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Alle zahlen für Öko drauf

Die nächste Erhöhung des Strompreises steht schon fest. Jetzt entwickeln Lieferanten und Kunden Sparmodelle.

Von Wulf Stibenz

Der Strompreis steigt. Das Bare in der Familien-Haushaltskasse wird weniger. Die gefühlt eben erst hochgeschraubte Ökostrom-Umlage soll 2014 statt 5,28 Cent dann 6,24 Cent pro Kilowattstunde betragen. Geringfügig kann das noch durch die geringeren Netzentgelte gemildert werden – aber nicht bedeutsam. Es lässt sich also ausrechnen, was das Kunden kostet. Laut Hartmut Barth, Leiter der Technischen Dienste bei den Stadtwerken Niesky, liegt der Durchschnittsverbrauch der Haushaltskunden mit drei bis vier Personen bei gut 3 000 Kilowattstunden im Jahr. Die Öko-Anpassung für Windräder, Solarkraft oder Biomasse klingt ja nicht gewaltig. Aber bei den absoluten Zahlen wird das Problem deutlich: Zahlen da Nieskyer zurzeit 158,40 Euro für die alternative Energieerzeugung, sind es künftig 187,20 Euro im Jahr, knapp 30 Euro mehr. Einkassieren werden den Mehrbetrag wie alle Stromanbieter auch die Stadtwerke Niesky – ohne, dass davon auch nur ein Cent bei der Firma bleibt.

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Die Stadtwerke haben von der Ökoförderpolitik nichts. Denn der entscheidende Wort-Teil ist „Politik“. Unternehmen wie die Stadtwerke können nur durch Sonderangebote, Service und viel Aufklärungsarbeit den Groll der Kunden beschwichtigen. „Wir haben mit der Preisanpassung zum Januar 2013 die angebotenen Tarife transparent gestaltet und Kunden umfassend informiert“, erklärt Hartmut Barth.

Mit zwei Strategien versuchen Energieunternehmen nun, ihren Kunden etwas Gutes zu tun. Einmal sind das verbrauchsabhängige Sondertarife. Wer also weniger Strom verbraucht, kann einen speziellen Tarif nutzen, der sparen hilft. Aber das hat Folgen. Denn Barth bestätigt auf SZ-Anfrage: „Ein sinkender Stromverbrauch hat einen Einfluss auf die langfristigen Planungen des Stromnetzes.“ Deshalb kaufen die Stadtwerke mittels Prognosen entsprechende Strommengen zu guten Konditionen ein – aber jede Ungenauigkeit oder unvorhergesehene Wende kostet die Stadtwerke Geld. Und liegen die Stadtwerke unter den Prognosen, kaufen also zu wenig Strom günstig ein, müssen sie den teuren Nachkauf aus eigener Tasche zahlen. Kaufen sie zuviel Strom ein – der nicht abgenommen wird – geht das Geschäft ebenfalls nicht gut für sie aus. Der Kunde ist da auf einer sichereren Seite, auch wenn die Stadtwerke, wie alle Stromanbieter, die EEG-Umlage weiterreichen.

Sobald Mehrkosten auflaufen, gibt es Gegenstrategien. Verbraucherzentralen, Internetanbieter und sogar Stromlieferanten bieten Kunden Checks an, wer, wo, wie wie viel Strom und Geld sparen kann. Ein Beispiel aus Olbersdorf: „Als wir in unser Haus 2008 eingezogen sind, haben wir 16 Cent pro Kilowattstunde bezahlt, jetzt liegen wir bei über 21 Cent“, berichtet Papa Ralf Schulz. Deshalb wird gespart. Die komplette vierköpfige Familie im Eigenheim verbraucht nur 2 000 Kilowattstunden im Jahr. Nach der Flut 2010, als ihr Wohnhaus überschwemmt worden ist, haben sie Glühbirnen durch LED-Lampen ersetzt. Und: „Wir haben keine Stromfresser wie zum Beispiel eine Kühltruhe“, erklärt Schulz. Ab diesem Punkt aber hat das Sparen seine Grenzen. Viel mehr geht nicht.

Aber es gibt noch eine weitere Methode, die Mehrkosten zu dämpfen. Das Zauberwort heißt Preisbindung. Hartmut Barth von den Stadtwerken Niesky weiß nämlich: „Tendenziell steigt zwar auch in unserem Versorgungsgebiet die Anzahl der Kunden, die sich mit Preisvergleichen befassen – aber vor allem steigt der Anteil der Kunden, die sich für einen unserer Sondertarife mit einer längerfristigen sowie stabilen Preisbindung entscheiden.“

Mit Blick auf das nächste Jahr und die nächste EEG-Umlageerhöhung sind die Möglichkeiten der Kunden beim Stromsparen oder Tarifwechseln ausgereizt. Auch die Lieferanten von Energie können bestimmte Grenzen nicht unterschreiten – wie die Pleiten großer Energiefirmen gezeigt haben. Da ist es gut, dass bei allem Ärger über die so rasant gestiegenen Energiekosten nun ein Ende der Fahnenstange in Sicht scheint. „Nach den derzeitigen Aussagen der Politik ist ein Ende der uneingeschränkten Förderpolitik als Beitrag zur Energiewende abzusehen“, so Barth. Denn sowohl bei der Versorgungsstabilität, als auch bei der Energieerzeugung und Sicherheit sind Einsparungen ab einem gewissen Punkt nicht mehr möglich. Zwar sind Nieskys Stadtwerkekollegen im Süden des Kreises nicht ganz so optimistisch: „Bei anderen Umlagen wissen wir noch nicht, ob sie steigen oder sinken werden“, sagt Bernd Pietschmann von den Zittauer Stadtwerken. Aber alle anderen Umlagen stünden zumindest nicht in einer Größenordnung zur Ökostrom-Umlage. (mit SZ/jl)