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Die Zeit der schmalen Pfade

Vor 140 Jahren wurde die Kirnitzschtalstraße gebaut. Bis dahin funktionierte der rege Verkehr auf einfachen Wegen.

Von Gert Ulbricht

Ende des 18. Jahrhunderts gab es im Zentrum des Elbsandsteingebirges, in der heutigen Sächsischen Schweiz, nur wenige Verkehrsverbindungen. Die Dörfer waren untereinander mit schmalen Pfaden und einfachen Feldwegen verbunden.

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Es gab keine durchgehende Verbindung durch das Kirnitzschtal. Doch es wurde von nicht unbedeutenden Wegen gekreuzt. So nahe der Lichtenhainer Mühle vom Verbindungsweg zwischen den Burgstätten Hohnstein und Wildenstein und von einem Weg, der von Tetschen über Rainwiese und durch den großen Zschand nach Sebnitz führte. Es gab auch schon befahrbare Verbindungen: Eine verband Tetschen mit Nixdorf und passierte Herrnskretschen, den Stimmersdorfer Steig und das Zeughaus. Auch vom Saupsdorfer Steig, der nach Hinterhermsdorf führte, wurde das Tal gekreuzt. Ebenso von der Höllestraße beziehungsweise der alten Böhmerstraße, die beide, von Böhmisch-Kamnitz kommend, über Hinterhermsdorf nach Nixdorf verliefen von dort weiter in Richtung Schluckenau und Rumburk Anschluss nach Bautzen und Zittau fanden.

Alle diese Wege hatten eines gemeinsam: einen äußerst regen Fahrverkehr durch die Felsenwelt der hinteren sächsischen Schweiz.

Im damaligen Kirnitzschtal gab es entlang des Flusses nur schmale Steige, die von den Flößern benutzt werden konnten. Vermutlich wurde schon in grauer Vorzeit das Holz auf dem Kirnitzschbach geflößt, denn der größte Teil der Mühlen waren Schneidemühlen. Das geschlagene Holz aus dem Hinterhermsdorfer Raum wurde seit 1542 – wenn in der Kirnitzsch ausreichend Wasser vorhanden war – auch bis nach Bad Schandau zur Elbe geflößt. Und so sah man den Kirnitzschbach in der damaligen Zeit: „Von Schandau nahmen wir nach dem von da vier Stunden entlegenen Kuhstall einen Führer mit. Hinter Schandau fängt gleich der Kirnitzscher Grund an, der bis an den Kuhstall fortläuft. An manchen Orten ist er kaum 30 Schritt breit und wird durch die steilsten Felsenwände eingeschlossen. Diese sind überall durch schreckliche Spaltungen und Ritze zerrissen. Hin und wieder sind auch einige freie Weideplätze, worauf Ziegen und Rinder weiden, sonst sieht man hier kein lebendiges Wesen, an manche Stellen können nicht einmal die Strahlen der Sonne dringen und das finstere Schwarzholz macht es hier noch schauerlicher. Ein heller klarer Bergstrom murmelt laut hindurch und unterbricht noch die melancholische Stille. Zwei Mühle liegen ganz einsam in diesem Tal, wir erquickten uns in beiden mit einem Glase frischer Milch.“ Das Zitat entstammt der alten Sammlung Willy Berger im Heimatmuseum Bad Schandau.

Im oberen Teil des Kirnitzschtales wurde zwischen 1811 und 1835 durch den Hinterhermsdorfer Oberförster Voigt erstmalig eine Wegeverbindung von der Oberen Schleuse nach Hinterdittersbach ausgebaut. Ein Teil der Wegeanlagen wurde bereits fünf Jahre vorher (1836) durch den Major Dieskau hergerichtet, wovon noch heute eine Inschrift an der Felswand nahe dem Kerbensteig und der „Schauerbrücke“ kündet. Die Flößerei auf der Kirnitzsch führte an den Mühlen des Tales immer wieder zu Beschädigungen der Wehre und Brücken, sodass die Mühlenbesitzer nicht nur Schadenersatz, sondern den Bau einer durchgehenden Straße forderten. Das geschah vor 140 Jahren mit dem Bau der Kirnitzschtalstraße. wird fortgesetzt