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Als der Bahnhof noch ein Bahnhof war

Die Bahnhofsgebäude am Haltepunkt Döbeln Zentrum sind so alt wie die Eisenbahnstrecke Borsdorf-Coswig, die 1868 in Betrieb genommen wurde. Der Haltepunkt nannte sich damals Döbeln Ost, sagte der Eisenbahnfreund Andreas Riethig.

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Die Bahnhofsgebäude am Haltepunkt Döbeln Zentrum sind so alt wie die Eisenbahnstrecke Borsdorf-Coswig, die 1868 in Betrieb genommen wurde. Der Haltepunkt nannte sich damals Döbeln Ost, sagte der Eisenbahnfreund Andreas Riethig. Die Döbelner hatten seinen Bau erfolgreich eingefordert, weil der Hauptbahnhof zu weit ab lag vom Stadtzentrum. Die heutige Straße des Friedens hieß deshalb „Wiesenweg zum Haltepunkt Döbeln Ost“, was ein Hinweis darauf ist, dass das Gelände damals noch unbebaut war.

Der Haltepunkt sah damals auch noch ganz anders aus. Die Züge hielten auf Höhe der Wartehalle. Sie überquerten die Roßweiner Straße, wo es einen Bahnübergang gab. Erst 1905 wurden die Gleise um etliche Meter nach unten verlegt. Mit dem anfallenden Erdreich aus dem Einschnitt wurde das Gelände des späteren Güterbahnhofs Ost bis zu sechs Meter hoch aufgeschüttet, so Riethig.

Nach dem Umbau gelangten die Reisenden über eine überdachte Brücke hinüber zum anderen Bahnsteig. Die Strecke war damals zweigleisig und sie blieb es bis nach dem Zweiten Weltkrieg, als ein Gleis abgebaut wurde und als Reparationsleistung in die Sowjetunion ging. Die überdachte Fußgängerbrücke war noch bis 1979 an Ort und Stelle. Dann wurde sie weggeschafft und diente am Hauptbahnhof als Geräteschuppen für die Bahnmeisterei, sagte Riethig.

Im Hauptgebäude befanden sich schon immer Dienstwohnungen für Eisenbahner. Im Anbau des Bahnhofsgebäudes war neben der Wartehalle der Fahrkartenschalter, die Reisegepäck- und Expressgutannahme und -ausgabe und die Bahnhofsgaststätte untergebracht.

Bis zum Hochwasser 2002 war der Haltepunkt tatsächlich noch ein Bahnhof, sagte Riethig. Erst danach wurde ein durchgehendes Gleis eingebaut und das bis dahin besetzte Stellwerk stillgelegt.

Im Jahr 1929 passierte im Ostbahnhof ein schweres Eisenbahnunglück. Ein Güterzug entgleiste in voller Fahrt, als er auf ein fast sechs Kilo schweres Wäschepaket fuhr, das eine Stunde zuvor beim Ausladen aus einem Personenzug auf die Schiene gefallen war. Der Lokführer starb vier Tage später an seinen schweren Verletzungen im Döbelner Krankenhaus.