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Alles neu mit Links

In der Pause endet eine Ära. Ein Helfer klebt einen Aufkleber, ein wenig schräg-linkslastig, über das PDS-Emblem. „Die Linkspartei.PDS“ steht darauf. So schlicht ging am Sonnabend ein Kapitel in der Parteigeschichte der PDS zu Ende.

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Von Annette Binninger

In der Pause endet eine Ära. Ein Helfer klebt einen Aufkleber, ein wenig schräg-linkslastig, über das PDS-Emblem. „Die Linkspartei.PDS“ steht darauf. So schlicht ging am Sonnabend ein Kapitel in der Parteigeschichte der PDS zu Ende. Als erster ostdeutscher Landesverband gaben die Genossen damit den Weg frei für ein Bundes-Bündnis mit der WASG.

Mit nur einer Gegenstimme hatten die Delegierten des Listen-Parteitages in Dresden zuvor der Umbenennung zugestimmt. Nur Günter Kolbusa, PDS-Stadtrat in Borna, hatte etwas dagegen. „Die Partei geht damit in eine Richtung, die ich nicht verantworten kann“, bedauert er. Andere taten das auch, aber schweigend. „Wir wollen dritte Kraft in Deutschland werden“, machte PDS-Bundesvize, Katja Kipping, ihren Genossen Mut; und sicherte sich mit 90 Prozent Zustimmung die Spitzenkandidatur.

Tickets in den Bundestag

Es schlug die Stunde der Pragmatiker, nicht der Programmatiker. 26 Plätze auf der offenen Liste der „Linkspartei“ waren zu vergeben. Zwei Tage brauchte sie, um alle zu besetzen. Nur die Plätze eins bis acht gelten als relativ sicheres Ticket in den Bundestag. Obwohl hohe Umfragewerte dem wackligen Linksbündnis Mut machen, bewegte sich der Landesvorstand vorsichtig wie in einem Porzellan-Laden. Auch der Ärger um die letzte Landesliste mit bis heute wirksamem juristischem Nachspiel, hat PDS-Landeschefin Cornelia Ernst vorsichtig, ja unsicher gemacht.

Sieben von zehn Plätzen sollten an PDS-Mitglieder gehen, forderte ein Delegierter. Viele hatten Bauchschmerzen damit, Nicht-PDS-Mitglieder und noch dazu völlig unbekannten Gesichtern auf Anhieb einen Spitzenplatz zu gönnen. Dennoch: Antrag abgelehnt. Das Rennen war so offen, wie die Bewerber-Liste bunt – von WASG-Mitgliedern, Ex-Grünen, Ex-Sozialdemokraten bis hin zu DKP-Mitgliedern.

Der unbedingte Wunsch, auf Bundesebene das neue Linksbündnis mit der WASG zu schmieden führte dabei zum schwersten Zugeständnis bei Platz 2. Axel Troost, WASG-Bundesvorstand, zudem Direktkandidat in Bremen, versprach großzügig im Wahlkampf auch in Sachsen aufzutreten. Bitter für seine Parteikollegen: Weder Manfred Hauser noch Petra Fischer vom WASG-Landesvorstand Sachsen kamen in die „Links-Top-Ten“.

Vorfahrt hatten stattdessen „Überläufer“ wie die DGB-Vorsitzende Vogtland-Zwickau, Sabine Zimmermann, frisch ausgetreten aus der SPD, und die Ex-Grünen Bundestagsabgeordnete Monika Knoche. Sie erreichte mit fast 91 Prozent die höchste Zustimmung.

Dafür blieben bewährte PDS-Kräfte beschädigt auf der Strecke: Die Landtagsabgeordneten Heiko Hilker, Caren Lay und Andrea Roth scheiterten. Erfolgreich dagegen waren der Chemnitzer Familienrichter Jörn Wunderlich (PDS) und die Sängerin Silke Teubner (Band-Name: „Silke und die Hurensöhne“), PDS-Landesvize Michael Leutert und Ilja Seifert. Und DKP-Exot Leo Mayer kam überraschend auf Platz 10. Hat die „Linkspartei“ etwa doch einen spektakulären Fang gemacht, fragten sich viele PDS-Delegierte verwundert, als der SPD-Landtagsabgeordnete Karl Nolle anfangs wie ein Gladiator genüsslich in die erste Reihe geleitet wurde. Doch Nolle, der einzige, aber spitze Dorn im sozialdemokratischen Sitzfleisch versicherte: „Ich bin nur als Beobachter hier.“ Kein Übertritt geplant, versprach er Standhaftigkeit gegenüber der neuen linken Versuchung.