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Alle für einen

Sie sind die Stadtwache zu Hayn und gehören zu den Freischützen. In Kostümen der Musketiere können sie mehr als Posieren.

Von Kathrin Krüger-Mlaouhia

Es war zur Landesgartenschau 2002, als Michael Preußner und seine Mannen von der Freischützengesellschaft siegreich Schwedenangriffe abwehrten. „Dieses Spektakel für die Besucher ist uns allen nachhaltig in Erinnerung geblieben“, sagt der Großenhainer. Für die Nachstellung der Schwedenkriege bestellten sie sich Kostüme und durften sich bewaffnen – die Geburtsstunde der Stadtwache hatte geschlagen.

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Nun ist nicht mehr so viel Geld für Schwedenbelagerungen da. Doch die tapferen Stadtverteidiger wollen weiterhin dem historisch getreuen Bild der Schützengesellschaften des 16. und 17. Jahrhunderts Rechnung tragen. Zehn Vereinsmitglieder und einige Auswärtige pflegen ihre Ausrüstung und lassen sich gelegentlich in der Öffentlichkeit sehen: so zum Beispiel zu den Großenhainer Einkaufsnächten. „Wir machen das unentgeltlich, aber wir sind auch nicht böse, wenn man uns bezahlt“, meint Michael Preußner hintersinnig.

So will die Stadtwache zu Hayn am 1. Juni zum Tag der Parks und Gärten im Zabeltitzer Barockpark flanieren. „Wir sind mal dort, wollen uns ins Gespräch bringen“, so die Schützenbrüder. Klappern gehört auch für Musketiere zum Handwerk.

Das Musketenschießen üben

Doch sie haben ihre Waffen nicht zum Spielen. Am 3. Oktober vorigen Jahres im Landtag waren sie auch zu hören: Zehn Musketen donnerten bei Exerziervorführungen los. So was muss natürlich geübt werden. „Wir haben richtiges Training für unsere Luntenschlossmusketen“, so Preußner. Diese Waffen aus dem 30-jährigen Krieg kann man nur mit Pulver und Blei bestücken. Das will geübt sein. Dies gilt auch für den Umgang mit den Blankwaffen – den Degen. Um mehr über die historischen Waffen zu lernen, gibt es gelegentlich den „Stammtisch Stadtwache“.

Lagerleben und Exerzieren, das können Besucher vom 16. bis 18. Mai in einem nachgebauten Feldlager beim Tag der offenen Tür auf dem Gelände der Freischützengesellschaft beobachten. In der Villastraße wollen die Stadtwachen wieder mit ihren Musketen schießen und ihre Ausstattung erklären: zum Beispiel, was ihnen so am Gürtel baumelt.

„Wir können auch erzählen, dass unser Hobby nicht billig ist“, sagt Michael Preußner. Das Pulver für die Waffen ist teuer und genehmigungspflichtig. Auch das öffentliche Tragen von Bewaffnung muss immer wieder genehmigt werden. Das steht der Stadtwache auch beim Tag der Sachsen bevor. Natürlich werden die Kostümierten den großen Festumzug bereichern. Sie wollen auch beim historischen Feldlager der Husaren und anderer Traditionsvereine auf der Festwiese mitmachen. „Dazu haben wir auch Chemnitzer Freunde vom Wasserschloss Klaffenbach eingeladen“, sagt Michael Preußner. „Wir wollen dazu beitragen, unsere Stadt wie vor Jahrhunderten in der Öffentlichkeit zu repräsentieren“, begründen die Musketiere ihren freiwilligen Einsatz. Um möglichst authentisch zu sein, werden Kleidung, Ausrüstung und das Training gern perfektioniert. Wer Lust auf diese Art Hobby hat und sich gern in die Zeit vor 400 Jahren zurückversetzt, ist bei der Stadtwache zu Hayn willkommen.