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Alles im Lot

In Heidenaus neuer Ausbildungsstätte lernen Schüler feilen, werden Lehrlinge ausgebildet und ist Platz fürs Handwerk.

© Norbert Millauer

Von Heike Sabel

Heidenau. Messen, schweißen, feilen. Während andere schon im Wochenende sind, stehen Olga, Michelle, Maximilian, Philipp und ihre Mitschüler immer noch in der Werkstatt. Freiwillig. Seit Anfang des Schuljahres kommen sie jeden Freitag auf die Heidenauer Siegfried-Rädel-Straße in die Ausbildungsgesellschaft der Metall und Schweißer mbH. Olga will etwas lernen, Philipp etwas Neues probieren. Diesmal erhalten sie zunächst eine kleine Lektion in Werkzeugkunde: Vierkantfeile, Rundfeile, Halbrundfeile. Nun geht es an den praktischen Teil. Am Schraubstock zeigt Ausbilder Lutz Große, wie mit den Feilen gearbeitet wird. „Die Schüler machen ihr Ding, auch wenn viel Neuland dabei ist“, sagt Große. Es sei eine feine Sache, eine konkrete Vorstellung von Berufen und Tätigkeiten zu erhalten. Das ist ein wichtiges Ziel des EU-geförderten Projektes unter dem Motto „Von der Schule an die Werkbank und zurück“. Ein anderes: Die Schüler sollen einen ordentlichen Schulabschluss machen. Die Verbindung von Theorie und Praxis soll sie motivieren. Freitags in der Werkstatt merken sie, warum Mathematik wichtig ist und was Geometrie mit dem Feilen zu tun hat. Es wird mit verschiedenem Material gearbeitet, mit Steinen und Kunststoff zum Beispiel.

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Die Heidenauer Förderschule ist eine von bisher vier Schulen, mit denen die Ausbildungsgesellschaft Verträge hat, und die einzige Heidenauer. Die Zusammenarbeit sei gut, sagt Ausbildungskoordinatorin Kathrin Rokasky, insbesondere mit dem Fach Arbeitslehre. Auch in der Schule habe man sich schon vorgestellt. Die Schulen, die derzeit 42 Schüler ins Ausbildungszentrum schicken, sind ein Partner der Gesellschaft. Andere sind Firmen. Denen bietet Kathrin Rokasky die Ausbildung ihrer Lehrlinge an. Dafür wurde die alte Werkstatt umgebaut. Viele, die zum ersten Mal hier stehen, fragen: Ist die neu gebaut? Geschäftsführer Norbert Rokasky schmunzelt dann. Tatsächlich ist auf dem Gelände nicht viel von einst geblieben. Der Flachbau mit den zig Anbauten ist abgerissen, das Hauptgebäude hat einen neuen Anstrich. Hier ist bereits das Schraubenkontor eingezogen, das bisher seinen Standort an der Real-Kreuzung hatte. Weitere Räume für Handwerker stehen noch zur Verfügung.

Geblieben ist, dass auf der Rädelstraße aus- und weitergebildet wird. Bis 2011 war dafür hier das Christliche Jugenddorfwerk zuständig. Es hatte über viele Jahre eine Ausbildungsstätte für verschiedene Berufe. Als die staatlichen Förderungen weniger wurden, war es nicht mehr finanzierbar. Norbert Rokasky nutzte die Chance, und verlegte die Hauptniederlassung seiner Firma von Dresden nach Heidenau. Damit will er auch ein Signal geben. Norbert Rokasky nennt sein Angebot Verbundausbildung, das sich an Firmen der Region richtet, die ihre Lehrlinge für die Grundausbildung im Bereich Metall hierher schicken sollen. Darüber hinaus sind Weiterbildungen möglich. Derzeit werden etwa 50 Lehrlinge ausgebildet. Bis Jahresende sollen es um die 100 sein, sagt Rokasky. Dafür wird er weitere Firmen ansprechen. Die Heidenauer Dach- und Wandsysteme GmbH ist bereits dabei. Sie bekam durch einen Auftrag fürs Ausbildungszentrum Kontakt zu Rokaskys und wollten es probieren, weil es vor der Tür ist und günstig für die Dresdner und Heidenauer Lehrlinge. Bisher läuft es prima, sagt Mitarbeiterin Birgit Hermsdorfer. Die Dohnaer DGH-Group, bekannt als Druckguss, hat zwar derzeit für alle Ausbildungsplätze Partner, will das Heidenauer Angebot aber prüfen.

Olga, Michelle, Maximilian und die anderen haben es geschafft. Sie ziehen sich um, wechseln die Arbeitsschuhe und den Overall gegen ihre Stiefel und Jeans. „Bis zum nächsten Mal“, sagen sie. Noch will Olga Tierpflegerin werden, aber das Schuljahr ist ja auch noch nicht vorbei …