SZ +
Merken

Alle Frauen heißen bei ihm Gretel

Taubenheim. Claus Bethig ist schon seit reichlich 14 Jahren die „Getränke-Feuerwehr“ im Oberland.

Teilen
Folgen

Von Carmen Schumann

„Nee, ein Fitness-Studio brauche ich nicht, meine Arbeit ist Fitness-Training genug“, schmunzelt Claus Bethig. Mit seinem Getränke-Transporter beliefert er Kunden im Oberland, aber auch in Bautzen, mit erfrischendem Nass. Und das direkt bis vor die Wohnungstür – selbst wenn diese im sechsten Stock liegt. „Außer halben Flaschen kann man bei mir jede gewünschte Menge haben“, sagt der Lockenkopf. Wie viel Tonnen er dabei bewegt, hat er noch nicht ausgerechnet; er weiß nur, dass er in der Woche 450 bis 550 Kisten umschlägt. An jedem Wochentag bedient er ein bestimmtes Revier. Allein in Wilthen ist er an drei Tagen in der Woche unterwegs. Seit acht Jahren hilft ihm bei der Bewältigung seiner Touren ein Mitarbeiter.

Erstaunlicherweise bedeutet das gegenwärtige schöne Wetter jedoch nicht, dass der Getränkehändler jetzt Hochkonjunktur hätte. Das lässt sich leicht erklären: „Wenn es schön ist, sitzen die Leute in ihren Gärten und besorgen sich ihre Getränke dort meist selbst.“

Claus Bethig möchte seine jetzige Arbeit, die er nun schon seit vierzehneinhalb Jahren ausübt, nicht missen. „Ich brauche den Kontakt zu den Leuten, einen kleinen Schwatz“, sagt er. Bei ihm läuft alles mit einem Schuss Humor, immer hat er einen flotten Spruch auf den Lippen. „Die Frauen heißen bei mir alle Gretel“, verkündet er.

Wenn von den Kunden nicht anders verlangt, bringt Claus Bethig hauptsächlich die Produkte einheimischer Getränkehersteller unter die Leute. „Das ist schon eine Frage des Prinzips“, unterstreicht er. Die Limonaden kommen aus Oppach, Biere von Landskron, Radeberger, Freiberger und Wernesgrüner. Bei Claus Bethig kommt am liebsten das einfache Landskron-Hell ins Glas, beziehungsweise Cola-Mix aus Oppach, wenn er unterwegs ist. Übrigens weiß er aus Erfahrung, dass gerade bei Säften große Flaschen unbeliebt sind, die 0,7 Liter-Abpackungen gehen am besten.

Claus Bethig ist jetzt 54 Jahre alt. Der Taubenheimer kann auf vier erlernte Berufe verweisen: Er war Maurer, Parkettleger, Verzinker und zuletzt Gastwirt. „Als Chef der Sportlergaststätte in meinem Heimatort hatte ich immer ein volles Haus“, blickt er zurück. Doch zuletzt habe ihm die Arbeit keinen Spaß mehr gemacht.

Der Getränkehändler bringt, wenn es sein muss, auch Biertischgarnituren mit und leiht Gläser aus. Die Werbegeschenke, die er von den Lieferfirmen bekommt, verteilt er an seine Kunden. Besonders beliebt sind die Biertrucks, die Claus Bethig auch selbst sammelt. Rund 1 000 Stück hat er inzwischen zusammengetragen. „Nun ist aber bald mal Schluss, denn ich habe leider keinen Platz mehr“, seufzt er.