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Allein unter Männern

In einigen Stadt- und Gemeinderäten wird nur eine Frau sitzen. Mancherorts ist das dennoch ein Fortschritt.

Von Johannes Pöhlandt und Elke Görlitz

Wahlgewinner gibt es in diesen Tagen viele. Elke Schrell ist nur eine von hunderten Mittelsachsen, die durch neu in die Stadt- oder Gemeinderäte ihrer Kommune einziehen. Und doch ist die 51-Jährige aus Marbach in der Gemeinde Striegistal eine Exotin. Denn sie wird als einzige Frau im Gemeinderat sitzen. Neben ihr: 17 Männer.

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Dass das so ist, findet Elke Schrell „erschreckend“. Andererseits kann sie jede Frau verstehen, die das Abenteuer Kommunalpolitik in ihrer Freizeit nicht auf sich nehmen will. „Neben dem Beruf ist es schwer, gerade mit schulpflichtigen Kindern“, sagt Schrell, die für den Allgemeinen und Freien Wählerverein Striegistal im Rat sitzen wird. Sie selbst habe die stressigste Zeit hinter sich: Ihre beiden Söhne seien mit 24 und 17 Jahren inzwischen weitgehend selbstständig. Die Vorsitzende des Marbacher Vereins für Heimatgeschichte hofft, dass sich künftig mehr Väter aktiv in die Kindererziehung einbringen – und so Mütter vielleicht die Zeit finden, sich in der Politik zu engagieren.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Ein Blick auf die Zusammensetzung der neuen Stadt- und Gemeinderäte im Kreis zeigt: Frauen, die in Mittelsachsen mit 50,6 Prozent der Bevölkerung gegenüber den Männern in der Mehrzahl sind, spielen in der Lokalpolitik kaum eine Rolle.

Frauen fehlen in großen Fraktionen

Oft fehlt selbst großen Fraktionen die feminine Note. So stellt die CDU in Flöha elf Stadträte – alle sind Männer. Die einzige Frau auf der Liste der Christdemokraten scheiterte klar. Auch die CDU-Fraktion in Lunzenau besteht bei acht Mandaten nur aus Männern. Genauso sieht es in Hartha aus. Hier hatten sich nur sieben Kandidaten für die Christdemokraten gefunden – alle Männer. Alle sieben haben es auch in den Stadtrat geschafft.

Der Befund ist bemerkenswert, da Vorbilder durchaus vorhanden sind: Mit Veronika Bellmann (CDU) und Simone Raatz (SPD) vertreten zwei Frauen die Region im Bundestag. Dort liegt die Frauenquote bei 36,5 Prozent.

Immerhin bringen es die Frauen im Stadtrat Hartha auf eine Quote von 16,6 Prozent. Dafür sorgen Mandy Schützel, Renate Schröder und Regina Roßbach, die für die Freien Wähler zusammen mit vier Männern ein Mandat errungen haben. Zumindest in dieser Fraktion herrscht beinahe ein Gleichgewicht der Geschlechter.

Im Striegistaler Gemeinderat sind es hingegen nur 5,6 Prozent. Elke Schrell ist nicht die einzige Kommunalpolitikerin im Kreis, die sich künftig allein unter Männern behaupten muss. Dieselbe Herausforderung steht Ulrike Deger (CDU) in Reinsberg, Ute Rehnert (Die Linke) in Halsbrücke und Katrin Weigold (Freie Wähler) in Mulda bevor. Im Halsbrücker Rat fehlten Frauen bisher sogar komplett.

Dieselbe Situation gab es bis zur Wahl in Brand-Erbisdorf. Doch dort haben die Wähler nun für eine regelrechte Revolution gesorgt: Fünf Frauen ziehen in den Rat ein. Zwei davon haben als Kandidatinnen auf der Liste „Bürgerinnen für Brand-Erbisdorf“ ausdrücklich ihre Weiblichkeit in die Waagschale geworfen. Bianca Beyer und Heidemarie Glöckner wollen sich vor allem um Bildungsfragen kümmern. „Frauen denken viel sozialer als Männer“, sagt die 64-jährige Glöckner. Laut der 32-jährigen Bianca Beyer fällt es Frauen naturgemäß einfacher, die Interessen von Familien im Blick zu behalten.

Die Striegistalerin Elke Schrell will sich nicht unterkriegen lassen. Den Umgang mit Männern sei sie gewohnt, sagt sie. „Ich arbeite als Konstrukteurin im Maschinenbau.“ (FP/DA)