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Alles Bio

Rita Lehmann leitet seit einem Jahr den Biomarkt auf der Töpferstraße. Und hat dabei einiges gelernt.

© Uwe Soeder

Von Nicole Preuß

Diese Kisten müssen häufiger mal durchsortiert werden. Orangen, Äpfel oder auch Porree. In Bio-Qualität wird alles schneller schrumpelig. Rita Lehmann nimmt sich eine der Kisten und schaut sich alle Orangen an. „Bio-Früchte vergehen einfach schneller“, sagt sie. Da müssen sie als Marktleiterin, die Kollegin Sina Schön und auch die anderen sieben Mitarbeiterinnen häufiger an die Obsttheke. Doch das stört sie nicht. Und auch die Kunden haben damit keine Probleme. „Im Gegenteil, manche sehen darin einen Beweis, das wir wirklich Biofrüchte verkaufen“, sagt sie.

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...und lassen Sie sich elektrisieren.

Schnell läuft sie durch die riesige umgebaute Scheune. Vor mehr als einem Jahr eröffnete Vorwerk Podemus hier an der Töpferstraße im ehemaligen Domstiftlichen Vorwerk einen Biomarkt. Da besaß Inhaber Bernhard Probst bereits sechs Einkaufsläden der Art in Dresden. Doch Bautzen bot seiner Meinung nach das Potenzial, es auch in der Oberlausitz zu versuchen. Und er hat sich nicht getäuscht. „Wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, sagt Rita Lehmann. Sie arbeitete bereits in Dresdener Märkten, bevor sie die Leitung in Bautzen übernahm. Und sie isst selbst vor allem bio. Auch wenn die Produkte etwas teurer sind. „Doch man kauft auch weniger und schmeißt weniger weg. Man isst bewusster“, sagt sie.

Zügig nimmt sie die Holzstufen zu ihrem Büro im Dachgeschoss. Von hier aus können sie und ihre Kollegen auf den Markt schauen. Holzbalken ziehen sich von einer Wand zur anderen. An den Wänden hängen große Fotos von den Zulieferern. Viele kennt man hier persönlich. 400 Quadratmeter ist der Markt groß. Das Angebot, sich in diese ehemalige Scheune einzumieten, zog Podemus auf die Töpferstraße. Um den Markt herum gab es schon vorher nur wenige Händler. Stattdessen haben sich einige Dienstleister auf der Töpferstraße angesiedelt. Da gibt es Versicherungsbüros, Nagelstudios und mehr. Zum Holzmarkt zu ist eine Filiale der Fleischerei Keller. Daneben hat Bäcker Neumann seinen Sitz. Dazu kommen noch einige kleinere Geschäfte zwischen dem Ärztehaus und dem Wendischen Graben. Einen Mini-Markt gibt es hier, einen weiteren Bäcker, einen Gardinenladen, einen Versandshop. Manche Inhaber sind froh, dass sich mit dem Biomarkt ein weiterer großer Händler niedergelassen hat. So gehen einige Kunden, die bei Podemus waren, auf dem Rückweg auch noch mal schnell zum Bäcker oder zum Fleischer. Viele Kunden kommen mit dem Rad oder zu Fuß. Doch auch die, die mit dem Auto kommen, haben genug Platz. An der Töpferstraße kann man parken. Und manche Händler haben sich noch zusätzliche Stellmöglichkeiten geschaffen.

Rita Lehmann geht von ihrem Büro die Stufen hinab in Richtung Käse- und Wursttheke. Fleisch wird hier viel verkauft. Rouladen, Schnitzel und Schnittwurst kommen aus der Podemus-Schlachterei und werden geteilt und gegebenenfalls zubereitet. Käse in vielen Variationen kommt besonders gut beim Wochenendeinkauf an. Auch Wein hat man im Angebot. Schokolode, Getreide, Hülsenfrüchte, Joghurt, Brot, besonderes Mineralwasser. Alles, was ein Markt bieten kann, nur mit dem Bio-Siegel.

Die meisten Zulieferer kommen aus der Region. Vieles bringt auch direkt das Vorwerk Podemus. Der Vierseitenhof am Zschoner Grund begann bereits kurz nach der Wiedervereinigung mit ökologischer Landwirtschaft. Rinder, Schweine und Hühner leben dort noch heute. Doch inzwischen gehören auch eine Schlachterei zum Betrieb und acht Biomärkte. Schon damals zu Beginn waren die Kartoffeln, die Podemus selbst anbaute, ein Verkaufsschlager. Und auch heute in Bautzen kaufen sie die Kunden oft. „Sie sind bei uns ein echter Renner“, sagt Rita Lehmann.

Was Podemus nicht liefert, soll trotzdem keine weiten Wege haben. Ziegenkäse und Joghurt liefert Pommritz. Äpfel und Saft kommen aus Krauscha nördlich von Görlitz. Und die Eier werden ab nächstem Jahr zum großen Teil aus Naundorf bei Freiberg geliefert. Was fehlt da noch? Freundlichkeit, sagt Rita Lehmann und lacht. „Alles andere kommt von selbst.“