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Alle Sirenen müssen umgerüstet werden

Ein Netz von Sirenen soll in Zukunft die Bevölkerung vor Katastrophen warnen. Der Landkreis ist dafür noch nicht gerüstet.

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Von Jörg Bohnefeld

Jeden ersten Mittwoch im Monat um 15 Uhr heulen die Sirenen. Per Funk werden die 93 Sirenen des Landkreises von der zentralen Leitstelle zwölf Sekunden lang getestet. Nach dem Willen des sächsischen Innenministers soll die Bevölkerung in Zukunft mit einem flächendeckenden Sirenensystem und einheitlichen Signalen vor Katastrophen gewarnt werden.

„Aber dafür ist der Landkreis noch nicht gerüstet“, sagt Frank Oßwald, Leiter des Amtes für Brand- und Katastrophenschutz im Landratsamt. Nicht alle Bewohner des Landkreises könnten derzeit über Sirenen erreicht werden, so Oßwald. Radebeul und Weinböhla haben nur eine, Coswig keine einzige Sirene. Andere Kommunen wie Meißen, Nossen und Lommatzsch verfügen über funktionierende Anlagen. Grund dafür ist, dass es Kommunen Anfang der neunziger Jahre überlassen wurde, ob sie ihre Sirenen von einem privaten Unternehmen übernehmen und in Betrieb lassen wollten oder nicht. Die Firma Höhrmann hatte nach der Wende die Anlagen von der Treuhand erworben. Kommunen, die sich für den Erhalt der Sirenen entschieden haben, müssen diese einmal im Jahr warten lassen. Rund 2 000 Euro gibt zum Beispiel Nossen nach Auskunft der stellvertretenden Hauptamtsleiterin Christine Hellwig für seine acht Sirenen aus.

Neue Sirenen für Coswig und Radebeul?

In Coswig seien die Sirenen nicht zuletzt aus Kostengründen abmotiert worden, sagt Olaf Lier, Leiter des Ordnungsamtes. „Außerdem alarmieren wir die Feuerwehr über Pieper“, so Lier. Eine Warnung durch Sirenen hält er in Coswig für nicht sinnvoll. „Das ist nur für Gebiete interessant, in denen plötzliche Überflutung droht“, sagt Lier. Elbe und Lockwitz würden aber so langsam steigen, dass es genügend Möglichkeiten gebe, die Bürger auf anderem Wege zu warnen. Sollte es jedoch auf Landkreisebene Beschlüsse geben, ein einheitliches Sirenenwarnsystem aufzubauen, werde sich Coswig nicht ausschließen, so Lier.

Wie Radebeul, müssten dann in Coswig neue Anlagen installiert werden. Und das ist teuer. Amtschef Oßwald nennt ein Beispiel aus Grimma, wo fünf Sirenen und die zusätzliche Technik rund 100 000 Euro gekostet hätten. Auch andere Kommunen müssten noch prüfen, ob die derzeitige Anzahl an Sirenen genüge, um alle Bürger zu warnen.

Aber nicht nur die fehlenden Sirenen sind ein Problem. Auch die existierenden Anlagen sind nicht auf dem neuesten Stand. „Um den Erlass für Signale des Freistaates umzusetzen, müssen alle Sirenen umgerüstet werden“, sagt Oßwald. 880 Euro pro Sirene würde die Umrüstung laut Katastrophenschutzamt kosten. Dazu müssten noch 15 000 Euro in die Leitstelle investiert werden, um sie an die neue Technik anzugleichen. „Wo das Geld dafür herkommen soll, wissen wir nicht“, so Oßwald. Wahrscheinlich werden erst einmal die Kommunen zur Kasse gebeten. „Hoffentlich müssen wir das nicht bezahlen“, sagt Meißens Finanzbürgermeister Hartmut Gruner. Notfalls werde man aber das Geld einplanen. Meißen verfüge über ein flächendeckendes Sirenennetz, so Roland Dittmann vom Ordnungsamt. Zur Flut wurden die Sirenen aber nicht eingesetzt. „Die Leute hätten nichts damit anfangen können“, sagt Dittmann. Er begrüßt die einheitlichen Sirenensignale. Aber die Bevölkerung müsse über ihre Bedeutung aufgeklärt werden, sagt Dittmann.

Am 27. August wollen sich die Kommunen mit dem Landkreis zu dem Thema beraten.