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Döbeln

Als das Bier 43 Pfennig kostete

Gemeinsam mit 85 neugierigen Gästen spazierten Hobbyhistoriker durch ihre Stadt. Sie suchten nach Spuren vergangener Glanzzeiten.

Peter Faust (am Mikro) und Klaus Enzmann führten eine Gruppe von rund 85 interessierten Gästen durch Hartha und berichteten dabei von wirtschaftlichen Glanzzeiten der Stadt. Auch an der Pestalozzi-Schule gab es einiges zu erzählen.
Peter Faust (am Mikro) und Klaus Enzmann führten eine Gruppe von rund 85 interessierten Gästen durch Hartha und berichteten dabei von wirtschaftlichen Glanzzeiten der Stadt. Auch an der Pestalozzi-Schule gab es einiges zu erzählen. © Lars Halbauer

Hartha. Nach dem nass-kalt verregneten Sonnabend ließen es sich insgesamt rund 85 Neugierige am Sonntag nicht nehmen, bei strahlendem Sonnenschein an einem besonderen Spaziergang durch die Stadt teilzunehmen.

Angeführt von Peter Faust und Klaus Enzmann erfuhr die Gruppe, wieviele verschiedene Geschäfte, Handwerksbetriebe und Lebensmittelläden es einst gab. „Auf drei Straßen konzentrierten sich das Gewerbe und die Läden besonders. 

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Dabei war die Karl-Marx- beziehungsweise die Albertstraße zwar die kürzeste. Mit mehr als 21 angesiedelten Geschäften allerdings auch die belebteste Straße in Hartha“, konnte der Senior erzählen. Von der gewerblich florierenden Innenstadt ist heute so gut wie nichts mehr übrig geblieben. „Da gibt es heute nur noch einige wenige Garagentore oder Wohnhäuser, in denen früher all diese Läden und Geschäfte einst untergebracht waren“, erläuterte Peter Faust.

Klaus Enzmann sprach über die verschiedenen Industriezweige und deren Entwicklung. So war die Bierbrauerei einst ein nicht unbedeutender Wirtschaftszweig. „Es gab in Hartha im Jahr 1731 tatsächlich 53 brauberechtigte Bürger, die sich zu einer Genossenschaft zusammenschlossen“, berichtete Enzmann. Die Rechte wurden später an einen Einzelbetrieb verkauft. 

1887 wurde in der Stadt ein Lagerbier produziert, dass vor allem in Döbeln gern getrunken wurde. „Weil dort aber galt, aus Hartha könne nichts Gutes kommen, wurde das Bier einfach als Zwickauer Gebräu ausgeschenkt“, erzählte Enzmann. Viele solcher Geschichten hatten er und seine Mitstreiter zu erzählen. So beispielsweise auch, dass zu DDR-Zeiten ein kleines Bier mal 43 Pfennige kostete.

Mit ihren 31 und 30 Lenzen waren Robert Schanze und Cornelia Mehner in der großen Truppe eine auffällige Minderheit. „Wir stammen aus Hartha und uns interessiert die Geschichte der Stadt“, sagte das junge Paar, das mit Söhnchen Max (fast vier Jahre) auch gleich die nächste Generation dabei hatte. „Es ist interessant zu hören, wie belebt die Stadt einst war. Gleichzeitig macht es uns traurig, dass es heute eigentlich so gut wie keine Geschäfte mehr gibt und die Stadt irgendwie tot zu sein scheint“, so die Harthaerin.

Die meisten Spaziergänger waren deutlich älter, erinnerten sich an viele der ursprünglichen Geschäfte und dazu an die eine oder andere lustige und bemerkenswerte Anekdote. „Da gab es hier auf der Karl-Marx-Straße einmal einen Friseur, der hatte plötzlich im Lotto gewonnen. Trotzdem hat er die Leute ganz normal weiter frisiert und gearbeitet“, berichtete Georg Richter, Mitglied im Heimatverein. Kindheitserinnerungen auffrischen und sich an diese Glanzzeiten erinnern wollte auch der 70-jährige Harthaer Jochen Walther. „Es ist schade, dass davon heute nichts mehr übrig geblieben ist“, sagte er.

Organisiert wurde der Stadtrundgang von der Interessengemeinschaft „Wir - für ein schönes Hartha“, einer Gruppe der Harthaer Heimatfreunde. Passend zu diesem Thema hat der Verein außerdem eine Sonderausstellung mit dem Titel „Historie der Stadt Hartha – Geschäfte und Handel“ zusammengestellt. Die Ausstellung widmet sich den Läden am Markt, an der Karl-Marx-Straße, der Dresdener Straße, der Pestalozzistraße, der Goethestraße und der Leipziger Straße. Auf einem Foto ist zum Beispiel die Karl-Marx-Straße zu sehen.

Die Heimatstube hat im Monat Mai jeden Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet.