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Großenhain

Als das Krankenhaus verschwand

Am 30. April 2012 wurde es geschlossen. Vorher riss man Garagen und Gebäude ab. Das alles sorgte für Ärger.

Dieses Foto ging vielen Einwohnung unter die Haut und nicht mehr aus dem Kopf: Das geliebte Krankenhaus – 1962 modern und patientennah eingeweiht – fällt dem Abriss zum Opfer. Bis heute ist das ein Trauma der Stadt.
Dieses Foto ging vielen Einwohnung unter die Haut und nicht mehr aus dem Kopf: Das geliebte Krankenhaus – 1962 modern und patientennah eingeweiht – fällt dem Abriss zum Opfer. Bis heute ist das ein Trauma der Stadt. © Archiv: Klaus-Dieter Brühl

Großenhain. Anfang Mai 2010 ahnten die Großenhainer noch nichts vom bevorstehenden Tornado zu Pfingsten. 

Doch was sie nach einer Anwohnerversammlung genau wussten: Der Abriss des gesamten Krankenhauses wird zwei Jahre dauern. Er wird Lärm, Dreck und Verkehrsbelastungen mit sich bringen. Der Fakt, eine wohnortnahe medizinische Rundumversorgung zu verlieren, war schon schlimm genug – die Geburtenstation war bereits 2009 geschlossen und nach Riesa verlegt worden. Doch für manche kam sogar der Verlust ihrer Garage noch dazu: nämlich für die Eigentümergemeinschaft an der Zschillestraße. „Ein Anspruch auf Entschädigung besteht nicht“, schrieb die SZ Anfang Mai 2010.

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Und im Juli ging es dann los: Küche und Wirtschaftsgebäude waren da schon ausgeräumt, der Bagger mit riesigem Greifer rückte an, um das Bettenhaus und den Wirtschaftstrakt abzureißen. Auf diesem Gelände war der Rohbau für die neue Klinik und das Ärztehaus geplant. 2012, so dachte man damals, kommt nach Inbetriebnahme der neuen Reha und des Facharztzentrums das gesamte Krankenhaus weg. Kurz vor Weihnachten 2011 war Reha-Richtfest, die letzte Station des Krankenhauses wurde am 30. April 2012 geschlossen. Die Notfallversorgung sollte bleiben.

Es kam anders als gesagt

Im August 2012 begann der Abbruch des 50-jährigen Behandlungs- und Bettenhauses. Zunächst im Inneren, wo belastetes Material ausgebaut wurde. Begonnen wurde mit der früheren Poliklinik, das ehemalige Hauptgebäude mit dem OP-Trakt im Obergeschoss kam zum Schluss an die Reihe. Dort türmten sich jede Menge alte Türen und Fenster, Sanitärgegenstände, Platten. Das Gros des Abrissgutes landete später ordnungsgemäß auf der Müllhalde.

Allerdings längst nicht alles. Gerade die technischen und medizinischen Geräte wurden teilweise auf die verbleibenden Krankenhäuser der Elblandkliniken verteilt, anderes auch zum Verkauf angeboten. Beim Abriss waren von der Firma TFI Netzschkau zehn Arbeiter vor Ort. 

Wegen der enormen Staubentwicklung musste die Baustelle gleichzeitig mit Wasser bespritzt werden. Schließlich herrschte im halb fertigen Neubau der Reha-Klinik gleich nebenan teilweise bereits Publikumsverkehr. Denn mehrere Praxen, die im Krankenhausanbau niedergelassen waren, hatten dort schon ihr neues Domizil gefunden.

Doch dann wurde der Eröffnungstermin der Reha auf Februar 2013 verschoben. Zwei größere Wasserschäden am Neubau hatten das Vorhaben kräftig in Verzug gebracht. In einem Gebäudeteil musste der gesamte Estrich entfernt werden. Der Zeitverzug ließ sich nicht wieder aufholen, und es stellte sich heraus, dass es in der neuen Reha zwar einen Raum für Notfallversorgung geben wird, aber kaum Ärzte dafür. Wer wirklich schlimme Verletzungen hat, wird sich hier nicht behandeln lassen.

Im Oktober 2012 war zumindest der Mittelbau mit dem zuletzt aufgesetzten OP-Trakt noch zu sehen. Die Nebengebäude dagegen waren bis auf den Keller nicht mehr da. Dafür riesige Berge von Bauschutt. An der Stelle entstanden später Parkplatz und Grünanlage. Trotz schwerer Technik kam das Abrissunternehmen nur verhältnismäßig mühsam voran. Ein wesentlicher Grund lag in den Umweltauflagen, die die Entsorgung des Bauschutts vorgaben. Viel Handarbeit war notwendig.

Mit dem Akutkrankenhaus verschwanden fast 200 Betten und alle Abteilungen: Intensivmedizin, Chirurgie, Gynäkologie, Innere Medizin und Dialyse, Röntgendiagnostik und Neurologie.