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„Alle etablierten Parteien sind unsere Gegner“

Trotz des Umfrage-Tiefs sieht der FDP-Landesvorsitzende und voraussichtliche Spitzenkandidat Holger Zastrow seine Partei für die Landtagswahl 2004 gut aufgestellt.

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Nach den 7,3 Prozent der Bundestagswahl geht es in den Umfragen für die Sachsen-FDP bergab. Aktuell steht sie bei zwei Prozent. Geht Ihnen langsam die Luft aus?

Ganz im Gegenteil. Wir liegen mit unserer Programmarbeit sehr gut in der Zeit. Und intern sind wir besser aufgestellt als jede andere Partei in Sachsen. Ich habe 1999 eine zerstrittene Partei im desolatesten Zustand übernommen. Das ist heute alles überwunden: Wir haben unsere Basisarbeit in den Griff bekommen, um nach außen hin überhaupt wieder interessant zu sein.

Wie erklären Sie sich also das Umfrage-Tief Ihrer Partei?

Ich weiß nicht, warum wir seit einem Jahr eine solche Berg- und Talfahrt durchmachen. Aber ich kümmere mich auch nicht um Umfragen: Wir stecken weder bei zwei Prozent den Kopf in den Sand, noch würden wir bei fünf Prozent jubeln. Für uns gibt es nur einen Maßstab: die 7,3 Prozent der vergangenen Bundestagswahl. Und ein entscheidender Meilenstein wird die Kommunalwahl im Juni sein, bei der wir die Zahl von 240 Mandatsträgern kräftig ausbauen wollen.

Wie wollen Sie sich innerhalb eines Jahres so weit etablieren, dass sie den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde schaffen?

Die FDP muss in den aktuellen Reformdebatten auf Bundesebene wieder mehr Gewicht bekommen. Obwohl viele Reformpunkte teilweise seit Jahrzehnten in den FDP-Programmen stehen, gelingt es uns nicht, unsere Positionen einzubringen. Die Landtagswahl gewinnt man aber nicht in Berlin, sondern in Sachsen. Wir werden daher im Landtagswahlkampf deutliche und typisch sächsische Akzente setzen – auch mit klaren Unterschieden zur Bundespartei. Unser Wahlprogramm wird ganz anders sein, als die Wähler es bisher gewohnt sind: Wir wollen eine freiheitliche Vision für Sachsen über einen Zeitraum von zehn Jahren vorlegen.

Was wollen Sie aber dem sächsischen Wähler anbieten, damit er die FDP wieder entdeckt?

Wir wollen klare Politik- und Politiker-Alternativen anbieten. Ich will die Wähler ansprechen, die so denken wie ich, die sich weder von der satten und selbstgerechten CDU noch von der müden Opposition vertreten fühlen. Die Politik in diesem Land hat nichts mehr mit dem Alltag zu tun. Die Sachsen brauchen keine mittelmäßigen Politiker, die sich im Landtag verstecken und gar nicht mehr wissen, was im Land vor sich geht.

Aber Sie wissen das?

Unsere Kandidaten werden eben keine hochbezahlten und abgehobenen Berufspolitiker sein, sondern Menschen, die voll im Leben stehen. Die FDP kann so völlig unabhängig von Interessengruppen und Seilschaften Politik machen. Wir müssen und werden auf nichts und niemanden Rücksicht nehmen. Alle etablierten Parteien sind unsere Gegner. Deshalb starten wir auch ohne Koalitionsaussage; das wäre derzeit ohnehin lächerlich. Unser oberstes Ziel ist es, in den Landtag zu kommen.

Was passiert, wenn Sie Ihre Messlatte, den Wiedereinzug in den Landtag, reißen?

Egal, wie es ausgeht: Nach der Wahl wird es einen Parteitag geben, der sich mit dem Wahlergebnis beschäftigt. Und natürlich verbinde ich das Abschneiden der Partei 2004 mit meiner eigenen Zukunft. Wenn der Wiedereinzug nicht klappt, werde ich nicht mehr Landesvorsitzender sein. Doch darüber zerbreche ich mir heute nicht den Kopf.

Das Gespräch führten Andreas Novak und Gunnar Saft