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Alles für die Katz

Eine Freitalerin soll einer Katze den Hals umgedreht und einem Bekannten 350 Euro gestohlen haben. Nun fand eine unruhige Gerichtsverhandlung statt.

Eine Auseinandersetzung im Freitaler Trinkermilieu landet vor Gericht. Die Beteiligten machen sich einen Spaß daraus.
Eine Auseinandersetzung im Freitaler Trinkermilieu landet vor Gericht. Die Beteiligten machen sich einen Spaß daraus. © dpa

Von Anne Schicht

Im September 2019 gab es auf einer Grünfläche in Freital großen Rabatz. So sehr, dass die Polizei alarmiert wurde. Es sollen sich einige Personen in die Haare bekommen haben. Gleich zwei Streifenwagen machten sich auf den Weg. Am Ort des Geschehens fanden sie „die stadtbekannten Trinker“ vor, so erinnert sich einer der Polizeibeamten vor Gericht. Alle wären betrunken gewesen, bei einigen wurde ein Promillewert von um die drei gemessen. 

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Besonders ein Ehepaar hatte sich heftig in der Wolle. Der Ehemann gab dort erbost zu Protokoll, dass seine Frau vor circa zwei Wochen ihre Katze getötet hätte. Sie habe der Katze den Hals zugedrückt, bis sie geröchelt habe, dann habe sie mit der anderen Hand den Kopf der Katze zur Seite gedreht, ihr also regelrecht den Hals umgedreht.

Nun steht die Ehefrau, Madlen T., vor Gericht. Sie muss sich wegen unbegründeten Tötens eines Wirbeltiers verantworten. Hinzu kommt noch ein zweites Vergehen. Im Januar soll sie einem Bekannten sieben 50-Euro-Scheine gestohlen haben.

Die 31-jährige Angeklagte verteidigt sich ohne Rechtsbeistand. Die Katzentat streitet sie rundweg ab. Sie hätte die Katze keineswegs getötet, sondern einem Bekannten verkauft. Die andere Tat, den Diebstahl, gesteht sie, aber der Geschädigte hätte das Geld ja schon wieder zurückbekommen.

Angeklagte mit mehreren Vorstrafen

Als Zeugen sind vor allem die Trinkkumpels geladen. Die verstehen den Ausflug ins Gericht als spaßiges Event, das es ordentlich zu zelebrieren gilt. So erklärt der Ehemann der Angeklagten wortreich, dass er einige Zeit später die Katze tatsächlich bei einem Bekannten gesehen hätte und zwar putzmunter. Selbstverständlich wäre sie nicht tot: „Ich hätte sie auch mitgebracht, damit sie sehen können, dass sie lebt. Ich hatte das nur gesagt, weil die Katze damals weg war und ich Wut auf meine Frau hatte.“ 

Auch die anderen Kumpels haben nichts gesehen, nur die Worte des erbosten Mannes gehört. Eine Frau, deren Daten am Anfang der Zeugenvernehmung abgefragt werden, antwortet auf die Bitte nach ihrer Altersangabe lapidar: „Ich bin im besten Alter. Und warum wollen Sie das überhaupt wissen?“ Später, als der Polizist befragt wird, der die Beschuldigungen des Mannes protokolliert hat, bekommt er von Madlen T. vorgehalten: „Warum haben Sie denn überhaupt eine Anzeige von einem Betrunkenen aufgenommen?“

Mehrfach muss Richter Christian Mansch die Bekannten der Angeklagten zur Ordnung rufen und mit einer Geldstrafe drohen. Zwischenrufe und Gelächter stören immer wieder. Etwa als die Zeugen routinemäßig gefragt werden, ob sie Auslagen geltend machen wollen, zum Beispiel für Verdienstausfall. 

Erst als der Staatsanwalt eine deutliche Ansage macht, kehrt etwas Ruhe ein. Erfahrungen mit der Justiz hatten wohl alle schon. Auch die deutsche Angeklagte kann sieben Vorstrafen vorweisen, unter anderem wegen Beleidigung und Betäubungsmitteldelikten. Am Ende wird die Wohnungslose zu 80 Tagessätzen zu je 10 Euro verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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