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Alles auf Anfang beim „Goldenen Engel“

Die Stadt Bischofswerda sucht Vorschläge für eine Nutzung des Areals. Sie hofft auf Sachverstand von außen.

© Steffen Unger

Von Ingolf Reinsch

Bischofswerda. Für das „Quartier Goldener Engel“ – gemeint ist nicht nur das seit Jahren geschlossene Hotel am Markt, sondern auch benachbarte Gebäude, darunter der „Bischofssitz“ – will die Stadtverwaltung eine „Machbarkeitsstudie“ erstellen lassen. Per Ausschreibung sucht sie ein Fachbüro. Die Bewerbungsfrist endet am 15. November. Nach Erteilung des Zuschlages haben die Fachleute vier Monate Zeit, Vorschläge für die Nutzung des Quartiers zu unterbreiten.

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Wie aus den Ausschreibungsunterlagen weiter hervorgeht, erwartet die Stadt vom Auftragnehmer, „dass neu zu etablierende Gebäudenutzungen für das innerhalb des Fördergebietes gelegene Quartier „Goldener Engel“ vorgeschlagen werden. Mindestens zwei Vorschläge sollten es sein: eine Vorzugs- und eine Alternativvariante. Es gehe um „eine anspruchsvolle, nachhaltige Entwicklung des Quartiers“ auch hinsichtlich dessen Ausstrahlung auf den zentralen Altstadtbereich, heißt es weiter.

Stadträte sind verwundert

Mit Ankündigung der Ausschreibung im Amtsblatt überraschte die Stadtverwaltung offenbar auch Teile des Stadtrates. So zeigte sich Hans-Jürgen Stöber (Die Linke), zugleich ehrenamtlicher stellvertretender Oberbürgermeister, auf der jüngsten Stadtratssitzung „verwundert“ über diesen Schritt. „Unsere Fraktion wurde seitens der Stadtverwaltung nicht über diese Ausschreibung informiert. Der Sinn und Zweck dieser Studie wurde uns nicht verdeutlicht“, sagte jetzt Thomas Köckritz, Vorsitzender der Fraktion Die Linke, auf SZ-Anfrage. Robert Geburek, Fraktionschef von Bürger für Bischofswerda (BfB), sagt, seine Fraktion könne nicht verstehen, weshalb die Studie in Auftrag gegeben werden soll. Im Rahmen des Gebäudemanagements seien seitens der Stadtverwaltung bereits Vorschläge für eine Nutzung des Engels unterbreitet worden. Nach Aussage von Oberbürgermeister Holm Große (parteilos) soll die Machbarkeitsstudie „Klarheit bringen, was im Quartier realistisch umzusetzen geht“.

Stadträte haben höchst unterschiedliche Erwartungen an die geplante Studie. Bernd Grüber, Vorsitzender der CDU/FDP-Fraktion, erklärte, er begrüße die Machbarkeitsstudie ausdrücklich, wobei insbesondere die Tatsache hervorzuheben sei, dass es sich um eine Studie nicht nur für das Objekt „Goldener Engel“ sondern für das gesamte Quartier handelt. „Dabei werden auch die derzeit bestehenden Eigentumsverhältnisse berücksichtigt. Die Studie kann und muss dazu beitragen, dass ganzheitliche Entwicklungsmöglichkeiten für das Quartier unter Einbeziehung aller Eigentümer aufgezeigt werden. Das Ergebnis der Studie kann dann einem potenziellen Investor als fundierte Entscheidungsgrundlage für seine Investition dienen“, sagte Bernd Grüber.

Die Vorsitzende der SPD-Fraktion Aniko Heinze sagt: „Da eine Machbarkeitsstudie im eigentlichen Sinn die Analyse eines vorgegebenen Plans oder Vorschlags darstellt, die im Falle des Quartiers „Goldener Engel“ aber nicht vorhanden ist – oder zumindest nicht vorgestellt wurde –, sehen wir die Wirkung dieser Studie sehr kritisch bzw. als nicht zielführend an.“ Die Ideen zur Entwicklung eines Konzepts sollten von Seiten der Stadt selbst kommen, um dann gegebenenfalls durch eine Machbarkeitsstudie geprüft zu werden. Nach Jahren der Diskussion um die Zukunft des Engels erschließe sich nicht, warum eine Machbarkeitsstudie „erst jetzt und vor allem ohne klares Konzept auf den Plan kommt. Für eine Zustimmung fehlen uns aktuell noch entscheidende Hintergrundinformationen“, sagt Aniko Heinze.

OB: Bisherige Ideen einbeziehen

Die Stadt ersteigerte den „Goldenen Engel“im Jahr 2012 für 52 000 Euro. Auch ein Bauunternehmer aus der Region wollte das damals schon geschlossene Hotel erwerben, es umbauen, im Erdgeschoss Gastronomie, in den oberen Etagen altengerechtes Wohnen einrichten. Er unterlag bei der Versteigerung mit 1 000 Euro Differenz.

„Die Nutzung des „Engel“ kann unsere Innenstadtentwicklung entscheidend vorantreiben. Daher bilden alle bisherigen Überlegungen und Vorarbeiten die Grundlage für die Untersuchungen in der Machbarkeitsstudie“, sagt OB Holm Große. Das Potenziel von Stadtverwaltung und -rat werde weiterhin ebenso genutzt wie Ideen aus der Bürger- und Unternehmerschaft.

Wieviel die Studie kostet, wird erst das Ergebnis der Ausschreibung zeigen. Geld dafür stehe im Rahmen des Bund-Länder-Förderprogramms „Städtebaulicher Denkmalschutz“ zur Verfügung, sagt Holm Große. Im Jahr 2016 wurde das Fördergebiet „Goldener Engel“ in dieses Programm aufgenommen. Es ist wesentlich größer als das ehemalige Hotel. Das Fördergebiet umfasst große Teile der westlichen und südwestlichen Altstadt von Bischofswerda, insgesamt 3,25 Hektar. Bis zum Jahr 2023 ist laut Ausschreibung für dieses Gebiet ein Gesamtförderrahmen von 3,3 Millionen Euro vorgesehen.