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Allrad für alle Fälle

Die Sebnitzer Bergwacht hat ein neues Einsatzfahrzeug. Es ist eines der letzten seiner Art.

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© Dirk Zschiedrich

Von Dirk Schulze

Sebnitz. Seinen ersten großen Auftritt hat das neue Einsatzfahrzeug der Bergwacht-Bereitschaft Sebnitz bereits hinter sich. Als eine Klettergruppe im Januar einen eher ungewöhnlichen Gipfel im Kleinen Zschand per Menschenpyramide bezwingen wollte, trug einer der Teilnehmer einen Hexenschuss davon und musste anschließend versorgt werden. Das Bergsportmagazin Biwak war mit der Kamera dabei. Die Folge lief am 17. Februar im MDR und ist weiterhin in der Mediathek abrufbar.

Die nächste Besonderheit: Der Land Rover Defender Baujahr 2015, den die Sebnitzer Bergwacht jetzt in der Garage stehen hat, gehört zu den letzten, die je gebaut wurden. Die Produktion des markanten englischen Geländewagens wurde zum 29. Januar 2016 nach 68 Jahren endgültig eingestellt.

Der alte VW-Bus der Sebnitzer Bergwacht hatte schon gut 20 Jahre auf dem Buckel und entsprach nicht mehr den aktuellen technischen Anforderungen. Der jetzt in Betrieb genommene Defender ist das zweite von drei neuen Fahrzeugen, die das Landratsamt, an den DRK-Kreisverband Sebnitz übergeben hat. Die Bergwacht ist im unwegsamen Gebirgsgelände das Bindeglied zwischen dem Verunglückten und einem regulären Rettungswagen, erklärt Rita Seidel, Vorstandvorsitzende des Kreisverbands. Mit ihren Fahrzeugen müssen die Bergretter deshalb so weit wie möglich an einen in Not geratenen Kletterer oder Wanderer heranfahren können und ihn im zweiten Schritt auch bergen.

Defender mit Blaulicht und Sondersignal

Der neue Land Rover ist für beides ausgelegt: Er dient zum einen als Mannschaftswagen für ein Rettungsteam – bei jedem Einsatz müssen mindestens vier Leute ausrücken. Zum anderen bietet das Auto auch Platz genug für eine Trage, damit der Geborgene bis zum Rettungswagen oder zum Rettungshubschrauber transportiert werden kann. Im neuen Land Rover wird für die Trage die Rücksitzbank umgeklappt. Das Fahrzeug ist mit Blaulicht und Sondersignal ausgestattet sowie mit Notfallmaterialien für die Erste Hilfe und der nötigen Ausrüstung zum Abseilen von Verletzten bestückt.

Dass die Technik gebraucht wird, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Organisatorisch ist die Bergrettung in der Sächsischen Schweiz in zwei Bereiche aufgeteilt. Es gibt die festen Bergwachtstationen in Rathen und im Bielatal, die von Ostern bis Oktober besetzt sind. Darum kümmern sich mehrere Kreisverbände des DRK gemeinsam. Für alles, was unter der Woche und über den Winter passiert, ist jedoch der Sebnitzer Kreisverband verantwortlich. Die Bergwacht hat dafür drei Alarmgruppen in Sebnitz, Bad Schandau und Pirna in Bereitschaft. Und die bekommen immer mehr zu tun.

Anzahl der Einsätze der Bergwacht steigt

Waren es 2014 insgesamt noch 74 Einsätze, zu denen die Bergwacht in der Sächsischen Schweiz ausrücken musste, stieg deren Anzahl 2015 auf 89. Dabei wuchs der Anteil der Einsätze an Wochentagen und im Winterhalbjahr überproportional von 32 (2014) auf 49 Einsätze. Das heißt also, das, was die Alarmgruppen der drei Bereitschaften abdecken, macht mittlerweile mehr als die Hälfte aus. Das Verhältnis hat sich verschoben. „Wir beobachten ein deutliches Ansteigen der Einsätze an Wochentagen“, sagt Vorstandsvorsitzende Rita Seidel. Während es früher klassischer Weise ab dem Frühling und vorzugsweise am Sonnabend und Sonntag ins Gebirge ging, herrscht nun ganzjährig mehr Betrieb. Demzufolge konzentrieren sich die Unfälle nicht mehr auf die Saison zwischen Ostern und Oktober und auch nicht mehr nur auf die Wochenenden, sondern verteilen sich durchgängig.

Die Mitglieder der Bereitschaften müssen also immer öfter ausrücken – während der Arbeit, nach Feierabend und auch nachts. Denn die Bergretter engagieren sich alle komplett ehrenamtlich. Die Häufung der Einsätze macht es zunehmend schwieriger, Verständnis bei den Arbeitgebern zu finden. Umso größer ist die Freude beim Sebnitzer DRK, dass die Ehrenamtler nun mit moderner Technik ausrücken können. Die Bereitschaft in Bad Schandau hat einen ähnlich ausgestatteten Land Rover wie die Sebnitzer bereits im vergangenen Sommer erhalten. Die Pirnaer sollen im Laufe des Jahres als nächste drankommen. Das wird dann allerdings ein anderes Fabrikat, den Defender gibt es nun nicht mehr.