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Alle finden ihren Nestplatz

Eröffnung. Nach fast 27 Monaten Bauzeit war gestern für Kinder, Eltern und Erzieher eine große Premiere: Einzug ins neue Elsternest.

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Von Reinhard Kärbsch

Alwin war der Erste! Kurz nach 6 Uhr betritt der kleine Mann, etwas verschüchtert wohl durch das Blitzlicht, das Foyer der neuen Elstraer Kindertagesstätte Elsternest. Aber Mutti Grit und Opa Franz Simmang sind ja mit. Mutter und dreijähriger Sohn gehören immer zu den Frühesten. Frau Simmang muss anschließend bis nach Pirna zur Arbeit fahren. Ohne Sorge. „Alle werden hier gut versorgt“, weiß sie aus Erfahrung. Ihr Ehemann steht längst in Laußnitz bei einer Metallfirma an der Maschine. „Er holt gegen 15 Uhr die Kinder aus Hort und Kita ab“, erzählt sie. Alwin hat einen achtjährigen Bruder Carl.

Neugieriger Teenager

Den neuen Bau findet die junge Mutti „super“, obwohl sie ihn so genau noch gar nicht kennt. Am 2. Dezember zum Tag der offenen Tür „müssen wir hin“. Vielleicht hat Schwiegervater Franz, Bauamtsleiter der Stadt, schon einiges zu Hause vom neuen Kinderhaus erzählt. Er ist am frühen Morgen sozusagen als Bauherr unterwegs. „Das gehört sich einfach, die Kinder und Eltern zu begrüßen und zu gucken, ob alles klappt.“ Es klappt! Elke Pech hat Frühdienst bis 8 Uhr. Sie gegrüßt herzlich die drei Simmangs. Die gute Küchenfee Gudrun Hommel hat auch ihren Posten bezogen. Mit Frühstück beginnt der Tag! Der Enkel findet schnell mit Mutti sein Bild an der Garderobe. Auch Beatrice, die zweite des Tages, findet ihren Platz für Kleidung und Tasche. Beide gehen in den Raum der Gruppe vier. Hier treffen sich alle an diesem Morgen. Auf die „ganz vielen Freunde“, die Alwin so am Kindergarten schätzt, muss er noch ein bisschen warten.

Max ist schon fünf Jahre. Ihn bringt Mutti Roswitha. Die große Schwester Claudia, 16 Jahre, ist gleich mitgekommen. „Ich bin schon ein wenig neugierig“, sagt der Teenager. Und was gefällt dem Max am besten im Kindergarten? „Das Bad mit den Bällen!“

Indes wechselt Christine Preußler von einer gleichnamigen Kamenzer Firma zum letzten Mal Schilder. Wallburga geht einfach nicht, und die Krippenerzieherin Kathrin Bischeck bekommt selbstverständlich ihr h in den Vornamen. Inzwischen ist es 6.55 Uhr. Jetzt sind neun Kinder in der Obhut von Elke Pech. Jonas hat eine Autobahn mit dem Kumpel aufgebaut. Ein Fahrzeug saust wie verrückt durch die Kurven. Die beiden kreischen. Das zieht sofort alle an – und die erste große Spielrunde des Premierentages amüsiert sich köstlich. Nur Sarah ruft stolz aus der Couchecke: „Wir gehören nicht dazu. Wir sind schon Schulkinder.“ Sie und Freundin Lena, Erstklässler. 7.30 Uhr geht’s hoch zur Schule. Die anderen Erzieherinnen sind längst eingetroffen. Sie empfangen nun „ihre“ Kinder und Eltern herzlich an ihren Räumen. „An einem solchen Tag kann man doch nicht zu Hause bleiben“, sagt Wallburga Bergien, Erzieherin der Gruppe acht. Manche Mutti und mancher Vati rennt erst einmal in die verkehrte Richtung im langgestreckten Korridor. Aber das sind nur wenige Sekunden Verlust. Hektik kommt nie auf. Erst recht nicht bei Mutti Haase, Psychotherapeutin. Erst wird Elias, 17 Monate, an Kathrin Bischeck übergeben, dann Jakob, der Dreijährige, ein paar Meter weiter. Anschließend fährt sie nach Hoyerswerda in die Praxis.

Neue Eroberung beginnt

Perfekt funktioniert auch alles bei den Schusters aus Kindisch. Aushilfsopa Günter, 73, ist heute dabei. „Ich muss ja einspringen für die Urenkel Max und Paul. Die Enkelkinder arbeiten in Schichten bei Linde und Wiemann und in Hoyerswerda“, erklärt er. Jetzt schaut er zu, wie Vati Dirk den Max für die Krippe umzieht. Der siebenjährige Paul sitzt schon in der Schule. Gegen 8 Uhr ist die Kita schon gut gefüllt. Das Frühstücken ist fast Geschichte. „Bis 9 Uhr kommen die Kinder“, erklärt Erzieherin Kersten Reißig. „Es ist meine sechste Einrichtung, und sie ist ein Traum.“ Aber es komme nicht so sehr auf das Materielle an, sondern was die Erzieher daraus machen. „Ab heute beginnt durch alle eine neue Eroberung.“