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„Alle Genossenschaftsbäuerinnen sind freigestellt“

Am 8. März 1989 ist die Welt in Krögis noch in Ordnung. Es wird Frauentag gefeiert.

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Ein Präsent und Blumen findet sich für jede der Frauen auf den Tischen im Saal. Ein Lichtbildervortrag zu einer Fahrt mit der Weißen Flotte zum Prebischtor wird gezeigt, und der Textilkonsum in Krögis hat extra bis 14 Uhr geöffnet. So schildert das Brigadebuch der Abteilung Buchhaltung in der LPG (P) „Saatbau“ Krögis die Frauentagsfeierlichkeiten 1989. „Alle Genossenschaftsbäuerinnen sind an diesem Tag von der Arbeit freigestellt.“ Nur acht Monate später fällt der Eiserne Vorhang. Für den Arbeiter- und Bauernstaat auf deutschem Boden brechen die letzten Monate an.

Das Brigadebuch der LPG-Buchhalter aus Krögis – heute Gemeinde Käbschütztal – beleuchtet acht Jahre DDR. Das Protokoll vom 13. April 1981 hält fest, dass als erste gemeinsame kulturelle Veranstaltung eine Radpartie mit Kegelabend geplant ist. Zwei Kolleginnen allerdings erklären, kein Rad zu besitzen. „Jedoch Christa will sich bemühen, ihnen ein betriebssicheres Rad zur Verfügung zu stellen. Düstere Mienen werden sichtlich heller“, heißt es weiter.

Die Seiten der beiden Brigadebücher füllt ein Mix aus Freizeiterlebnissen und Ausschnitten des Arbeitsalltages. Vom Unkrautjäten eines Rübenschlages zwischen Wendischbora und Ilkendorf ist ebenso zu lesen wie vom Kosmetikvortrag im DFD-Beratungszentrum. „Jedenfalls sah Karin vorteilhaft verändert aus“, wird über eine Kollegin berichtet, die als Model herhalten muss. Die Brigadebücher enden im Juni 1989 mit dem Bericht über eine Bulgarienreise. Die nächste Reise der Genossenschaftsbäuerinnen führte vermutlich eher nach Westen, als nach Osten.

LPG (P) Saatgut Krögis, Buchhaltung