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Alle technischen Unterlagen seit 1872 aufbewahrt

Niederau. Bereits in vierter Generation führt der Niederauer Turmuhrenbauer Klaus Ferner die Tradition seiner Firma weiter. Besonderes Augenmerk legt er bei seiner Arbeit auf den Erhalt historischer Uhren oder Glocken.

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Von Claudia Göring

Niederau. Bereits in vierter Generation führt der Niederauer Turmuhrenbauer Klaus Ferner die Tradition seiner Firma weiter.

Besonderes Augenmerk legt er bei seiner Arbeit auf den Erhalt historischer Uhren oder Glocken. „Wenn eine Uhr aus meiner Firma zur Restaurierung gebracht wird, kann ich rekonstruieren, wie die Uhr im Original aussah“, sagt er. In seinem Betrieb seien immer alle technischen Unterlagen aufbewahrt worden. Wenn eine Turmuhr aus einer anderen Firma stammt, so habe Ferner ein umfangreiches Archiv, in dem er nachschauen kann. „Es ist nicht immer möglich, eine Uhr nach dem Original wieder herzustellen. Zum Beispiel kann ich in Archiven nachlesen, dass bei Schuluhren um 1890 in der Regel römische Zahlen auf dem Ziffernblatt verwendet wurden. Da ist zwar nicht sicher, dass das wirklich so war, aber die Wahrscheinlichkeit ist groß“ erklärt Ferner. Grundsätzlich versuche er aber, den noch vorhanden Bestand zu erhalten: „Die Teile, die neu eingebaut werden, müssen sich in das Alte einfügen.“

Eine Besonderheit seiner Arbeit sind Glockenspiele mit Glocken aus Meißner Porzellan. Etwa 80 Prozent der Glockenspiele, die es überhaupt gibt, stammen aus seiner Werkstatt.

Sie erfordern besonders viel handwerkliches Können in technischer und musikalischer Hinsicht. „Es gibt fünf verschiedene Glockengrößen, die in der Meissner Porzellanmanufaktur hergestellt werden.“ Die könne er dann über zwei Oktaven chromatisch stimmen. Sind die einzelnen Glocken gestimmt, so müssen sie auch noch untereinander harmonieren. So entstand zum Beispiel 1997 in Zusammenarbeit mit Professor Günter Schwarze von der Hochschule für Musik in Dresden ein Konzertglockenspiel mit 24 Glocken. Es erklang unter anderem in der Frauenkirche Meißen und der Dreikönigskirche Dresden.

Wichtig bei der Arbeit an den Glocken seien vor allem die Erfahrung und das technische Konzept. Sie würden wesentlich zur Harmonie und der Ausstrahlung des Meißner Glockenspiels beitragen.

Die nächste große Arbeit wird für Ferner die Restaurierung des Glockenspiels der Meißner Frauenkirche sein. „Es sind die ältesten sich noch im Original befindlichen Glocken aus Meißner Porzellan“, sagt er. Sicher werde er einige Glocken erneuern müssen, doch werden die Eigenschaften der historischen Glocken erhalten bleiben. Im Frühjahr 2004 soll das Glockenspiel dann erstmals wieder erklingen.

Klaus Ferner übernahm den Betrieb 1974 von Erich Fiedler, der ihn seit 1928 geführt hatte. Die ersten Jahre arbeitete er mit zwei bis drei Mitarbeitern, heute hat er acht Fachkräfte an seiner Seite.