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Alles Käse

Eine angebliche Hofkäserei aus Holland verschickt Briefe mit Gewinnversprechen. Eine miese Masche, warnen Verbraucherschützer.

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Von Andreas Fels

Das Anschreiben sieht harmlos aus. Weil die Preise von Milch und Käse steigen würden, werden gerade „Sie als Kunde eines großen Deutschen Versandhändlers“ zu einer „kostenlosen Verköstigung“ einer niederländischen Käserei eingeladen. Da diese Käserei angeblich eine sehr gute Qualität zu günstigen Preisen liefert, könnte vielleicht auch eine Werbeaktion der Firma in der Sächsischen Schweiz plausibel erscheinen.

…nur weiß man am Ende nicht einmal, wer dahinter steht. Repros: SZ
…nur weiß man am Ende nicht einmal, wer dahinter steht. Repros: SZ
Liest sich alles sehr persönlich und vielversprechend…
Liest sich alles sehr persönlich und vielversprechend…

Doch spätestens beim Weiterlesen wird man stutzig. Jeder Teilnehmer soll als kleines Dankeschön von der Käserei einen 20- Zoll-LCD-Farbfernseher erhalten. Obendrein bekommt jeder Gast einen riesigen Präsentkorb mit Butter, Leerdamer, Kümmelkäse, Roquefort, Camembert, Gouda, Beerenwein, Vollkornbrot, Eiern und Parmaschinken – alles in allem gut sechs Kilogramm schwer.

Aber damit nicht genug. Ein „viertägiger Sonnenurlaub“ und pro Paar „eine hochwertige Espressomaschine incl. Porzellantassen“ sowie die Möglichkeit eines Bargewinns von 999 Euro runden die großzügige Offerte aus dem scheinbaren Schlaraffenland ab.

Starten soll die Aktion am 18. März, um 7 Uhr, mit dem Bus. Auf einer Antwortkarte sollen sich die künftigen Fahrgäste für den Zustieg in Bad Schandau, Königstein, Struppen, Pirna oder Lohmen anmelden. Die Anmeldung dafür mutet sehr seltsam an: Sie soll ohne Firmennennung an ein Postfach in Gröpelingen geschickt werden, einem Stadtteil von Bremen. Wo es am „Käsetag“ eigentlich hingeht, steht allerdings nicht dabei – Überraschung sozusagen.

Allerdings dürfte es nicht schwer sein, das wahre Ziel der Reise zu erraten. Es handelt sich ganz klar um eine sogenannte Kaffeefahrt, bei welcher vornehmlich Rentnern das Geld aus der Tasche gezogen werden soll. Dabei werden den Senioren dubiose Verträge über horrende Summen angedreht oder ihnen wird billiges Zeug für teures Geld verkauft. Letzterer Trick gelingt vor allem bei Senioren immer wieder, denen für hohe Preise „arzneiliche Wundermittel“ oder „Nahrungsergänzungsmittel“ angedreht werden.

Eine auf diesem Gebiet agierende „Käserei aus Holland“ ist ohne Firmensitz und mit wechselnden Postfächern in Norddeutschland schon seit 2012 bekannt. Nur die Briefinhalte sind dabei fast immer identisch.

Die Verbraucherzentrale Hamburg warnt nach einem Zeitungsbericht vor dem Anbieter. Auch auf den Internetseiten pfiffige-senioren.de und gewinnbriefe.net finden sich einschlägige Eintragungen.

Die Anschreiben erwecken einen persönlichen Anschein, da der Nachname des Adressaten bis zu siebenmal im Text erwähnt wird. Es wird empfohlen, entweder gar nicht zu reagieren, oder die Anmeldekarten unfrei und mit fingierten Absenderangaben zurückzusenden – um die Firma wenigstens zu ärgern. Wer sein Geld behalten will, bleibt lieber zu Hause und nimmt sich doch wieder mal ein Buch der Gebrüder Grimm zur Hand. Deren Märchen sind amüsanter, schonen die Nerven – und vor allem den Geldbeutel.