schmerzen gehabt und schreien wollen, gab sie allerdings an, aber es sei kein Laut über ihre Lippen gekommen. Schließlich vertraute sie sich ihrem Vormund, ihrer Oma, an.

Die beunruhigte Frau rief die Polizei. Nach der Befragung fuhren die Beamten mit dem Mädchen ins Krankenhaus, wo sie untersucht wurde. An ihrem Körper und ihrer Kleidung habe man DNA-Spuren des Angeklagten gefunden, allerdings kein Sperma, berichtete eine Polizistin. Verletzungen im Intimbereich gab es nicht.

Wenig aufschlussreich war die Aussage der Mutter, die selbst leicht geistig behindert ist. Sie wohnt in demselben Haus wie der Angeklagte. Zum Tatzeitpunkt war das Mädchen bei ihr zu Besuch. Sie hatte an jenem Abend an der Haustür auf ihre Tochter gewartet, die im Hof mit dem Angeklagten allein war und trotz mehrerer Aufforderungen nicht ins Haus kam. Aber nachgesehen hat die Mutter nicht.

Die Ursache der Verfehlungen des Angeklagten sah ein Sachverständiger im langjährigen Alkoholmissbrauch. Dieser konsumierte nach eigenen Angaben fünf Bier und eine Flasche Schnaps täglich. Die Folgen waren Gedächtnislücken, fortschreitende Leberzirrhose sowie körperlicher und geistiger Verfall. Infolge der Sucht ist er erwerbsunfähig und bezieht eine Rente. Er sehe bei weiterem Alkoholgenuss die wachsende Gefahr, dass sich eine solche Tat wiederholen könnte, sagte der Sachverständige. Der Patient habe schon mehrere Entwöhnungen und stationäre Therapien absolviert, die nie zum Erfolg führten. Deshalb empfehle er die Einweisung in eine geschlossene Anstalt.

Dazu habe er absolut keine Lust, entgegnete der Angeklagte. Er trinke jetzt nur noch wenige Flaschen Bier pro Woche. Er habe schon so viele Heime durchlaufen, nun sei Schluss. Lieber bringe er sich um.

Die Beweisaufnahme habe die Schuld des Angeklagten untermauert, stellte die Staatsanwältin fest. Dabei sei unerheblich, ob es zum Geschlechtsverkehr kam oder nicht. Er hätte erkennen müssen, dass die Geschädigte minderjährig und geistig behindert ist. Sie beantragte eine Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten sowie die Unterbringung in einer Erziehungsanstalt. Auch für die Verteidigerin galt der Straftatbestand des schweren sexuellen Missbrauchs als erfüllt. Allerdings ging sie von einem minderschweren Fall aus, da ihr Mandant nur eingeschränkt schuldfähig sei. Eine Gefahr der Wiederholung erkenne sie nicht, da er nicht einschlägig vorbestraft sei. Freiheitsstrafe ja, aber ausgesetzt zur Bewährung. Eine geschlossene Unterbringung lehnte sie ab.

Das Schöffengericht folgte am Ende der Staatsanwältin. Zwar ging es ebenfalls von einem minderschweren Fall aus, sah aber sowohl den sexuellen Missbrauch eines Kindes als auch den sexuellen Missbrauch einer Person mit eingeschränkter Widerstandsfähigkeit als bewiesen an. Es verurteilte den Angeklagten zu einer Freiheitsstrafe von eineinhalb Jahren und zur Unterbringung in einer geschlossenen Erziehungsanstalt.