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Alles auf Anfang in Gohrisch

Das Ergebnis der Bürgermeisterwahl ist gültig, hat das Landratsamt entschieden. Dennoch muss neu gewählt werden.

In Gohrisch muss erneut ein Bürgermeister gewählt werden – obwohl das Wahlergebnis gültig ist.
In Gohrisch muss erneut ein Bürgermeister gewählt werden – obwohl das Wahlergebnis gültig ist. © Norbert Millauer

Der Krimi um die Bürgermeisterwahl in Gohrisch hat ein vorläufiges Ende genommen. Die Kommunalaufsicht des Landratsamtes hat nach eingehender Prüfung der Wahlunterlagen entschieden, dass die Wahl gültig ist. Damit wäre jetzt theoretisch Maik Günther (Die Linke) offiziell Bürgermeister von Gohrisch.

Der 38-Jähriger hatte als einziger Kandidat auf dem Stimmzettel gestanden. Nach einer ersten Auszählung war jedoch nicht Maik Günther, sondern Christian Naumann (parteilos) zum vorläufigen Sieger erklärt worden. Eine Überraschung, die sachsenweit einmalig war. Denn obwohl Naumann gar nicht aufgelistet war, hatte er laut dieser Auszählung mehr Stimmen erhalten. 

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Der Grund: Der Wähler konnte auf dem Stimmzettel einen Namen ergänzen. Das ist so im Kommunalwahlgesetz festgelegt, um den Wählern auch dann eine Wahl zu lassen, wenn nur ein Bewerber antritt. Eine Möglichkeit, die viele Gohrischer genutzt haben.

Bei dem Ergebnis blieb es jedoch nicht, denn der Gemeindewahlausschuss musste das Ergebnis wenige Tage später korrigieren. Viele der Stimmen, die zunächst Christian Naumann zugeschrieben wurden, waren ungültig. Denn der zusätzlich auf dem Wahlschein notierte Name konnte nicht eindeutig Christian Naumann zugeordnet werden. 

Laut Kommunalwahlgesetz genügt der bloße Name allein nicht. Es müssen noch andere Merkmale, wie beispielsweise die Adresse oder der Beruf dabei stehen. Das war oftmals nicht der Fall. Deshalb sah die Stimmverteilung nach der zweiten Prüfung anders aus. Mit dem Ergebnis, dass plötzlich Maik Günther zum Wahlsieger erklärt wurde.

Die Kehrtwende hat überregional für Schlagzeilen gesorgt und für jede Menge Gesprächsstoff in Gohrisch. Beim Landratsamt wurden insgesamt elf Einsprüche gegen die Bürgermeisterwahl eingereicht. Sie alle wurden vom Landratsamt zurückgewiesen. „Die Entscheidungen des Gemeindewahlausschusses zur abweichenden Bewertung von Stimmabgaben auf den Stimmzetteln im Vergleich zu den Feststellungen der Wahlvorstände am Wahlabend wurden als ermessensgerecht erachtet“, begründet Thomas Obst von der Kommunalaufsicht.

Damit hätte Gohrisch nun mit Maik Günther (Die Linke) einen neuen Bürgermeister. Sein Amt antreten wird der 38-Jährige allerdings nicht. Denn Günther hatte im Zuge der Wahlquerelen entschieden, das ehrenamtliche Bürgermeisteramt nicht anzunehmen. Er reichte beim Landratsamt daher eine Verzichtserklärung ein.

Begründet hatte Günther das mit der fehlenden Unterstützung, um als Ratschef erfolgreich arbeiten zu können. Seit mehr als 15 Jahren ist der gelernte Papiermacher im Gemeinderat tätig. Er vertritt zudem den amtierenden Bürgermeister Heiko Eggert (parteilos). Nun gäbe es ein gestörtes Vertrauensverhältnis zum Gemeinderat „aufgrund des im Vorfeld der Wahl von einigen Gemeinderäten – alten wie neuen – geführten unfairen Wahlkampfes mit persönlichen Diffamierungen“, teilt das Landratsamt mit. Der Verzichtserklärung sei deshalb stattgegeben worden.

Damit steht nun fest, dass in Gohrisch erneut ein Bürgermeister gewählt werden muss. Innerhalb der nächsten sechs Monate soll der Urnengang stattfinden. Den Termin legt der Gemeinderat fest. Laut Thomas Obst wird dieser aufgrund der wahlrechtlichen Fristen wohl frühestens Ende November oder Anfang Dezember liegen.

Maik Günther hatte zuletzt angedeutet, bei einer Neuwahl womöglich erneut antreten zu wollen. Diese Option lässt er sich nach wie vor offen. „Ich habe diesbezüglich noch keine Entscheidung getroffen“, sagte Günther am Mittwoch gegenüber SZ.

Die Schlammschlacht um ihn und seine Person müsse er erst einmal sacken lassen. Günther will zudem beobachten, wie die Stimmung in Gohrisch ist und wie die Zusammenarbeit im neuen Gemeinderat läuft. „Eine Neuwahl ist zumindest die einzig richtige Entscheidung“, sagt Maik Günther. Dadurch bekämen alle Gohrischer, die tatsächlich Bürgermeister werden wollen, die Chance auf einen richtigen Wahlkampf.

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Christian Naumann hat indes bekannt gegeben, bei der Neuwahl auf jeden Fall als Kandidat antreten zu wollen. „Die Unterstützung aus der Bevölkerung ist da“, sagt er. Der 69-Jährige hätte aufgrund der Wahl ein neues Demokratieverständnis bekommen. „Natürlich habe ich mich auch gefragt, ob ich mir das in meinem Alter noch antun muss“, gibt Naumann zu. Wenn es aber der Bürgerwille sei, dann werde er zur Wahl auch antreten.

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