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Alle freilaufenden Katzen kastrieren?

Langsam streckt sich die schwarze Katze und fährt auf den Fliesen ihre Krallen aus. Viel Platz hat sie dafür nicht: Denn ringsum stehen auf 15Quadratmetern eine ganze Reihe Katzenkörbe und Klettertürme, dazwischen halb volle Futterschalen.

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Von Christoph Scharfund Sebastian Martin

Langsam streckt sich die schwarze Katze und fährt auf den Fliesen ihre Krallen aus. Viel Platz hat sie dafür nicht: Denn ringsum stehen auf 15Quadratmetern eine ganze Reihe Katzenkörbe und Klettertürme, dazwischen halb volle Futterschalen. In den Körben räkeln sich gleich mehrere Katzen, um sich zu wärmen. Eine große graue schaut gelangweilt zur Tür. „In jedem Katzenzimmer wohnen 10 bis 15Tiere“, sagt Uwe Bär. Sechs gleiche Räume jeweils mit eigenem Auslauf gehören zum Reich des Tierheimleiters im Bautzener Ortsteil Bloaschütz. Dazu kommt noch das Freigehege, in dem die Tiere landen, die den Umgang mit Menschen nicht gewohnt sind.

Von den scheuen Tieren werden es jeden Tag mehr: Im vergangenen Jahr wurden in Bloaschütz rund 300 Katzen abgegeben – weit mehr als in Radeberg. Dort hat der Stadtrat jetzt beschlossen, dass freilaufende Katzen gekennzeichnet und kastriert werden müssen (SZ berichtete). Eine für die neuen Bundesländer bislang einmalige Regelung, die auch bei Bischofswerdas Tierschützern begeistert aufgenommen wird. „Die Kastration für Freigänger ist notwendig, um die Vermehrung einzudämmen“, sagt Elvira Langnickel vom hiesigen Tierschutzverein. Denn die ist bei Katzen enorm. Bis zu dreimal im Jahr können Samtpfoten Nachwuchs bekommen. Im Schnitt sind das sechs bis acht Tiere, wobei aber nur drei überleben. Da diese aber nach neun Monaten bereits selbst geschlechtsreif sind, können aus einem Paar innerhalb von zehn Jahren theoretisch 80 Millionen Katzen hervorgehen, sagt Elvira Langnickel aus Bischofswerda. Das sei viel zu viel.

Überfüllte Tierheime

Auch Uwe Bär vom Tierheim in Bloaschütz spricht sich für eine Kastrationspflicht streunender Katzen aus: „Toll wäre es, wenn man diese Regelung flächendeckend in Sachsen einführen könnte“, sagt er. Denn der Großteil der im Tierheim abgegebenen Katzen sind Fundtiere – Katzen, die jemand im Freien aufgesammelt hat. „Wenn sich nicht bald etwas tut, werden die Tierheime von der Menge überrannt“, sagt Uwe Bär. Aber das würden die Einrichtungen nicht überstehen, denn Geld und Personal seien jetzt schon chronisch knapp.

Über fehlende finanzielle Mittel klagen auch die Tierschützer aus Bischofswerda. Da es in der Stadt kein Tierheim gibt, nehmen viele Vereinsmitglieder streunende Katzen bei sich zu Hause auf. Allein bei Elvira Langnickel leben fünf fremde Katzen, die allesamt versorgt werden müssen – angefangen vom Futter bis hin zur Floh- und Wurmbehandlung. Aber die aufgenommenen Katzen sind nicht einmal das größte Problem. Mehr Sorgen bereiten den Tierschützern die Katzen, die an den 18 Futterstellen in Bischofswerda und Umgebung ernährt und behandelt werden. Allerdings wird die Finanzierung zunehmend schwieriger. „Seit Jahren fordern wir deshalb eine Kastrationspflicht, auch wenn diese schwer zu kontrollieren wäre“, sagt Elvira Langnickel.

Auf Anfrage der SZ geben die Verwaltungen im Landkreis Bautzen allerdings zurückhaltende Antworten. In Bischofswerda habe man über das Problem bisher nur intern gesprochen, heißt es aus dem Rathaus. Aber noch könne man nicht konkretes sagen, ob man dem Radeberger Beispiel folgt. In den Dörfern, wo die freilaufenden Katzen überhand nehmen sollen, spielt das Problem dagegen keine oder nur in Einzelfällen eine Rolle. Zumindest sagen dies die Gemeindemitarbeiter aus Neukirch, Schirgiswalde-Kirschau oder Göda.

Rechtswidrige Satzung?

Der Königswarthaer Bürgermeister Georg Paschke (CDU) will dagegen nicht ausschließen, eine Kastrationspflicht zu prüfen. So gäbe es im Neubaugebiet Bürger, die Katzen aussetzen, die dann von anderen im Wald gefüttert werden und sich dort weiter vermehren. „Zuerst müssen wir aber abwarten, ob das rechtlich tragfähig ist.“ Denn nach dem Beschluss von Radeberg hatte es Kritik gegeben, ob die Satzung überhaupt rechtlich zulässig ist.

Auch die Stadt Bautzen hält die Radeberger Regelung für rechtswidrig. Tierschutzrechtliche Aspekte würden nicht im Aufgabenbereich der Gemeinden liegen, sagt Matthias Almert vom Ordnungsamt. Der Landkreis will die Radeberger Satzung prüfen, sobald sie ihm vorliegt. Das Veterinäramt des Landkreises hatte die Pläne jedenfalls begrüßt – im Interesse der Tierschützer.Auf ein Wort