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„Alltagsrassismus begegnen“

Grünen-Fraktionschefin Christiane Filius-Jehne über Pegida-Demonstrationen und den falschen Weg in Dresden.

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© Sven Ellger

Frau Filius-Jehne, was ist anders, nun die Mehrheit im Stadtrat zu haben?

Dass man Anträge durchbekommt und Entscheidungen auf den Weg bringen kann.

Was bringt das konkret für die Bürger in Dresden?

Wir gehen davon aus, dass die Werte, für die wir stehen, wie Nachhaltigkeit, ökologischer Umbau und Kultur statt Beton auf eine breite Mehrheit stoßen. Weltoffenheit ist gerade bei dem Thema Pegida mit mehr als drei Ausrufezeichen zu versehen.

Wie kann dem Phänomen Pegida begegnet werden?

Wenn ich ein Patentrezept hätte, wäre ich glücklich. Man muss gegen den Nährboden, auf dem so was wächst, vorgehen. Dem latenten Alltagsrassismus kann man nur durch Aufklärung begegnen. In Dresden gäbe es keinen Canalettoblick und keine Hofkirche ohne Italiener. Das Positive, das Internationalität für die Stadt bedeutet, sollte auch für die jetzige Zeit klarer und deutlicher vermittelt werden.

Wie kann man das den Menschen vermitteln, die bei Pegida mitlaufen?

Indem man mit ihnen spricht, versucht sie zu erreichen. Damit sie nicht das Gefühl haben, wie es offenbar leider ist, sie seien an den Rand der Gesellschaft gedrängt. Mit diesem Gefühl suchen sie sich Buhmänner. Das kann nur geändert werden, indem man den Menschen Angebote macht. . Man muss versuchen, sie wieder aktiv in die Mitte der Gesellschaft hereinzuholen. Dafür darf aber im Jugend- und Sozialbereich nicht gekürzt werden.

Haben Sie sich bereits mit Pegida-Teilnehmern auseinandergesetzt?

Nein. Aber wenn ich auf Alltagsrassismus stoße, dann versuche ich, mit den Leuten ins Gespräch zu kommen.

Wann und in welcher Situation ist Ihnen zuletzt Alltagsrassismus begegnet?

Das war in der Straßenbahn. Da hat vor mir jemand gesagt, man wolle gar nicht mehr in die Stadt gehen, weil dort kein Deutsch mehr gesprochen werde. In dem Moment musste ich leider aussteigen, sonst hätte ich den Menschen angesprochen. Beim 13. Februar ist es gelungen, eine klare Botschaft zu senden. Es wurden Kräfte gebündelt, in der Menschenkette und in den Blockaden. Wenn alle weltoffenen und demokratischen Kräfte sich zusammentun und klarmachen, dass Pegida der falsche Weg ist, müsste es funktionieren.

Warum gibt es gerade in Dresden so viel Zuspruch für Pegida?

Wir hatten hier ja auch am längsten eine starke NPD im Landtag. Die ist nur knapp rausgeflogen. Wir haben immer noch zwei Nazis im Stadtrat. Dass hier immer wieder von Extremismus gesprochen wird, ohne zu unterscheiden, ist ein Fehler. Die rassistische Komponente hat nur der rechte Extremismus. Wenn ich das nicht klar brandmarke und herausstelle, wird es salonfähig.

Bedeutet das, dass ein großer Teil der Dresdner latent rechts ist?

Nein. Grit Hanneforth vom Kulturbüro hat sehr richtig gesagt: Wenn all die Menschen, die sich aktiv einbringen, um den Flüchtlingen eine zweite Heimat zu bieten, auf die Straße gingen, wäre Pegida eine kleine Menge. Diese Leute agieren im Alltag nicht so medienwirksam. Aber ein weit größerer Teil der Dresdner ist weltoffen.

Das Gespräch führte Andreas Weller