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Erzieher in Dresdner Kita ausgetauscht

Mit dem Leitungswechsel begannen Probleme in einer Weißiger Kita. Am Ende half nur ein rigoroser Schritt, sagt der Arbeiter-Samariter-Bund als Träger.

Die kleine Kita Am Hutberg hat eine schwierige Zeit hinter sich.
Die kleine Kita Am Hutberg hat eine schwierige Zeit hinter sich. © René Meinig

Dresden. Es ist eine kleine Einrichtung im alten Dorfkern von Weißig, die Kita "Am Hutberg". Nur 45 Kinder werden hier betreut. Bis vor wenigen Monaten gab es ein enges Miteinander von Eltern, Erziehern und der Leiterin. Doch seitdem die Leiterin zum Jahresbeginn in den Ruhestand ging und eine neue kam, änderte sich vieles.

"Wir fühlten uns nicht mehr einbezogen, die neue Leiterin wollte auf Gespräche nicht eingehen", sagt eine Mutter. Die Eltern bemerkten eine neue Herangehensweise, wie mit ihren Kindern gearbeitet wurde, über die sie aber gern informiert worden wären. Das fand zunächst nicht statt. "Wir waren sehr glücklich mit der familiären Atmosphäre in der Kita. Doch die gab es plötzlich nicht mehr", sagt eine weitere Mutter. Namentlich will keiner der Eltern genannt werden. Alle haben Bedenken, ihren Betreuungsplatz am Wohnort zu verlieren. "Doch die Sache ist uns so wichtig, dass wir an die Öffentlichkeit gehen", sagt einer von ihnen.  

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Auch einige Mitarbeiter waren mit der neuen Situation unzufrieden und haben dies in Gesprächen den Eltern mitgeteilt. Am Ende gipfelte die angespannte Lage darin, dass der Träger der Kita, der Arbeiter-Samariter-Bund Dresden und Kamenz GmbH, drei der Stammerzieherinnen versetzt hat, eine hat gekündigt. Inzwischen haben auch mehrere Eltern den Wunsch geäußert, dass ihr Kind in eine andere Kita wechseln soll.

Es hat bereits mehrere Elternabende zur Situation in der Kita Am Hutberg gegeben. Doch auch die haben nicht zur Entspannung beigetragen, sagen sowohl der Träger als auch die Eltern.

Doch wie konnte es überhaupt so weit kommen? Sven Spreckelmeyer, der den Bereich Kindereinrichtungen beim ASB Dresden und Kamenz leitet, erklärt das mit dem Leitungswechsel. "Danach mussten wir in unserer Kindertagesstätte 'Am Hutberg' leider feststellen, dass unsere Mitarbeiterinnen im Verlauf der Jahre die nötige professionelle Distanz zu den Eltern verloren haben. Das führte dazu, dass die Grenzen zwischen Einrichtung und Familie zunehmend verschwammen und diese von den Eltern als Teil des familiären Umfelds wahrgenommen wurde", sagt Spreckelmeyer. Doch Familie sei Familie, aber eine Kita hätte andere Aufgaben. Diese solle keine Ersatzfamilie sein, sondern sich am sächsischen Bildungsplan orientieren. "Wir wollen das Konzept nicht sofort, sondern langfristig ändern. Das ist ein laufender Prozess", sagt der Bereichsleiter.

"Wir haben die familiäre Atmosphäre geliebt"

In Elternabenden zunächst mit den Elternsprechern und später mit allen Eltern habe man versucht, dies zu kommunizieren. "Die neue Leiterin hat darin auch eingeräumt, dass es Dinge gegeben hat, die nicht gut gelaufen sind", sagt Peter Großpietsch, der Geschäftsführer des ASB Dresden und Kamenz. Doch der Elternabend lief schlecht, am Ende wurde sogar gebrüllt, erinnert sich Großpietsch. "Wir sind nicht weitergekommen."

Dabei habe die neue Leiterin laut ASB versucht, zu einem professionellen Umgang zurückzufinden. Doch das habe sowohl bei den Eltern als auch bei den Mitarbeiterinnen zu massiven Widerständen geführt, die sich mit mehreren Aktionen konkret gegen die Einrichtungsleitung richteten und forderten, dass diese abgesetzt wird. "Trotz vielfältiger Gesprächsangebote, die wir als Träger an die Eltern richteten, war es uns leider nicht möglich zu einer Einigung zu kommen", sagt Großpietsch.

Deshalb hat sich der ASB Hilfe von externen Fachleute geholt, darunter vom Eigenbetrieb Kindertagesstätten, auch eine Supervision gab es. "Alle haben uns geraten, das Team aufzulösen. Das haben wir jetzt getan", sagt Großpietsch. Das wäre das erste Mal überhaupt in einer Kita gewesen, die vom ASB Dresden und Kamenz betrieben wird.

Man sei sich im Klaren darüber, dass damit den Kindern wichtige Bezugspersonen fehlen. Doch als Träger sei man sowohl Kindern und Eltern als auch den Mitarbeiterinnen sowie der Einrichtungsleitung verpflichtet. "Die Umsetzung des Stammteams innerhalb des Trägers war für uns der einzig gangbare Weg."

Spreckelmeyer hat inzwischen eine Mail  von der neuen Leiterin der Kita Am Hutberg erhalten, dass sie das Gefühl habe, dass der Neustart gelungen sei. Es müsse jetzt ein Schlussstrich gezogen werden, damit es vorangeht, sagt auch Großpietsch. 

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Bei den Eltern ist indes noch nicht alles wieder im Lot. "Wir haben hier im ländlichen Raum unsere familiäre Atmosphäre in der Kita geliebt. Das war es, was wir erhalten wollten", sagt eine Mutter. Doch ein weiterer Kampf sei sinnlos. Spuren hinterlässt die Auseinandersetzung dennoch. Fünf von sechs Elternräten wollen nach SZ-Informationen zurücktreten.

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